Tankanlagen der Total- Raffinerie Mitteldeutschland in Leuna, Sachsen-Anhalt | picture alliance/dpa

Inflationsvorboten Energiekosten treiben Großhandelspreise

Stand: 14.10.2022 10:46 Uhr

Die deutschen Großhandelspreise stiegen im September erneut deutlich an. Vor allem Rohstoffe sind der Preistreiber. Das mindert die Hoffnung auf ein baldiges Sinken der Inflation.

Befeuert von stark gestiegenen Energiekosten haben die Preise der deutschen Großhändler im September um 19,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat angezogen, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte.

Damit legt das Tempo des Anstiegs wieder zu. Im August waren die Preise um 18,9 Prozent gestiegen, im Juli um 19,5 und im Juni um 21,2 Prozent. Der bisherige Höhepunkt wurde im April mit einem Anstieg um 23,8 Prozent erreicht. Das war die stärkste Zunahme seit Einführung der Statistik 1962.

Ölpreis treibt Großhandelspreise

Der hohe Anstieg der Großhandelspreise im Vorjahresvergleich ist im September laut Destatis weiterhin durch stark gestiegene Kosten für viele Rohstoffe und Vorprodukte begründet. Den größten Einfluss hatte dabei der Preisanstieg im Großhandel mit Mineralölerzeugnissen mit einem Plus von 61,9 Prozent, sowie mit festen Brennstoffen, die sich um 111,9 Prozent verteuerten. Die Preise lebender Tiere kletterten um 49,8 Prozent.  

Erheblich höher waren auch die Preise im Großhandel mit chemischen Erzeugnissen. Sie wuchsen um 42 Prozent, die Preise für Milch, Milcherzeugnisse, Eier, Speiseöle und Nahrungsfett ebenfalls.

Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte steigen

Auch die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte legten kräftig zu. Sie lagen laut Destatis im August durchschnittlich 34,5 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Im Juli hatte die Teuerungsrate noch 33,4 Prozent betragen, im Mai waren es noch 35,6 Prozent.

Die Preise für pflanzliche Produkte erhöhten sich um 21,4 Prozent. Speisekartoffeln kosteten dabei 23 Prozent mehr als vor einem Jahr, Getreide sogar fast 40 Prozent mehr. Überdurchschnittlich stark kletterten im August die Preise für tierische Erzeugnisse mit 44,1 Prozent.

Indikatoren für künftige Inflation

Der Großhandel gilt als Scharnier zwischen Herstellern und Endkunden. Höhere Kosten landen am Ende zumindest teilweise bei den Konsumenten, die sich wohl auf eine längere Zeit mit erhöhten Lebenshaltungskosten einstellen müssen.

Und der Index der Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte misst die Entwicklung der Verkaufspreise der Landwirtschaft (ohne Umsatzsteuer). Er zeigt damit die Entwicklungen auf der ersten Wirtschaftsstufe an, also noch bevor die Waren in den Handel kommen. Das Auf und Ab gibt damit ebenfalls einen frühen Hinweis auf die künftige Entwicklung der Verbraucherpreise.

Von einer Entwarnung kann angesichts der aktuellen Entwicklungen also nicht ausgegangen werden. Die Inflation wird in Deutschland laut Bundesbank-Präsident Joachim Nagel auch im kommenden Jahr hoch bleiben. Dieses Jahr werde die Teuerungsrate bei über acht Prozent liegen und 2023 wahrscheinlich "eine Sieben vor dem Komma stehen", sagte Nagel. Bislang hatte die Bundesbank für 2023 mit einer Inflationsrate von über sechs Prozent gerechnet.