Gehaltsbrechnung mit Münzen und einem Geldschein | dpa

Kurzarbeit und Inflation Reallöhne sinken in Deutschland

Stand: 28.06.2021 10:17 Uhr

Die Arbeitnehmer in Deutschland mussten zu Jahresbeginn Reallohn-Einbußen hinnehmen. Die Kurzarbeit wirkte sich negativ aus. Aber auch die steigende Inflationsrate machte sich zunehmend bemerkbar.

Die Kurzarbeit infolge der Corona-Pandemie hat im ersten Quartal für einen Rückgang der Realöhne gesorgt. Nominal lagen die Löhne von Januar bis März um 0,7 Prozent niedriger als im ersten Quartal 2020, teilte das Statistische Bundesamt mit. In die Berechnungen fließen die Bruttomonatsverdienste sowie Sonderzahlungen ein. Weil gleichzeitig die Verbraucherpreise in den Monaten von Januar bis März um 1,3 Prozent stiegen, sanken die Reallöhne um 2,0 Prozent.

Der Effekt der Kurzarbeit

Die gesamtwirtschaftliche Lohnentwicklung im ersten Quartal 2021 sei anders als im Vorjahresquartal durch den vermehrten Einsatz von Kurzarbeit aufgrund der Corona-Pandemie beeinflusst gewesen, erläuterten die Statistiker. Kurzarbeit reduziert die bezahlte Wochenarbeitszeit und damit den Bruttomonatsverdienst.

Wenngleich das Kurzarbeitergeld die Verdiensteinbußen für viele Beschäftigte abgefedert habe, sei es eine Lohnersatzleistung und kein Verdienstbestandteil. Daher werde es in den Verdienststatistiken nicht erfasst. 

Bei der Wochenarbeitszeit macht sich der Effekt der Kurzarbeit bemerkbar, heißt es in der Mitteilung: Insgesamt reduzierte sich die bezahlte Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten um durchschnittlich drei Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Ausmaß des Rückgangs branchenabhängig

Weit überdurchschnittliche Abnahmen der Nominallöhne von über 30 Prozent waren vor allem im Bereich der Beherbergung (minus 38,6 Prozent), der Luftfahrt (minus 35,8 Prozent), im Spiel-, Wett- und Lotteriewesen (minus 31,9 Prozent) sowie bei Reisebüros beziehungsweise Reiseveranstaltern (minus 30,8 Prozent) festzustellen.

Der Verdienstrückgang war bei den angelernten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit minus 2,7 Prozent und bei den ungelernten mit minus zwei Prozent am größten. Herausgehobene Fachkräfte und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in leitender Stellung verbuchten dagegen sogar Verdienstzuwächse, die 0,2 und 1,4 Prozent betrugen.

Wie geht es mit der Inflation weiter?

Die Reallöhne waren auch schon im zweiten Quartal 2020 wegen des ersten Lockdowns gesunken, und zwar um 4,7 Prozent. Im dritten Quartal 2020 verringerte sich dieser Rückgang auf minus 1,3 Prozent. Im vierten Quartal 2020 wuchsen die Reallöhne geringfügig um 0,4 Prozent. 

Sollte die Inflation weiter steigen, drohen den Arbeitnehmern weitere Reallohn-Verluste. Im Mai kletterte die Inflationsrate auf 2,5 Prozent. So stark war die Teuerung zuletzt vor knapp zehn Jahren.

Dabei handelt es sich um ein internationales Phänomen. In den USA stieg die Inflation auf fünf Prozent - der höchste Stand seit 2008.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. Juni 2021 um 11:00 Uhr.