Eine Tasse Kaffee steht auf einem Tisch umgeben von Kaffeebohnen

Preise steigen rasant Warum Kaffee jetzt teurer wird

Stand: 10.02.2022 08:23 Uhr

Auf Kaffeeliebhaber kommen schwere Zeiten zu. Tchibo wird die Preise noch im Februar massiv erhöhen - andere Anbieter dürften nachziehen. Welche Gründe hat die rasante Kaffeepreis-Inflation?

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Kaffee bleibt das liebste Getränk der Deutschen. 2020 lag der Pro-Kopf-Konsum in Deutschland bei 168 Litern Kaffee - Tendenz steigend. "Laut unseren Berechnungen ist der Kaffeegesamtkonsum in Deutschland im Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr erneut leicht gestiegen", sagt Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbandes, gegenüber tagesschau.de.

Doch der Kaffeegenuss wird allmählich zu einem teuren Vergnügen. Marktführer Tchibo wird zum zweiten Mal binnen neun Monaten seine Preise erhöhen. Vom 21. Februar an müssen Verbraucher dann für das Pfund Kaffee je nach Sorte und Herkunftsland 0,50 bis 1,30 Euro mehr berappen, wie Tchibo zu Wochenbeginn anküdigte. So soll etwa die Sorte "Feine Milde" dann 6,99 Euro je Pfund kosten. Das sind 1,30 Euro mehr als jetzt. Im Vergleich zum Sommer vergangenen Jahres beträgt der Aufschlag sogar 2,00 Euro.

Wird jetzt auch Kaffee von Jacobs, Dallmayr und Nestlé teurer?

Damit lässt die Tchibo-Kaffeepreis-Inflation den allgemeinen Anstieg der Verbraucherpreise weit hinter sich. Zugleich sind die Preiserhöhungen der Hamburger ein starkes Signal für generell steigende Kaffeepreise in Deutschland. Immerhin ist Tchibo hierzulande Marktführer.

Während der Hamburger Röster seine Verkaufspreise allerdings selbst festsetzen kann, sind die Preise in den Supermärkten und Discountern für andere Kaffee-Marken stets ein Ergebnis von Verhandlungen zwischen Handelsriesen wie Rewe und Aldi auf der einen und Röstern wie Jacobs und Dallmayr auf der anderen Seite.

Arabica-Preis auf Zehn-Jahres-Hoch

Wenn Röster und Supermärkte ihre Kaffeepreise erhöhen, geben sie letztlich die gestiegenen Einkaufspreise auf den Weltmärkten an die Verbraucher weiter. An den Rohstoffbörsen war der Preis für die Sorten Arabica und Robusta zuletzt rasant nach oben geklettert. Im vergangenen Jahr legte der Preis für Robusta um 71 Prozent zu, der Preis für Arabica schnellte sogar um 76 Prozent in die Höhe.

Anfang Dezember kostete das Pfund Arabica gut 250 US-Cent - so viel wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Zum Vergleich: Anfang 2021 notierte Arabica noch bei rund 120 US-Cent. Auch im neuen Jahr hält sich der Arabica-Preis weiter in Nähe seines Zehn-Jahres-Hochs.

Enttäuscht Brasiliens Kaffeeernte erneut?

Auf der Suche nach den Gründen für diesen rasanten Preisanstieg landet man rasch in Brasilien. Bereits die jüngste Ernte in Brasilien, dem wichtigsten Kaffee-Produzenten- und -Exportland, hatte massiv enttäuscht. Mit 47,7 Millionen Sack (à 60 Kilogramm) hatte sie fast 25 Prozent unter der Rekordernte von 63,1 Millionen Sack aus dem Jahr 2020 gelegen. Ungünstige Witterungsbedingungen, insbesondere Trockenheit, in wichtigen Arabica-Anbaugebieten schmälerten die Erträge.

Auch die diesjährige im April beginnende Ernte dürfte deutlich unter dem vor zwei Jahren erreichten Rekordniveau bleiben. Branchenkenner rechnen mit einem Angebotsdefizit. "So schätzte die brasilianische Prognosebehörde Conab die diesjährige Kaffeeernte im Januar auf knapp 56 Millionen Sack, was rund 7 Millionen Sack unter der Rekordernte 2020 liegen würde", erklärt Carsten Fritsch, Rohstoffexperte der Commerzbank.

Erst Dürre, dann Frost und jetzt auch noch La Niña

Brasilien hatte zuletzt die schlimmste Dürreperiode seit 90 Jahren erlebt. Darauf folgte der stärkste Frosteinbruch seit Jahrzehnten; Rodungen von Kaffeebäumen waren die Folge. Das Wetterphänomen La Niña könnte nun zu weiteren Problemen bei der kommenden Ernte führen.

"So leiden die südlichen Bundesstaaten seit Mitte Dezember unter extremer Hitze und Trockenheit", betont Rohstoff-Experte Fritsch. In anderen Regionen habe es dagegen übermäßige Regenfälle gegeben, die ebenfalls zu Ernteverlusten führen könnten, da heranwachsende Früchte durch den Starkregen heruntergefallen sind.

Etwas niedrigere Kaffeepreise voraus

Trotzdem könnten auf Kaffeefans im Jahresverlauf wieder etwas bessere Zeiten zukommen. Die Commerzbank rechnet damit, dass der Arabica-Preis kurzfristig nochmals ein neues Hoch markieren, bis zum Jahresende aber wieder nachgeben könnte - auf dann 200 US-Cent.

Das wäre aber immer noch ein vergleichsweise hohes Preisniveau. Vor dem Überschreiten dieser runden Marke im vergangenen Herbst war Kaffee zuletzt 2014 so teuer.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Dezember 2021 um 16:44 Uhr.