Zwei Frauen in einer Privatsauna

Folgen der Corona-Krise Privatsaunen heiß begehrt

Stand: 17.02.2021 15:19 Uhr

Gut ein Drittel der Deutschen geht regelmäßig in die Sauna. Seit die öffentlichen Saunen pandemiebedingt geschlossen haben, wächst bei vielen der Wunsch nach einem eigenen Schwitzkasten.

"So einen Nachfragesprung habe ich noch nie erlebt. Leute, die früher noch nicht mal dran gedacht hätten, kommen jetzt und kaufen eine Sauna." Ulrich Müther, Chef der von seinem Vater gegründeten Firma Anton Müther GmbH, staunt über den im vergangenen Jahr eingesetzten unerwarteten Nachfrageschub. Der Auftragseingang sei so hoch, dass er zu wenig Bauteile bekomme, etwa spezielle Hölzer aus Finnland. Die Zeit zwischen Auftrag und Installation habe sich von den üblichen sechs bis acht Wochen auf bis zu acht Monate verlängert.

Besonders Privatkunden, die nicht mehr in die öffentlichen Saunen dürfen, würden sich jetzt vermehrt ihren eigenen Schwitzkasten bestellen. Bei Preisen zwischen grob gesagt 2000 bis 30.000 Euro kann sich zwar nicht jedermann so einen Wunsch erfüllen, aber viele Privatleute entschieden sich dennoch zum Kauf. Insgesamt, berichtet Rolf Pieper vom Deutschen Sauna-Bund, liege das Umsatzplus der deutschen Saunabauer im Jahr 2020 bei etwa zehn Prozent. "Der Branche geht es gut", sagt das Präsidiumsmitglied des Deutschen Sauna-Bundes.

Mittelständisch geprägte Branche

Auch der Pfälzer Hersteller Jockers vermeldet gute Geschäfte. "Unser gesundes Umsatzwachstum, das wir durch den Bauboom schon in den Vorjahren hatten, hat sich fortgesetzt", sagt Geschäftsführer Tobias Biersch. Das Unternehmen mit zwölf Mitarbeitern setzt größtenteils auf Privatkunden.

Die Branche ist mittelständisch geprägt, weitere Wettbewerber heißen Teka aus Hannoversch Münden (40 Mitarbeiter) und Finnjark aus Bispingen südlich von Hamburg (20 Mitarbeiter). In der Regel fingen die Unternehmen als Tischlereien an, die sich mit den Jahren spezialisiert haben auf Saunen und andere Wellnesskomponenten. Ihr Jahresumsatz liegt im einstelligen Millionen-Euro-Bereich.

An die Kapazitätsgrenzen

Unangefochtener Marktführer der Saunabauer in Deutschland ist Klafs aus Schwäbisch Hall nördlich von Stuttgart. Der Umsatz der 730-Mitarbeiter-Firma kletterte 2020 um knapp zehn Prozent auf 115 Millionen Euro. Angaben zum Gewinn macht das auch im Ausland tätige Unternehmen nicht. Wachstumstreiber waren auch hier Privatkunden mit einem Plus von mehr als 20 Prozent. "Die Nachfrage war so hoch, dass wir an unsere Kapazitätsgrenzen gekommen sind", sagte Firmenchef Stefan Schöllhammer der Deutschen Presseagentur. Durch Corona-Schutzmaßnahmen sei die Produktion erschwert worden, so gab es zum Beispiel Schichtarbeit in kleineren Gruppen.

Und noch etwas hat sich verändert: War die Sauna früher ein eher pragmatischer Holzkasten im Keller war, ist es heute bevorzugt ein Designobjekt. "Der Keller ist verpönt", sagt Klafs-Chef Schöllhammer. "Heutzutage werden Saunen nicht mehr unten in einem dunklen Raum mit kleinem Fenster versteckt, sondern in den Wohnraum integriert." Besonders das Badezimmer ist als Sauna-Standort immer angesagter.

"Menschen denken mehr an ihre Gesundheit"

Laut Sauna-Bund hat die Pandemie den Trend zum Saunieren verstärkt. "Die Menschen denken mehr an ihre Gesundheit, und sie wollen etwas Entspannung und Ablenkung haben in düsteren Zeiten", sagt Präsidiumsmitglied Pieper.

Dagegen war das Geschäft mit gewerblichen Kunden wie Bäderbetreibern, Thermen und Fitnessstudios rückläufig. Viele dieser Betriebe sind durch die Lockdowns unter Druck geraten und haben Investitionen, etwa in eine neue Sauna, erst einmal zurückgestellt. Einzig Wellnesshotels seien als Kunden bei der Stange geblieben, auch weil sie außerhalb der Lockdownzeiten viele Gäste hatten und es bei ihnen für diesen Sommer schon viele Reservierungen gebe, so der Branchenverband. Dementsprechend optimistisch blickten solche Hotels auf die Zeit nach den Corona-Einschränkungen und investierten auch in ihren Saunabereich.