Ein Mitarbeiter steht vor einem Regal mit Kaffee in einem Tchibo-Geschäft. | picture alliance / dpa

Tchibo erhöht Preise Kaffeetrinken wird teurer

Stand: 14.06.2021 10:42 Uhr

Die steigenden Preise für Rohkaffee bekommen nun auch die Verbraucher zu spüren: Erstmals seit vier Jahren verlangt Marktführer Tchibo wieder mehr für seinen Filterkaffee. Andere Händler könnten nachziehen.

In den vergangenen Wochen und Monaten sind einige Lebensmittel teurer geworden, vor allem Gemüse und Obst. Nun müssen die deutschen Verbraucher auch für ihr Lieblingsgetränk noch tiefer in die Tasche greifen. Ab dieser Woche wird der Kaffeegenuss teurer. Tchibo erhöht die Preise zwischen 50 und 100 Cent je Pfund - je nach Sorte und Herkunftsland. Die 500-Gramm-Packung "Feine Milde" kostet künftig 5,69 Euro - statt bisher 4,99 Euro.

In Brasilien droht eine schwache Ernte

Die erste Preisanhebung seit 2017 begründet Tchibo mit den gestiegenen Rohkaffee-Preisen. So hat die schlechte Ernteprognose des weltgrößten Kaffeeerzeugers Brasilien die Einkaufspreise zuletzt nach oben getrieben.

Der Schritt von Tchibo dürfte Signalwirkung für die gesamte Branche haben. Denn der Marktführer gibt meist die Richtung vor. Der Konzern kann die Preise in seinen Filialen selbst festlegen. Andere Röstereien und Händler könnten dem Beispiel von Tchibo folgen.

Discounter warten noch ab

Nach Einschätzung von Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg werden die Supermärkte bald nachziehen. Auch Kaffeekapseln dürften bald teurer werden, prophezeit der Verbraucherschützer.

Bisher halten sich die Discounter Aldi und Lidl noch bedeckt. Sie haben sich noch nicht zu Preisänderungen geäußert. Aldi Süd und Aldi Nord besitzen eigene Kaffeeröstereien und können die Preise ihrer Eigenmarken selbst bestimmen.

Tchibo-Konkurrenten dürften bald folgen

Auch die großen Kaffeeröster warten noch ab. Melitta und Dallmayr möchten zu möglichen Preisanpassungen nichts sagen. Eine Sprecherin von Dallmayr bestätigt lediglich, dass das Unternehmen von der sehr deutlichen aktuellen Kostensteigerung ganz massiv betroffen sei.

Der Konzern Jacobs Douwe Egberts hat indes bekanntgegeben, aufgrund gestiegener Einkaufskosten die Fabrikabgabepreise erhöht zu haben. Der niederländische Konzern, der von der Familie Reimann kontrolliert wird, besitzt bekannte Marken wie Jacobs, Café HAG und Senseo. Seine Handelspartner sind insbesondere Lebensmittelhändler, die in eigener Verantwortung die Endverbraucherpreise festlegen.

Rohkaffee um fast zwölf Prozent teurer geworden

Der aus mehreren Kaffeesorten zusammengesetzte so genannte ICO-Preisindex stieg im April um 1,4 Prozent und damit den sechsten Monat in Folge. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts lagen die Einfuhrpreise für Rohkaffee im April fast zwölf Prozent über dem Niveau von vor einem Jahr.

Vor allem die hochwertige Sorte Arabica hat sich kräftig verteuert. Die Preise sind inzwischen auf den höchsten Stand seit vier Jahren geklettert. In New York kostete die Kaffeesorte Arabica Anfang Juni rund 164 Cent pro Pfund.

Boom der Kaffeekapseln

Kaffee ist das beliebteste Getränk der Deutschen. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei 168 Liter. Zwar wurde in der Corona-Pandemie deutlich weniger Kaffee in Cafés, Bäckereien und Kantinen getrunken. Zuhause konsumierten die Bundesbürger aber elf Prozent mehr.

Besonders der Markt für Kaffeekapseln erlebte in den letzten Jahren einen ungeahnten Boom. Bald könnte sich der Wettbewerb verschärfen. Mit seiner Kaffeemarke Costa will Coca-Cola den Marktführer Nespresso angreifen. Dabei setzt der Brause-Konzern auf eine Partnerschaft mit Krüger: Der deutsche Familienunternehmen produziert die Alukapseln für Coca-Cola. Die Kapseln sind kompatibel mit dem Nespresso-System.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. Juni 2021 um 11:00 Uhr im Wirtschaftsressort.