Reisende mit Gepäck stehen im Terminal C vom Flughafen Hannover-Langenhagen. | dpa

Reisen im Herbst In den Urlaub geht es meist kurzfristig

Stand: 12.10.2021 10:56 Uhr

Für die Herbstferien haben die Deutschen ihre Reisen meist nur wenige Wochen im Voraus gebucht. Veranstalter oder Fluggesellschaften müssen deswegen gerade besonders flexibel sein.

Von Bibiana Barth, ARD-Börsenstudio

Lange Schlangen und endloses Warten: An vielen Flughäfen herrschte eher Frust als Lust zu Beginn der Herbstferien. Impfnachweise prüfen, Corona-Tests kontrollieren, das alles braucht Zeit. Die langen Schlangen sollten aber über eines nicht hinweg täuschen, die Reisebranche ist immer noch in der Krise. "Wir sehen für den Herbst eine gute Nachfrage, wenn wir es aber mit 2019 vergleichen, dann sehen wir gerade einmal 40 Prozent der Umsätze in den Büchern", sagt Kerstin Heinen vom Deutschen Reiseverband.

Umbau der Lufthansa-Flotte

Was auffällt: Das Buchungsverhalten habe sich verändert, so Kerstin Heinen. Statt lange im Voraus eine Reise zu planen, entscheiden sich Urlauber kurzfristig. "Wir haben in der zweiten September-Woche gesehen, dass 60 Prozent der Buchungen für September oder Oktober sind", so die Verbandssprecherin. "Das heißt, es wird gebucht mit einer Vorlaufzeit von sechs bis vier Wochen, zum Teil noch kürzer."

Eine Herausforderung - nicht nur für die Flughäfen. Auch die Reiseveranstalter und Fluggesellschaften müssen sich flexibel darauf einstellen. Und das tun sie. Zum Beispiel bei der Lufthansa: Die schwierigen Corona-Monate hat die größte deutsche Airline genutzt, um massive Sparmaßnahmen durchzusetzen und um die Flotte komplett umzubauen.

"Der Flugzeugpark wird optimiert, es werden speziell ältere Flugzeuge aus dem Portfolio herausgenommen - zum Beispiel die A380", sagt Stefan Schöppner, Lufthansa-Experte und Analyst der Commerzbank. "Es gibt neue Flugzeuge im Bestand, die weniger verbrauchen und flexibler in der Bestuhlung sind."

Große Anbieter profitieren

Viele Anleger glauben an die Strategie, so dass die Lufthansa frisches Geld einsammeln kann für eine Kapitalerhöhung. Das Ziel: Schulden tilgen beim deutschen Staat, der in der Krise mit Milliarden half, den Konzern vor der Pleite zu bewahren. Ähnliches hat der Touristikkonzern TUI vor. "TUI braucht zunächst einmal neues Kapital, sie haben im Moment eine Kapitalerhöhung von 1,1, Milliarden, nachdem die Lufthansa schon 2,1 Milliarden eingesammelt hat", sagt der Reiseexperte Michael Gierse von der Union Investment. "Bei der Lufthansa hat das sehr gut funktioniert. Darauf hofft jetzt auch die TUI."

Die großen Reisekonzerne profitierten besonders davon, dass kleinere Konkurrenten in der Krise vom Markt verschwinden, so der Reiseexperte. Auch für die Kreuzfahrtbranche sieht Gierse Aufwind. Gerade im Mittelmeer gebe es schon viele Anbieter, die wieder Schiffe im Einsatz hätten. "Auch der nordische Bereich war wieder sehr aktiv, und die Amerikaner kommen zurück. Die Nachfrage für das nächste Jahr ist hier enorm, da gibt es viel Aufholpotenzial", so Gierse. "Und auch für 2023 kann man schon Kreuzfahrten buchen, was sehr ungewöhnlich ist."

Dieser Beitrag lief am 12. Oktober 2021 um 05:18 Uhr im Deutschlandfunk.