Eine Kaffeeplantage im Bundestaat Minas Gerais, Brasilien. | REUTERS

Probleme auf Plantagen in Brasilien Teurer Kaffee - besorgte Bauern

Stand: 21.02.2022 10:23 Uhr

Ernteausfälle, teures Benzin, knapper Dünger: Für Kaffeebauern in Brasilien ist die Lage derzeit dramatisch. Warum von den gestiegenen Preisen in Deutschland so wenig bei den Produzenten ankommt.

Von Anne Herrberg, ARD-Studio Rio de Janeiro

Besorgt geht Lucas Bartelega durch seine Kaffeeplantage, endlose, schnurgerade Reihen mit hochgewachsenen Pflanzen. Doch die sonst saftig grünen Blätter hängen braun und schlapp herab, dazwischen vertrocknete Kaffee-Kirschen. Die Hälfte der Sträucher sei abgestorben, sagt der Agrarökonom. 

Anne Herrberg ARD-Studio Rio de Janeiro

"Einige Pflanzen sind so stark betroffen, dass nicht nur die Ernten 2022 und 2023 verloren gehen," erzählt Bartelega. "Sie sind so stark verbrannt, dass ich sie drastisch bis auf die Wurzel herunterstutzen muss. Die Pflanze braucht drei Jahre, um sich davon zu erholen, heißt: Diese Plantage hier wird erst 2024 wieder Kaffee produzieren."

Extreme Trockenheit, dann Frost

Die Plantage liegt bei Varginha, einer Stadt im Südwesten des brasilianischen Bundesstaates Minas Gerais. Von dort kommen 70 Prozent der brasilianischen Arabica-Bohnen und auch der größte Teil der deutschen Kaffeeimporte.

Doch im vergangenen Jahr spielte in der Region das Klima verrückt, mit drastischen Folgen für die Ernte, erzählt Farmer Paulo Ronaldo: "2021 litten wir unter einer extremen Trockenheit, so dass wir schon 2021 eine miese Ernte hatten, Ich habe fest auf 2022 gesetzt, aber dann kam der Frost. So etwas hatten wir hier noch nie erlebt, es war schrecklich und hat uns stark getroffen. Ich weiß nicht, was wir jetzt tun sollen."

Ernte um 25 Prozent eingebrochen

Brasilien ist der größte Kaffeeexporteur der Welt. Doch die Ernte im vergangenen Jahr ist im Vergleich zum Jahr 2020 um fast 25 Prozent eingebrochen - und an den Rohstoffbörsen kletterte der Preis nach oben. Ein Pfund der beliebten Arabica-Bohne kostete Ende 2021 rund 2,50 US-Dollar und damit so viel wie seit mehr als zehn Jahren nicht. Das wird an die Kaffeetrinker weitergeben - in Deutschland, genauso wie in Brasilien. "Wir haben versucht, es zu vermeiden, aber der Preisanstieg war zu groß", sagt der Kellner eines beliebten Cafés in Sao Paulo. 

Doch kommt der erhöhte Preis auch wirklich bei denen an, die die Kosten haben? "Kaum", sagt Adalberto Alencar, Berater für nachhaltigen Anbau und Mitbegründer der Stiftung Cepema aus dem Bundestaat Ceará. "Normalerweise sind es die Produzenten und Arbeiter, die am wenigsten vom Gewinn abschöpfen können, das trifft insbesondere kleine Produzenten, die außerdem am härtesten von den Einbrüchen der Ernte und der Zerstörung ihrer Felder durch die extremen Wetterlagen betroffen sind. Ich habe aber auch den Eindruck, dass einige Akteure diese Momente auch nutzen, um mit den Preisen zu spekulieren."

Zölle, Steuern und Fracht

Den größten Anteil am Kaffeepreise machten Zölle, Steuern und Frachtkosten aus, sagt auch Dayany Ferreira. Sie gehört deshalb einer Kooperative an, die Fairtrade-Kaffee produziert: Coopfam. Der größte Käufer ist Tchibo. 

"Dass der Kaffee heute hohe Preise erzielt, ist im Grunde eine Illusion, zumindest für uns Produzenten. Zum einen haben wir alle Ernteeinbrüche gehabt, haben also weniger anzubieten. Andererseits sind unsere Produktionskosten gestiegen. Benzin, das wir brauchen, um Maschinen zu betreiben, auch Materialien und Düngemittel sind teurer geworden und außerdem knapp. Viele konventionelle Kaffeebauer haben Schwierigkeiten, genug Kunstdünger zu finden."

Ferreira selbst hat vor kurzem auf Bioproduktion umgestellt, so ist sie weniger abhängig von Kunstdünger, dessen Preis sich am US-Dollar orientiert - und somit allein durch die Abwertung des brasilianischen Reals teurer wurden. Doch die Umstellung dauert. Und der Klimawandel bereitet ihr große Sorgen. Denn ein Tag mit Extremwetter kann die Arbeit von fünf Jahren innerhalb weniger Stunden zunichte machen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Dezember 2021 um 16:44 Uhr.