Ein Kantinenmitarbeiter füllt einen Teller auf | dpa

Folgen der Corona-Krise Mittagsroutine ohne Kantine

Stand: 01.07.2021 10:43 Uhr

Die Homeoffice-Pflicht ist ausgelaufen. Wenn Beschäftigte ins Büro zurückkehren, hoffen auch Kantinen dank neuer Konzepte wieder auf mehr Umsätze. Deren Geschäft brach zuletzt massiv ein.

Von Jens Eberl, WDR

Gemütlich mit den Kollegen in der Mittagspause in die Kantine: Das gibt es schon lange nicht mehr. Wer in der Corona-Krise ins Betriebsrestaurant ging, musste das in den vergangenen Monaten meistens alleine tun - oder zumindest mit weitem Abstand zu seinen Kolleginnen und Kollegen. Deshalb haben sich viele eine Alternative gesucht, etwas zum Essen mitgebracht oder im Freien gegessen.

Jens Eberl

40 Prozent weniger Umsatz

Hinzu kommt, dass viele Beschäftigte inzwischen im Homeoffice arbeiten und sich dementsprechend zu Hause das Essen zubereiten. "Das Statistische Bundesamt weist für die Caterer im Jahr 2020 Umsatzverluste von real 33,8 Prozent aus. In den Corona-Monaten von März 2020 bis Februar 2021 lag der Umsatz real 40,5 Prozent unter dem Umsatz im vergleichbaren Vorjahreszeitraum", berichtet Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA.

Dabei seien die Entwicklungen in den einzelnen Segmenten unterschiedlich verlaufen. Dort, wo auf Homeoffice umgestellt wurde, sei es am dramatischsten gewesen. "Dies fand hauptsächlich statt in den Verwaltungen oder im Banken- und Versicherungswesen, in der produzierenden Industrie deutlich weniger", so Hartges.

Arbeitswelt hat sich durch Corona verändert

Der Bereichsleiter Betriebsverpflegung bei apetito catering aus Rheine, Rolf Minder, sieht den Beginn eines neuen Trends. "Corona verändert die Betriebsverpflegung - nicht nur kurzfristig, sondern langfristig auf die nächsten Jahre gesehen. Wir glauben in weiten Teilen nicht daran, dass sich eine Auslastung der Betriebsrestaurants, wie wir sie vor Corona hatten, wieder erreichen lässt", sagt Minder. "Mehr und mehr wird deutlich, dass die neue Arbeitswelt vernetzt, digital und flexibel sein muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben."

Auch der Düsseldorfer Klüh-Gruppe, die unter anderem Kantinen im Düsseldorfer Landtag und Essener Klinikum betreibt, hat die Corona-Krise zugesetzt. "In der Phase des Lockdowns über den Winter hatten wir zwischenzeitlich bis zu 80 unserer insgesamt 140 Betriebsrestaurants geschlossen. Inzwischen sind es nur noch knapp 30", sagt der Sprecher der Geschäftsführung, Frank Theobald.

Die Einnahmen eines Betriebsrestaurants ergäben sich aber nicht allein durch die Einnahmen aus dem Tagesgeschäft, sondern auch durch Arbeitgeber-Zuschüsse, mit denen die Mahlzeiten subventioniert würden. Das bedeute im Umkehrschluss, dass der Arbeitgeber unter Umständen langfristig nicht mehr bereit sei, ein Betriebsrestaurant zu unterhalten, wenn dauerhaft weniger Gäste kämen. "Wir nehmen aber wahr, dass viele Unternehmen dennoch weiterhin Betriebsrestaurants halten, um attraktiv für ihre Belegschaft und insbesondere für potenzielle Bewerber zu bleiben."

Anbieter müssen mit neuen Konzepten reagieren

Bei apetito hat man festgestellt, dass die Unternehmen ihre Betriebsrestaurants nur zögerlich öffnen. Das führe zu einem Nachfragerückgang einer klassischen Mittagsverpflegung in Unternehmen. Im Konferenzservice und im Bereich der Gästeverpflegung sei das genauso.

Die Anbieter müssen nun reagieren. Sie arbeiten an neuen Konzepten innerhalb der Betriebsverpflegung. "Wir passen unsere Angebote an und weiten diese aus", berichtet apetito-Bereichsleiter Minde. "So setzen wir noch mehr auf beispielsweise To-Go- und Take-Away-Konzepte. Diese bieten wir vielerorts direkt mit Mehrweg-Lösungen an - über Pfandbecher und auch Mehrweggeschirr."

Klüh-Sprecher Theobald versucht, das Vertrauen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Kantinen wiederherzustellen. Die Hygienemaßnahmen seien noch mehr ausgeweitet worden. Es gebe Aufsteller, Informationsflyer, digitale Hinweisschilder. Auch hier setzt man auf To-Go-Angebote und auf Digitalisierung, wie beispielsweise das Bestellen per App.

Homeoffice-Zukunft als zentraler Faktor

Hartges sagt, bei den Betriebsrestaurants werde es stark davon abhängen, ob und in welchem Umfang Homeoffice nach der Pandemie noch im Trend liegen werde. "Wir hoffen, dass der Stellenwert der Betriebsrestaurants steigen wird - als Dreh- und Angelpunkt für Ernährung, Gesundheit, Wohlfühlen und Kommunikation, als Teil einer guten Unternehmenskultur und als wichtige Begegnungsstätte für Kollegen."

Von heute an gilt keine Homeoffice-Pflicht mehr. Vielleicht spüren das auch schon die Kantinenbetreiber in Deutschland.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 05. Juni 2021 um 16:13 Uhr.