Logo des Immobilienkonzerns Vonovia an einer Hausfassade | dpa

Hohe Energiekosten Doch kein Mieter-Rausschmiss bei Vonovia?

Stand: 28.09.2022 09:23 Uhr

Vonovia wird Mietern im Zusammenhang mit hohen Energiekosten nicht kündigen, hat Rolf Buch nun bekräftigt. Damit versucht der Vonovia-Chef die Wogen zu glätten, die er selbst aufgeworfen hat.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

"Bei uns wird niemand eine Wohnung verlieren, nur weil die Heizkosten nicht gezahlt werden können." Mit dieser Aussage lässt sich Vonovia-Vorstandschef Rolf Buch heute in der Zeitung "Welt" zitieren. Auch gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters versprach Buch: "Es wird nicht gekündigt."

Es sind leicht abgewandelte Varianten seines Tweets von vergangener Woche: "Niemand muss sich Sorgen machen, wegen gestiegener Nebenkosten die Wohnung zu verlieren." Dass sich Buch nun bemüßigt fühlt, diese Aussage mehrfach zu wiederholen, zeigt den Ernst der Lage. Es ist die Reaktion auf eine Welle der Empörung, die jüngst über Deutschlands größten Wohnungskonzern hereingebrochen ist.

Letzter Ausweg Kündigung?

Doch der Reihe nach: Der Bochumer Konzern, der über 490.000 Wohnungen in der ganzen Republik sein Eigen nennt, hatte gestern Dokumente zu einem Investorentag veröffentlicht. Aus diesen Unterlagen ging klar hervor, dass Vonovia Mietern, die ihren Zahlungsverpflichtungen etwa für die stark gestiegenen Nebenkosten nicht nachkommen, notfalls kündigen will: "Letzter Ausweg: Versendung der Räumungsaufforderung", wird Vonovia da sehr deutlich.

Mieterschützer reagierten entsetzt auf diese Ankündigung. "In so einer Situation jetzt vorzupreschen und öffentlich zu verkünden, im Zweifelsfalle kündigen wir auch - das ist schon wirklich ein starkes Stück", sagte etwa Aichard Hoffmann vom Mieterverein Bochum.

Bei zwei Monatsmieten Rückstand droht Räumungsklage

Dabei sieht das Stufenmodell, das Vonovia gestern präsentierte, bei Mietrückständen zunächst vor, dass der Konzern mit den Mietern in Kontakt tritt, um die Gründe für die Zahlungsversäumnisse zu erfahren. Einige Mieter dürften angesichts der gestiegenen Energiekosten auch Anspruch auch staatliche Hilfe haben; Vonovia informiere daher die Mieter, wie sie an diese kommen können. Die nächsten Schritte sind formelle Zahlungsaufforderungen und dann eben die Kündigung.

In den Dokumenten zum Investorentag wurden Rückstände, die sich auf den Wert von zwei Monatsmieten summierten, als Grenzwert genannt, der eine Räumungsklage nach sich ziehen könnte.

Mieterhöhungspläne: Politik machte Druck

Wie sind also die öffentlichen Aussagen Buchs, dass kein Mieter eine Kündigung fürchten muss, gerade auch im Kontext der Investoren-Dokumente zu bewerten? Es dürfte sich wohl in erster Linie um Beschwichtigungsversuche handeln, mit dem der Vonovia-Chef versucht, die Wogen zu glätten.

Es wäre im Übrigen nicht das erste Mal, dass der Vonovia-Chef erst mit strammen Aussagen vorprescht und dann zurückrudert. Erst im Juni hatte Buch vorgeschlagen, dass man die Mieten doch an die Inflationsrate koppeln solle, und damit nicht nur bei Mieterinnen und Mietern für Schrecken und Irritationen gesorgt. Unter dem Druck der Politik war Buch dann aber rasch eingeknickt.

Verstaatlichungsdebatte kocht wieder hoch

Überhaupt steht der Manager unter großen Druck, muss er doch auch der schon seit langer Zeit schwelenden Enteignungsdebatte entgegentreten. Die hohen Energiekosten und ihre Folgen für Mieterinnen und Mieter hatten die Diskussion über eine Verstaatlichung von Deutschlands größten Wohnungskonzern zuletzt nochmals befeuert.

Demonstration gegen Immobilienkonzerne, wie Vonovia u. a. | picture alliance / Jochen Tack

Demonstranten fordern Enteignung von Vonovia. Bild: picture alliance / Jochen Tack

Dabei dürften die Zeiten hoher (Kurs-)Gewinne und üppiger Dividenden, die Vonovia in den vergangenen Jahren für seine Aktionäre bereithielt und die die Enteignungsdebatte zusätzlich befeuerten, erst einmal vorbei sein. Die Vonovia-Aktie fiel gestern bis auf 20,98 Euro. Damit markierte sie den tiefsten Stand seit sieben Jahren. Allein seit Jahresbeginn hat sie über 60 Prozent ihres Werts eingebüßt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. September 2022 um 23:59 Uhr.