Ein Postbote fährt mit seinem Fahrrad die Post aus. | picture alliance / dpa

Verzögerte Briefzustellung Netzagentur hält Post-Probleme für "Ärgernis"

Stand: 17.11.2022 13:32 Uhr

Netzagentur-Chef Klaus Müller bemängelt "qualitative Probleme" der Deutschen Post bei der pünktlichen Zustellung von Briefen. Der Gesetzgeber sei gefordert, Verbraucherrechte im Konzern durchzusetzen.

Der Chef der Bundesnetzagentur zeigt sich besorgt wegen der Probleme der Deutschen Post mit der Briefzustellung. Die Situation sei "ein Ärgernis für den normalen Bürger" und auch "nicht hinnehmbar für den Verkehr von Dokumenten", sagte Klaus Müller, Präsident der Netzagentur, der "Mediengruppe Bayern". Er sehe bei der Zustellung "qualitative Defizite".

Durch verzögerte Zustellung könnten "handfeste Nachteile für Menschen und Unternehmen" entstehen, so der Behördenchef. Müller kritisierte, die Netzagentur habe anders als im Telekommunikations- oder Energiebereich kein "scharfes Schwert", um die Qualitätsstandards gegenüber der Post durchzusetzen. "Ob Sanktionsmöglichkeiten der Bundesnetzagentur zur Verbesserung der Situation beitragen würden, sollte geprüft werden."

Plädoyer für mehr Verbraucherrechte

Erst vor wenigen Tagen hatte sich Post-Chef Frank Appel mehr Zeit für die Zustellung von Briefen ausbedungen - und sich sogar für eine Gesetzesänderung stark gemacht. Für den Verbraucher hieße das: die Wartezeit auf Briefe könnte sich verlängern. "Muss tatsächlich jeder Brief - oder mehr als 80 Prozent - am nächsten Tag zugestellt werden?", so der Manager.

Die Ampelkoalition will das Postgesetz in der laufenden Legislaturperiode modernisieren. "Im Zuge der Änderung des Postgesetzes kann der Bundestag nun entscheiden, ob er der Regulierungsbehörde etwas an die Hand gibt, um Verbraucherrechte auch bei der Post durchzusetzen", sagte Netzagentur-Chef Müller.

Hoher Krankenstand und Rekordgewinne

Zuletzt hatten sich die Beschwerden über verspätet oder gar nicht angekommene Briefe gehäuft. Allein aus Rheinland-Pfalz erreichten die Bundesnetzagentur bis Ende September 1030 Beschwerden. Im gesamten Vorjahr waren es nur 640. Die Post hat die Probleme - besonders bei der Briefzustellung - mit personellen Engpässen begründet, unter anderem wegen eines hohen Krankenstands und wegen des angespannten Arbeitsmarktes.

Im Stammgeschäft der Deutschen Post, dem Brief- und Paketversand im Inland, stagnierte der Umsatz im dritten Quartal bei 3,9 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank um drei Prozent auf 290 Millionen Euro. Gleichzeitig profitiert der Gesamtkonzern stark vom internationalen Express- und Frachtgeschäft, wodurch die Post ihren Gewinn um 13 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro steigern konnte.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. September 2022 um 07:45 Uhr.