Menschen stehen vor einem Geschäft in Wien in einer Schlange mit Abstand | dpa

Nach hartem Lockdown Österreichs Handel öffnet wieder

Stand: 08.02.2021 14:31 Uhr

Sechs Wochen lang mussten Österreichs Händler in den harten Lockdown gehen. Heute durften sie wieder ihre Geschäfte öffnen. Die Kundschaft locken sie mit massiven Rabatten. Doch es gibt auch Kritik an der Lockerung.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Schon vor der regulären Öffnungszeit um 10 Uhr hat Sabrina Putz ihr Modegeschäft "Modapiu" aufgeschlossen. Die vergangenen anderthalb Monate hat sich das Familienunternehmen im 13. Wiener Bezirk mit einem Online-Shop über Wasser gehalten.

Clemens Verenkotte ARD-Studio Wien

Kunden hätten die Kleidung zum Anprobieren nach Hause geliefert bekommen, erzählt die Händlerin. Als Familienunternehmen sei es eben wichtig, im Gedächtnis zu bleiben. "Wir sind jetzt wirklich froh, dass wir offen haben", sagt Putz. Nur jeweils zwei Kunden dürfen ihren Laden gleichzeitig betreten und müssen FFP2-Masken tragen. So lauten die Auflagen, die 20 Quadratmeter Verkaufsfläche pro Kunde vorschreiben und im gesamten Handel gelten.

Hohe Preisnachlässe

Das kleine Modegeschäft setzt die Preise für Wintermäntel, Kleider und Blusen deutlich nach unten. Putz rechnet deswegen mit einem Minus von 50 Prozent. Kunden könnten bei diesen Preisnachlässen noch ein Schnäppchen erwischen, sagt sie. Unter normalen Umständen würde es das nicht geben.

Von "massiven Rabatten" spricht auch der österreichische Handelsverband. Viele Geschäfte müssten Teile ihres Sortiments mit hohen Nachlässen verkaufen. Für Spezialwarenläden, wie die Gitarrenwerkstatt "Gold'n'Guitars" von Michael Eipeldauer in Wien, waren die Lockdown-Wochen sehr belastend. "Mein Umsatz war praktisch null. Ich habe ein paar schöne Reparaturen gehabt und dadurch auch die Ruhe gehabt. Aber geschäftlich war es ein Desaster", sagt er.

"Großes Risiko"

In den Frisörgeschäften gilt neben der FFP2-Maskenpflicht zudem, dass die Kunden einen negativen Corona-Test zur Hand haben müssen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. In vielen österreichischen Städten und Kommunen werden kostenlose Tests angeboten. In Wien gebe es heute einen regelrechten Run auf die Corona-Teststraßen, teilte die Stadtverwaltung mit.

Die FFP2-Masken werden in Supermärkten zum Selbstkostenpreis von 5,59 Euro für zehn Stück verkauft. Umstritten ist unverändert die Entscheidung der Regierung, den Handel, bestimmte Dienstleistungen und die Schulen unter Hygiene-Auflagen wieder zu öffnen. Angesichts hoher Infektions- und niedriger Impfzahlen sei das Öffnen ein "großes Risiko", sagte SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt derzeit bei 107 und ist seit drei Wochen nahezu unverändert.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Februar 2021 um 12:00 Uhr.