Straßenbahn in Berlin | picture alliance / Markus Mainka

Verbraucherschützer Leichter Zugang zum 49-Euro-Ticket gefordert

Stand: 25.11.2022 12:07 Uhr

Verbraucherschützer formulieren klare Vorstellungen hinsichtlich der Ausgestaltung des 49-Euro-Tickets. Bei der Anbindung an den ÖPNV besteht laut einer Umfrage noch Handlungsbedarf.

Verbraucherschützer und Fahrgastvertreter fordern Verkehrsverbände auf, sich stärker an den Vorbereitungen für das geplante bundesweite Ticket im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu beteiligen. Die Gestaltung des ÖPNV im Sinne der Verkehrswende sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sagte die Vorsitzende des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Ramona Pop, der Nachrichtenagentur dpa. Das bedeute, dass auch beim Ausbau des Angebots die Bedürfnisse der Verbraucher stärker berücksichtigt werden müssen. "Dafür fordern wir einen Runden Tisch", so Pop.

Ticketkauf so einfach wie möglich und barrierefrei

So sollten etwa Jugend-, Senioren- und Behindertenverbände in die Vorbereitung einbezogen werden, forderten der vzbv, der Fahrgastverband Pro Bahn und der Verkehrsclub Deutschland (VCD). Denn die Interessen der Verbraucher dürften dabei nicht vernachlässigt werden. Unter anderem müsse das künftige "Deutschlandticket" für alle einfach zu kaufen sein.

"Das beste Ticket nützt nichts, wenn es den Leuten schwergemacht wird, sich eines zu kaufen", sagte die VCD-Vorsitzende Kerstin Haarmann. Daher sollte der Zugang so einfach wie möglich sein: mit nur wenigen Klicks zum Online-Ticket und einer einfachen Buchung am Automaten oder am Schalter. Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, sagte der "Bild"-Zeitung, es sei wichtig, dass die Online-Formulare barrierefrei seien.

"Außerdem sollten diese Abos nicht nur online abgeschlossen werden können, sondern auch am Ticketschalter oder in den Kundenzentren", so Dusel. Das sei wichtig für alle Menschen, die aus verschiedenen Gründen keinen Zugang zum Internet haben. Darüber hinaus müsse schnell die Mitnahme von Fahrrädern, Kindern, weiteren Personen und Hunden klargestellt werden, betonte der Vorsitzende von Pro-Bahn, Detlef Neuß. 

Starttermin des 49-Euro-Tickets noch offen

Das bundesweit nutzbare Ticket für Busse und Bahnen im Nahverkehr zum Einführungspreis von 49 Euro pro Monat soll im neuen Jahr kommen und an die beliebten 9-Euro-Tickets des Sommers anknüpfen. Bund und Länder planen ein digital buchbares Angebot. Viele Modalitäten müssen allerdings noch geklärt werden - etwa der Starttermin und die Orte, an denen die Karte gekauft werden kann.

Der Deutsche Städtetag rechnet daher nicht mit einer baldigen Einführung des 49-Euro-Tickets. "Die gedeckelten Mittel für das Ticket reichen nicht, um es bundesweit zu starten und die Einnahmeverluste der Verkehrsunternehmen auszugleichen", so der Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy gegenüber der "Rheinischen Post". Bund und Länder müssten sich nun darauf einigen, "dass sie die realen Ticket-Kosten tragen. "Wenn der Topf von drei Milliarden Euro jährlich alle ist, müssen sie nachschießen", forderte Dedy.

Jeder Dritte fühlt sich nicht gut angebunden

Mit der geplanten Einführung des 49-Euro-Tickets stellt sich auch die Frage nach der Infrastruktur im ÖPNV. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar fühlen sich derzeit 30 Prozent der Menschen in Deutschland mit Bus und Bahn an ihrem Wohnort nicht gut angebunden. Dabei stört sie vor allem die Taktung: 35 Prozent der Befragten sind unzufrieden mit der Zahl der Abfahrten an der nächsten Haltestelle.

"Hier haben wir einen wichtigen verkehrspolitischen Hebel identifiziert, wie Bund und Länder im Rahmen der bestehenden Infrastruktur das Angebot für die Menschen direkt verbessern können", sagte Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz Pro Schiene. Der Interessenverband hatte die Umfrage gemeinsam mit dem BUND und dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat in Auftrag gegeben.

"Angebotsoffensive in ÖPNV"

Die überwiegende Mehrheit der Befragten (85 Prozent) ist mit der Entfernung zur nächsten Haltestelle zufrieden. 64 Prozent der Befragten gaben an, dass sich die Anzahl der Abfahrten an der nächsten Haltestelle in den letzten fünf Jahren nicht verändert habe, 14 Prozent sprachen von einer Verschlechterung des Angebots.

"Für das Gelingen der Mobilitätswende bedarf es dringend einer Angebotsoffensive im öffentlichen Personennahverkehr", sagte die Geschäftsführerin beim BUND, Antje von Broock. "Den Fuß-, Rad- und öffentlichen Verkehr zu stärken, bedeutet die Klimaziele ernst zu nehmen."

Über dieses Thema berichtete BR24 am 03. November 2022 um 07:00 Uhr in den Nachrichten sowie NDR Info am 25. November 2022 um 10:20 Uhr in den Nachrichten.