Zapfpistolen für verschiedene Kraftstoffarten hängen an einer Zapfsäule an einer Tankstelle.  | dpa

Trotz steigender Ölproduktion Benzin dürfte teuer bleiben

Stand: 19.07.2021 14:55 Uhr

Die OPEC+ hat sich nach langen Verhandlungen auf höhere Ölfördermengen geeinigt. Das drückt zwar den Ölpreis - an der Tankstelle dürfte sich das aber kaum auswirken.

Von Thomas Spinnler, tagesschau.de  

Der Verbund des Ölkartells OPEC und seiner Partnerländer (OPEC+) hat sich am Sonntag nach zähen Verhandlungen auf eine Erhöhung der Ölproduktion verständigt: Von August an wird die OPEC+ die Fördermenge um monatlich 400.000 Barrel (1 Barrel = 159 Liter) steigern. Wenn es die Marktbedingungen zulassen, würde damit die aktuell noch bestehende Produktionskürzung im September 2022 enden, teilte die OPEC mit.

Die OPEC+ hatte im vergangenen Jahr auf den durch die Corona-Pandemie bedingten Nachfrageeinbruch mit Produktionskürzungen reagiert, um die Ölpreise stabil zu halten. Das ist gelungen: Die Preise für ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent oder der Sorte WTI haben im Verlauf der vergangenen zwölf Monate um rund 70 Prozent zugelegt. Die Auswirkungen der gestiegenen Energiepreise machen sich derzeit unter anderem durch die global anziehende Inflation bemerkbar.    

"Grundsätzlich eine gute Nachricht"

Nach der Einigung fiel der Ölpreis heute zum Teil deutlich zurück. "Die Einigung der OPEC+-Staaten führt dazu, dass kurzfristig mehr Öl auf den Markt fließt", kommentiert Eugen Weinberg, Leiter der Rohstoffanalyse bei der Commerzbank im Gespräch mit tagesschau.de.

Das komme in einer Zeit, in der sich wegen der globalen Konjunkturerholung auch die Nachfrage erhole, zum richtigen Zeitpunkt, meint Weinberg. Der Experte rechnet deshalb auch mit tendenziell günstigerem Öl und einer leichten Entspannung am Ölmarkt. "Für den Verbraucher ist das grundsätzlich eine gute Nachricht."

Benzin wieder deutlich teurer

Von großem Interesse sind für viele Verbraucher indes auch die Auswirkungen auf die Benzinpreise. In den vergangenen Monaten hatte sich der Spritpreis wegen der gestiegenen Ölnotierungen erheblich verteuert. Nach Angaben des ADAC hatte der Preis für Benzin der Marke Super E10 im Jahr 2019 im Schnitt bei 140,5 Cent gelegen. Ein Liter Diesel kostete im Jahresschnitt 126,2 Cent.

Im April 2020 mussten Autofahrer den Angaben zufolge im Schnitt 117,1 Cent für einen Liter Super E10 zahlen, Diesel kostete 108,2 Cent. Im Juni dieses Jahres lag der Preis für Super E10 im Schnitt bei 150,7 Cent - dieses Niveau hatte er zuletzt im Herbst 2018. Diesel verteuerte sich im Juni auf 136,3 Cent.     

Ölpreis dürfte sich kaum auswirken

Autofahrer, die jetzt darauf hoffen, an den Zapfsäulen weniger bezahlen zu müssen, dürften enttäuscht werden: "Ich gehe nicht davon aus, dass das Benzin an den Tankstellen billiger wird", meint Weinberg. Eine Entspannung bei den Preisen sei zumindest zweifelhaft.

"Die externen Faktoren bei den Spritpreisen, also vorwiegend Energiesteuer, Mehrwertsteuer oder die CO2-Steuer, machen insgesamt einen Anteil von rund drei Viertel des Preises aus", erklärt der Rohstoff-Experte. "Nur der weit geringere Teil von 25 Prozent wird also durch den Ölpreis bestimmt. Deshalb wirkt sich ein günstigerer Ölpreis zunächst kaum aus." 

Zudem werde der Rückgang des Ölpreises auf längere Sicht kaum nachhaltig sein, erwartet Weinberg: "Die Nachfrage dürfte etwas stärker ansteigen als das Angebot." Das hänge aber von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ab. Das bedeutet: Sollte die Konjunkturerholung weiter mit großem Tempo vorangehen, wird der Ölpreis wohl wieder anziehen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Juli 2021 um 13:35 Uhr.