Ein Stapel Geldscheine | dpa

Erste Inflations-Schätzung Die Preise ziehen wieder an

Stand: 28.01.2021 15:42 Uhr

In Deutschland steigen die Preise wieder kräftiger an. Die erhöhte Mehrwertsteuer zum Jahreswechsel wirkt sich spürbar aus. Vor allem Nahrungsmittelpreise legten zu.       

Im Januar stiegen die Verbraucherpreise um 1,0 Prozent verglichen mit dem Vorjahresmonat. Das teilte das Statistische Bundesamt heute in einer ersten Schätzung mit. Damit kletterte die Inflation stärker als Experten prognostiziert hatten. Sie hatten im Schnitt mit einem Plus von 0,7 Prozent gerechnet. Gegenüber Dezember stiegen die Verbraucherpreise um 0,8 Prozent.

Besonders stark verteuerten sich Nahrungsmittel - um 2,2 Prozent zum Vorjahr. Im Dezember waren die Preise hier noch um 0,5 Prozent gestiegen.   

Das Statistische Bundesamt wies darauf hin, dass es in Zeiten der Corona-Krise verstärkt zu Preisausfällen komme, da einige Güter am Markt nicht verfügbar seien. Zudem komme es nur zu einer eingeschränkten Vorort-Erhebung in den Geschäften.

Heizen und Autofahren teurer  

Als Grund für die gestiegene Inflation nennen Experten insbesondere das Auslaufen der gesenkten Mehrwertsteuer. Die Fachleute der Landesbank Helaba etwa weisen darauf hin, dass die Preise für Benzin, Diesel und Heizöl, die ein wichtiger Faktor bei der Inflation sind, deshalb zuletzt deutlich gestiegen seien.

Aber auch an den Rohstoffmärkten hatten die Ölnotierungen in den vergangenen Wochen tendenziell angezogen und damit für höhere Preise an den Zapfsäulen gesorgt.

Die Einführung der CO2-Steuer habe in diesem Zusammenhang ebenfalls eine Rolle gespielt, so Experten.  Brennstoffe werden jetzt mit 25 Euro je Tonne Kohlendioxid belastet - was die Energiepreise antreibt.

"Das war ein Sprung"

In ersten Reaktionen äußerten sich Fachleute überrascht. "Das war ein Sprung", kommentierte Commerzbank-Ökonom Marco Wagner die Daten. Ernste Inflationssorgen müssen sich die Bürger aber wohl nicht machen. Eine dauerhaft höhere Inflationsrate sehe man nicht, sagte LBBW-Experte Uwe Burkert. "Dafür bleibt die Gesamtnachfrage vorerst zu schwach, und die deflationären Kräfte des globalen Wettbewerbs sind zu stark."

Die Commerzbank schätzt, dass die Inflation in den kommenden Monaten um die 1,5 Prozent liegen wird. "Im Jahresdurchschnitt rechnen wir mit einer Teuerungsrate von 2,3 Prozent", sagte Ökonom Wagner. Die Europäische Zentralbank strebt mittelfristig eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent an.

Im vergangenen Jahr hatte die Inflationsrate in Deutschland im Schnitt lediglich 0,5 Prozent betragen - so wenig wie seit 2016 nicht mehr. Im Dezember 2020 waren die Verbraucherpreise sogar um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gefallen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Januar 2021 um 17:20 Uhr.