Lange Schlangen von Reisenden am Flughafen Düsseldorf | dpa

Beginn der Ferienzeit In der Warteschlange vom Urlaub träumen

Stand: 24.06.2022 15:31 Uhr

Mit dem Start der Sommerferien in Nordrhein-Westfalen beginnt die Urlaubssaison. Doch an Flughäfen drohen lange Schlangen, weil weiter Personal für die Abfertigung fehlt. Und auch in den Zügen könnte es eng werden.

Von Jens Eberl, WDR

Während der Ferienzeit erwartet der größte Flughafen Nordrhein-Westfalens in Düsseldorf drei Millionen Passagiere und damit etwa 70 Prozent mehr als im Vorjahr. Die verkehrsreichsten Zeiten innerhalb der Ferien sind das erste und das vorletzte Wochenende. Hier rechnet der Airport mit jeweils mehr als 200.000 Passagieren.

Es dürfte schwierig werden, die Massen pünktlich abzufertigen. Denn in der Corona-Zeit wurde viel Personal abgebaut. Zwar wird längst wieder eingestellt. Doch das Niveau aus der Zeit vor der Pandemie ist noch lange nicht erreicht.

Passagiere brauchen gute Nerven

Der aktuelle Personalmangel führt im Luftverkehr bei der Passagierabfertigung europaweit zum Teil zu erheblichen Wartezeiten für die Fluggäste. Der Flughafen Düsseldorf versucht, dagegenzuhalten. Servicekräfte wurden durch Studierende aufgestockt, Passagiere sollen gezielt zu den Sicherheitskontrollen umgeleitet werden, wo noch Kapazitäten sind. Schon ab drei Uhr morgens sollen Früh-Check-Ins möglich sein.

"Leider wird dies bei weitem nicht ausreichen, um die personellen Engpässe der Dienstleister von Airlines und Bundespolizei auszugleichen. Daher befürchten wir, dass die Reisen zahlreicher Passagiere mit Unregelmäßigkeiten, Verzögerungen und langen Schlangen beginnen oder enden", sagt Airport-Chef Thomas Schnalke.

Bitte um Hilfe bei der Suche nach Personal

Am Köln-Bonner Flughafen wird ein zusätzlicher Dienstleister eingesetzt, der dem Terminalservice vor der Bordkartenkontrolle zur Seite steht. Außerdem hat der Flughafen zusätzliches Personal für die Abfertigung eingestellt. Im Vergleich zum Sommer 2021 sei das Team um rund 100 Beschäftigte aufgestockt worden, so ein Flughafensprecher. Darüber hinaus sind rund 80 weitere Mitarbeitende in laufenden Einstellungsverfahren, warten derzeit aber noch auf die im Luftverkehr notwendige Zuverlässigkeitsüberprüfung.

Der Deutsche Reiseverband gibt an, viele Mitarbeiter hätten die Branche während der Pandemie verlassen. Der Verband fordert die Politik auf, die Flughäfen bei der Gewinnung von zusätzlichem Personal für die Sicherheitskontrollen zu unterstützen. Es bedürfe vor allem von den zuständigen Behörden Erleichterungen bei den Genehmigungsverfahren für die Personalrekrutierung.

Airlines streichen Flüge

Die Airlines haben bereits reagiert und Flüge gestrichen. Bereits vor einigen Tagen hat Lufthansa für den gesamten Juli gut 900 innerdeutsche und innereuropäische Flüge an den Drehkreuzen in Frankfurt und München aus dem System genommen. Die Streichungen betreffen die Wochentage Freitag, Samstag und Sonntag. "Gestrichen wurden vor allem Flüge, bei denen unseren Fluggästen eine entsprechende Reisealternative per Flug oder mit der Bahn angeboten werden konnte", so Sprecherin Sandra Kraft. Auch bei Eurowings gibt es Flugstreichungen, Easyjet nahm kurzerhand 1000 Flüge aus dem Programm.

Dass gut gebuchte Strecken zu den Pauschalreise-Zielen rund ums Mittelmeer oder zu ferneren Zielen in größerem Umfang gestrichen werden, sei eher unwahrscheinlich, so der Deutsche Reiseverband. Das gelte insbesondere für Flüge, die von den Reiseveranstaltern lange im Vorfeld eingekauft worden seien.

Streiks bei Easyjet und Ryanair

Geplante Streiks könnten den Reiseverkehr in Europa mitten im Ferientrubel zusätzlich beeinträchtigen. Das Kabinenpersonal der Billigairline Easyjet in Spanien will an insgesamt neun Tagen für mehr Geld streiken. Flüge von Deutschland nach Spanien könnten davon betroffen sein. Auch bei Ryanair kommt es zu Streiks in Spanien, Portugal und Belgien.

Wer sich entschlossen hat, mit dem Auto zu fahren, wird sich ebenfalls auf Wartezeiten einstellen müssen. Der ADAC in NRW erwartet lange Staus zum Ferienbeginn. "Heimat- und Campingurlaub sind seit Jahren beliebt. Das macht sich auf den Fernstraßen deutlich bemerkbar", sagt ADAC-Verkehrsexperte Roman Suthold. Laut einer Umfrage des Bayerischen Zentrums für Tourismus in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut GfK wollen knapp 60 Prozent der Sommerurlauber für Reisen in Deutschland den Pkw nutzen. Für Ziele im europäischen Ausland gaben 47 Prozent das Auto als bevorzugtes Reisemittel an.

Wo die Staugefahr am höchsten ist

Mit einem Stauchaos rechnet der ADAC in NRW zum Ferienstart aber nicht. "Angesichts wieder zunehmender Flugreisen verliert das Auto im Vergleich zu den letzten beiden Corona-Jahren für die Anreise etwas an Bedeutung. Und nicht alle fahren gleich in den ersten Wochen weg. Der Reiseverkehr verteilt sich über die gesamten Sommerferien", erklärt ADAC Experte Suthold.

Die höchste Staugefahr auf den Autobahnen sieht der ADAC in NRW während der Sommerferien immer freitags von 14 bis 20 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr, vor allem auf den Strecken in Richtung Nord- und Ostseeküste, die Niederlande und auf dem Weg in den Süden.

Bahn hat Angebot ausgebaut

Die Deutsche Bahn hat ihr Angebot aufgestockt, um Chaos in den Zügen zu vermeiden. Im Fernverkehr sei das wöchentliche Platzangebot erstmals auf über drei Millionen Sitzplätze angestiegen. Das sind nach Angaben der Bahn 20 Prozent mehr als im Sommer 2019. "Diesen neuen Sitzplatzrekord können wir Dank des kontinuierlichen Ausbaus des Fernverkehrsangebots und der Fahrzeugflotte verwirklichen. So schaffen wir genug Platz für die stark ansteigende Nachfrage. Die Reiselust ist in diesem Sommer größer als je zuvor", sagt DB-Fernverkehrschef Michael Peterson.

Im Regionalverkehr könnte das 9-Euro-Ticket indes auch im Sommerurlaub für volle Züge sorgen. DB Regio lässt deshalb über 50 zusätzliche Züge rollen. Da während der Sommermonate insbesondere mehr Freizeit- und Ausflugsfahrten unternommen werden, verstärkt die DB vor allem entlang touristischer Strecken das Personal in Zügen und Bahnhöfen. Über 700 zusätzliche Service- und Sicherheitskräfte wurden eingestellt. Das sind viermal so viele wie in einem normalen Sommer.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Juni 2022 um 15:00 Uhr.