Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1 und der Übernahmestation der Ferngasleitung OPAL in Lubmin. | dpa

Nord Stream 1 Gaslieferungen für Donnerstag angekündigt

Stand: 20.07.2022 17:04 Uhr

Laut des Betreibers der Empfangspunkte von Nord Stream 1 sind für Donnerstag wieder Gaslieferungen vorgemerkt. Zuvor hatte Kremlchef Putin gesagt, Gazprom werde seinen Verpflichtungen nachkommen. Er verknüpfte dies aber mit einer Warnung.

Nach dem Ende einer Routinewartung sind für Donnerstag Gaslieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 angekündigt. Das geht aus vorläufigen Daten des Netzbetreibers Gascade hervor. Gascade betreibt die beiden Empfangspunkte von Nord Stream 1 im vorpommerschen Lubmin.

Anmeldungen könnten sich noch ändern

Für beide Punkte sind laut Gascade-Website Gaslieferungen vorgemerkt. Diese Vormerkungen - sogenannte Nominierungen - seien Voraussetzung, damit nennenswerte Mengen transportiert werden können, hatte eine Gascade-Sprecherin zuvor erklärt. Die Anmeldungen können sich demnach allerdings noch bis kurz vor der tatsächlichen Lieferung ändern.

Die Bundesnetzagentur teilte mit, es seien circa 800 Gigawattstunden für Donnerstag angemeldet. An den drei Tagen vor den Wartungsarbeiten waren es etwa 700 Gigawattstunden. Mit 800 Gigawattstunden würde weiterhin weniger als die Hälfte der maximal möglichen Menge geliefert. Auch die Bonner Behörde wies darauf hin, dass sich die Höhe der Gasmenge noch kurzfristig ändern könne.

Schon in der Nacht zum Mittwoch hatte Kremlchef Wladimir Putin Lieferungen auch nach der Wartung angedeutet. "Gazprom erfüllt seine Verpflichtungen, hat sie stets erfüllt und ist gewillt, weiterhin alle seine Verpflichtungen zu erfüllen", zitiert die russische Agentur Interfax Putin.

Er warnte zugleich aber vor einem weiteren Absenken der Liefermenge, sollte Russland die in Kanada reparierte Turbine nicht zurückerhalten. Sie wurde wegen der westlichen Sanktionen lange zurückgehalten. Zuletzt hatte Kanada entschieden, die Turbine an Deutschland zu übergeben. Die Bundesregierung sieht in dem Verweis auf die Turbine einen Vorwand.

Während der vergangenen anderthalb Wochen war wegen einer jährlichen Routinewartung kein Gas durch die zuletzt wichtigste Verbindung für russische Erdgas-Importe nach Deutschland geliefert worden. Die Bundesregierung hatte befürchtet, Putin könnte den Gashahn auch danach geschlossen lassen.

Bundesregierung: Lieferungen in vollem Umfang

Die Regierung forderte erneut eine Wiederaufnahme der Gaslieferungen in vollem Umfang nach der abgeschlossenen Wartung. Die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Hoffmann verwies auch auf vertragliche Verpflichtungen des russischen Staatskonzerns. Äußerungen von Russlands Staatspräsident Wladimir Putin wollte die Bundesregierung nicht kommentieren. Die Lage und die tatsächlichen Gasflüsse würden beobachtet, erklärte das Wirtschaftsministerium.

Die EU stellte heute ihren Notfallplan Gas vor. Dieser empfiehlt allen EU-Ländern Gaseinsparungen von 15 Prozent, damit die EU sicher durch den Winter kommen kann. Die EU hält es für "wahrscheinlich", dass Russland die Gaslieferungen komplett einstellen könnte.