Münzen im Wert von fünf Euro über ein rotes Portemonnaie gehalten. | picture alliance / Friso Gentsch

IMK-Studie Inflation trifft besonders die Mittelschicht

Stand: 21.01.2022 15:56 Uhr

Haushalte in Deutschland sind unterschiedlich stark von der hohen Inflation betroffen. Besonders Familien mit mittleren Einkommen leiden einer Studie zufolge unter den zuletzt deutlich gestiegenen Preisen.

Die Mittelschicht leidet einer aktuellen Untersuchung zufolge besonders stark unter den steigenden Preisen in Deutschland. Gemessen an einem üblichen Warenkorb stiegen die Verbraucherpreise im Dezember für Familien mit Kindern und mittlerem Einkommen sowie für kinderlose Paare mit mittlerem Einkommen im Dezember um 5,5 Prozent. Die durchschnittliche Belastung für aller Haushalte betrug 5,3 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung.

Kaum Spielraum beim Grundbedarfs-Konsum

Dagegen hätten Alleinstehende mit niedrigem Einkommen die im Vergleich geringste haushaltsspezifische Teuerungsrate mit 4,4 Prozent aufgewiesen, so das IMK: "Auch für Singles mit hohen und mittleren Einkommen lagen die Raten mit 4,7 beziehungsweise 5,0 Prozent im Dezember etwas unter der allgemeinen Preissteigerung."

Allerdings erweise sich diese vergleichsweise niedrigere Inflationsrate bei Alleinstehenden mit geringem Einkommen als "zweischneidig", so die IMK-Expertin Silke Tober. Denn diese Haushalte seien stark von den kräftigen Preisanstiegen bei Lebensmitteln und Energie betroffen, Güter des Grundbedarfs, deren Konsum sich kaum reduzieren lasse. Dadurch gebe es kaum Spielräume, um zu sparen oder auf Güter zu verzichten. Ihre vergleichsweise niedrige Inflationsrate liege vor allem daran, dass diese Haushalte sich andere Waren und Dienstleistungen, deren Preise ebenfalls stark zugelegt haben, ohnehin nicht leisten könnten. Das gelte vor allem für Benzin und andere Ausgaben fürs Auto sowie für Reisen.

"Inflation schwächt sich im kommenden Jahr ab"

Bei Familien mit zwei Kindern und niedrigem Einkommen belief sich die zusätzliche Belastung durch die gestiegenen Preise auf 5,3 Prozent, bei Familien mit höherem Einkommen waren es 5,4 Prozent. "Grob zusammengefasst lässt sich schlussfolgern, dass die Inflation gegenwärtig nicht überproportional Haushalte mit geringeren Einkommen trifft", so Tober: "Wir rechnen damit, dass sich die Inflation im laufenden Jahr wieder spürbar abschwächt." Trotzdem belaste die Teuerung die Haushalte in Deutschland.

Im Dezember war die Inflation in Deutschland auf 5,3 Prozent gestiegen und damit auf den höchsten Stand seit 1992. Das IMK ermittelte auf Basis der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamts die für unterschiedliche Haushalte typischen Konsummuster. Damit lässt sich gewichten, wer für bestimmte Waren und Dienstleistungen - von Lebensmitteln über Mieten, Energie und Kleidung bis hin zu Kulturveranstaltungen und Pauschalreisen - wie viel ausgibt. Daraus errechneten die Fachleute dann die haushaltsspezifische Preisentwicklung.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. Januar 2022 um 14:34 Uhr.