Kaffeebohnen

Sorge um Kaffee-Ernte Preise für Arabica-Bohnen steigen rasant

Stand: 27.07.2021 12:29 Uhr

Brasilien ist der weltgrößte Produzent von Arabica-Kaffee. Weil dort wegen Frost und Dürre Ernteausfälle drohen, sind die Preise für Rohware auf ein Sechs-Jahres-Hoch gestiegen. Das bekommen wohl bald auch Kaffeetrinker zu spüren.

Arabica-Kaffee aus Brasilien gehört zu den beliebtesten Kaffeesorten in Deutschland. Über 300.000 Tonnen werden jährlich aus dem südamerikanischen Land hierher geliefert. Doch in diesem Jahr könnten die Importe geringer ausfallen. Denn nach einer Dürreperiode zu Jahresbeginn sind es nun Temperaturen unter Null, die für Ernteausfälle sorgen könnten.

Zwar lassen sich die tatsächlichen Schäden nach Einschätzung von Rohstoffhändler Charles Sargeant vom Brokerhaus Britannia bislang nur schwer vorhersagen, doch sorgt allein schon die Furcht vor geringeren Ernten für steigende Preise. Während am Freitag ein Pfund Rohkaffee der Sorte Arabica noch knapp 1,75 Dollar kostete, waren es gestern bereits mehr als zwei Dollar - und damit soviel wie seit 2014 nicht mehr. Damit setzt sich die seit Jahren anhaltende Verteuerung von brasilianischem Arabica fort. Laut dem internationalen Verband der Kaffeeproduzenten (International Coffee Organization), ICO, stieg der Preis für ein Pfund Arabica-Kaffee am 20. Juli auf 1,58 Dollar, nach knapp einem Dollar vor zwei Jahren. Damit hat sich Arabica-Kaffee in dieser Zeit um knapp 60 Prozent verteuert.

Mehrere Gründe für den Preisanstieg

Verbraucher müssen sich deshalb wohl auf höhere Preise gefasst machen. Auch der Preis für Robusta-Kaffee - der unter anderem für Instant-Granulat genutzt und hauptsächlich in Vietnam angebaut wird - erlebte im bisherigen Jahresverlauf einen Preisanstieg von fast 40 Prozent. "Es gibt mehrere Gründe für den astronomischen Preisanstieg bei Kaffee", sagt Rabobank-Analyst Carlos Mera. Neben den verheerenden Wetterbedingungen in Brasilien seien auch die Transportkosten gestiegen. Zudem sorgten politische Unruhen im drittgrößten Produktionsland Kolumbien für Probleme. Auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie sorgten weiterhin für Verunsicherung.

Wichtigster Preistreiber ist aber wohl das Wetter. Brasilien litt zu Beginn dieses Jahres unter einer historischen Dürre. In der vergangenen Woche folgte dann Frost auf wichtigen Plantagen in Minas Gerais, einem südöstlichen Bundesstaat im Landesinneren, aus dem 70 Prozent der Arabica-Bohnen des Landes kommen. "Die Minusgrade haben zu Laubfall geführt und die jüngsten Pflanzen zerstört", sagt Mera. Diese seien allerdings für künftige Ernten entscheidend. Eine Wetterbesserung ist vorerst nicht in Sicht. Die Meteorologen erwarten weitere Fröste in den kommenden Tagen.

Verzögerte Auswirkungen für Verbraucher

An der amerikanischen Terminbörse sind die Preise deshalb explodiert. So schnellte der Preis für ein Pfund Arabica-Kaffee gestern auf 2,152 Dollar in die Höhe, der größte Tagesgewinn seit 21 Jahren. "Unter dem Strich bleibt ein perfekter Sturm", erklärt Branchenbeobachter Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets. Eine Trendwende sei zwar nicht in Sicht. "Wir nähern uns aber wichtigen technischen Marken, die als Widerstände fungieren könnten", so der Experte.

Arabica ist auch deshalb so stark betroffen, weil die Pflanze einen zweijährigen Zyklus hat, bei dem auf eine ertragsarme Produktion in einem Jahr eine Rekordernte im nächsten Jahr folgt. So ist die Ernte vor zwei Jahren besonders üppig ausgefallen. Dieses Jahr wäre sie auch ohne Frost- und Dürreschäden geringer gewesen, so die Experten.

Befördert wird die Knappheit zudem durch die Tatsache, dass die weltweite Kaffeenachfrage nach dem Ende der Corona-Einschränkungen wieder stark angezogen hat. Die Verbraucher merken davon zwar noch wenig, weil die steigenden Preise nur langsam und zeitversetzt an die Endkunden weitergegeben werden. Es dauere normalerweise drei bis neun Monate, bis die Auswirkungen im Einzelhandel zu spüren seien, sagt Rabobank-Experte Carlos Mera.