Verschiedene Haushaltsgeräte werden zum Verkauf angeboten. | picture alliance / Jürgen Effne
Hintergrund

Folgen des Lieferengpässe Was alles knapp geworden ist

Stand: 24.08.2021 08:12 Uhr

Monatelanges Warten auf die neue Waschmaschine oder das Marken-Fahrrad - Verbraucher bekommen die Folgen gestörter Lieferketten deutlich zu spüren. Welche Produkte sind besonders betroffen?

Von Notker Blechner, tagesschau.de

Wer derzeit eine Spielekonsole kaufen will, muss Geduld haben - oder hartnäckig sein. Wegen der Lieferengpässe und des Chipmangels können die Hersteller Sony und Microsoft die Nachfrage für die beliebten Konsolen Playstation 5 und Xbox Series X nicht decken. "Wenn wir die neu reinstellen, sind die binnen drei oder vier Minuten ausverkauft", sagt ein Sprecher des Versandhändlers Otto.

Auf der Amazon-Shoppingseite ist die Sony Playstation 5 derzeit nicht verfügbar. Auch bei MediaMarkt Saturn ist die Konsole nur in begrenzten Kontingenten erhältlich. Zwischenhändler verkaufen die wenigen verfügbaren Modelle mit üppigen Aufschlägen. In Internet-Foren werden Tipps gegeben, bei welchen Händlern die Chancen noch am besten stehen könnten, im Fall einer Lieferung eines der begehrten Geräte zu ergattern.

Die Probleme mit stockenden Logistikketten und fehlenden Bauteilen haben ganze Branchen erfasst - und die Folgen werden zunehmend spürbar für die Verbraucher. Vier von fünf Herstellern elektronischer Produkte in Deutschland kommen momentan mit der Fertigung nicht hinterher, hat das ifo-Institut in einer Umfrage ermittelt. Das ist so viel wie noch nie. Im Online-Handel, in Baumärkten, Elektronikläden und sogar beim Discounter sind viele Produkte kurzfristig nicht zu haben - ob nun Drucker, PC-Karten, Rasenmäher, Waschmaschinen oder Fahrräder.

Aldi-Aktionsware kommt verspätet

Als Aldi-Süd unlängst warnte, dass Aktionsware nicht rechtzeitig verfügbar sein könnte, begründete der Discounter dies mit der vorübergehenden Schließung des Hafens Yantian in China. Wegen eines Corona-Ausbruchs war der viertgrößte Containerhafen der Welt im Juni komplett gesperrt worden. Seit Anfang August steht nun auch noch der weltgrößte Containerhafen Ningbo-Zhousan nahe Shanghai in China teilweise still - ebenfalls wegen Corona. Dutzende Containerschiffe warten auf Abfertigung, was die weltweiten Lieferketten-Probleme weiter verschärft hat. Laut dem Institut für Weltwirtschaft sind durch Staus in den chinesischen Häfen inzwischen fünf Prozent aller Containerschiff-Kapazitäten gebunden.

Der internationale Container-Schiffsverkehr ist in diesem Jahr bereits mehrmals behindert worden. Im Frühjahr blockierte mehrere Tage lang der havarierte Frachter "Ever Given" den Suez-Kanal. Containerschiffe stauten sich, Lieferungen verzögerten sich, die Auswirkungen waren wochenlang spürbar.

Angebot an Laptops und Routern ausgedünnt

Aktuell spüren Verbraucher die Folgen durch Lieferprobleme bei Laptops, Druckern und Internet-Routern. In Elektronikmärkten wie MediaMarkt Saturn hat sich das Laptop- und Drucker-Angebot merklich ausgedünnt. Bestimmte WLAN-Router, die gerne fürs Home-Office genutzt werden, sind derzeit ebenfalls Mangelware. So berichtete der Hersteller AVM, der mit der Fritzbox einen der beliebtesten WLAN-Router in Deutschland anbietet, von stornierten Lieferzusagen für Bauteile. Auf neu bestellte Ware müsse AVM bis zu einem Jahr warten, berichtete die "Welt am Sonntag".

Gigaset klagte über ähnliche Probleme. Der Hersteller beispielsweise von Schnurlos-Telefonen leidet nach eigenen Angaben unter verlängerten Lieferfristen und Wiederbeschaffungszeiten von bis zu 60 Wochen. Gut 80 Prozent der Gigaset-Produkte seien vom Halbleitermangel betroffen.

Warten auf die Waschmaschine

Inzwischen hat die Halbleiter-Krise auch die Haushaltsgeräte-Branche erfasst. So sind beispielsweise bestimmte Marken-Waschmaschinen und Geschirrspüler nur mit langen Wartezeiten bestellbar. Der Hersteller Miele hat wegen fehlender Bauteile seine Produktion im Gütersloher Waschmaschinenwerk gedrosselt und einen Teil seiner Belegschaft in Kurzarbeit geschickt. "Diese betrifft von ihrer Größenordnung her ungefähr zwei Tage pro Woche", sagte ein Miele-Sprecher zu tagesschau.de. Dem Haushaltsgerätehersteller fehlen nach eigenen Angaben Elektroteile zur Steuerung der Maschinen.

Besonders lang seien derzeit die Lieferzeiten mit bis zu 14 Wochen derzeit bei den Geschirrspülern, teilte ein Miele-Sprecher mit. "Bei den Waschmaschinen haben die Einstiegsgeräte etwa zwei Wochen Lieferzeit, bei den übrigen Modellen kann die Lieferzeit ähnlich lang werden wie bei den Geschirrspülern. Bei den Staubsaugern sind es je nach Modell zwischen zwei und sechs Wochen."

Auch bei Wäschetrocknern, Kühlschränken und Rasenmähern kommt es derzeit zu Lieferverzögerungen. "Auch in Hausgeräten stecken Elektronik, Metalle und Kunststoffe, die derzeit weltweit knapp sind", erklärt Werner Scholz, ZVEI-Fachverbandsgeschäftsführer Elektro-Hausgeräte. Vom Chipmangel betroffen sei der gesamte Bereich der sogenannten "Weißen Ware", sagt der McKinsey-Berater Ondrej Burkacky. Die Lage könnte sich in den nächsten Monaten noch verschärfen. Da viele Firmen Kühlschränke oder Rasenmäher auf Lager produzierten, zeigten sich Lieferengpässe zeitverzögert nach drei bis neun Monaten. Das heißt: Zu Weihnachten könnten bestimmte Haushaltsgeräte besonders knapp sein.

Fahrrad-Markt erst 2024 wieder normalisiert?

Selbst bei der Möbelkette Ikea sind die weltweiten Lieferketten-Probleme sichtbar. Bestimmte Schreibtische und die beliebten Billy-Regale waren zuletzt teilweise nicht vorrätig, was auch mit den Problemen auf dem Holzmarkt zu tun hat. In Kanada sind große Kapazitäten ausgefallen, Russland erwägt einen Exportstopp für Rohholz. Die Holzpreise schossen in die Höhe. "Angesichts der Engpässe im asiatisch-pazifischen Raum haben wir entschieden, die relevantesten Sortimentsbereiche zu priorisieren", erklärt ein Ikea-Sprecher gegenüber tagesschau.de. Das bedeute für Europa zwar weniger Sortimentsbreite, aber eine bessere Verfügbarkeit der Produkte online und in den Ikea-Einrichtungshäusern.

Viel Geduld brauchen Kunden weiter vor allem in Fahrradgeschäften. Manche Räder können erst mit monatelanger Verspätung geliefert werden. "Einige Händler warten bis heute auf bis zu 40 Prozent der Räder, die sie bereits 2020 bestellt haben", sagte jüngst Hans-Peter Obermark vom Verband des Deutschen Zweiradhandels der Funke-Mediengruppe. Die Branche rechnet erst ab 2024 mit einer Normalisierung.

Über dieses Thema berichtete SWR Aktuell am 19. August 2021 um 18:45 Uhr.

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Moderation 24.08.2021 • 12:43 Uhr

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