Eine Kundin beim Einkaufen in einem Supermarkt. | picture-alliance / dpa

Hohe Inflation Umsatz des Einzelhandels bricht ein

Stand: 01.08.2022 10:25 Uhr

Der Einzelhandel vermeldet im Juni den stärksten Umsatzrückgang seit 1994. Steigende Preise zwingen die Verbraucher zur Konsumzurückhaltung. Vor allem bei Lebensmitteln wird gespart.

Die hohe Inflation drückt den Konsum im Einzelhandel. Im Juni ging der Umsatz der Branche preisbereinigt (real) um 8,8 Prozent im Vorjahresvergleich zurück. Das war der größte Rückgang zum Vorjahresmonat seit Beginn der Zeitreihe 1994, teilte das Statistische Bundesamt heute mit. Einschließlich Preiserhöhungen (nominal) nahm der Umsatz nur um 0,8 Prozent ab.

Die Differenz zwischen den nominalen und realen Ergebnissen spiegele die hohen Preissteigerungen im Einzelhandel wider, die das Konsumklima spürbar beeinträchtigten, erläuterte die Behörde. Die hohe Inflation dämpft nach Angaben der GfK-Konsumforscher die Kauflaune der Verbraucher.

Mehr Umsatz bei Gastronomen

Der Umsatz mit Lebensmitteln sank auf den tiefsten Stand seit Juni 2016. Dieser Rückgang sei vermutlich vor allem den gestiegenen Preisen geschuldet, erläuterten die Statistiker. Sie legten im Vergleich zum Juni 2021 um fast zwölf Prozent zu. Auch dass viele Menschen inzwischen wieder häufiger ins Restaurant gingen, könnte den Lebensmitteleinzelhandel demnach negativ beeinflusst haben. Der Umsatz in der Gastronomie legte im Mai um 8,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat zu. 

Der Umsatz mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren, der bis Mai fast wieder das Vorkrisenniveau erreicht hatte, sank im Juni preisbereinigt um 5,4 Prozent im Vergleich zum April. Im Vergleich zum Juni 2019 lag der Umsatz damit 13,6 Prozent unter Vorkrisenniveau.  

Minus auch im Versandhandel

Auch der Internet- und Versandhandel verbuchte im Juni niedrigere Umsätze als im Vormonat (minus 3,8 Prozent). Im Vergleich zum Juni 2019 lag der Umsatz aber immer noch 22,3 Prozent höher. Die Umsätze der Tankstellen stiegen mit Einführung des Tankrabatts um 6,4 Prozent im Vergleich zum Mai, wie die Statistiker weiter mitteilten.

Dass die Kauflaune der Deutschen durch die hohe Inflation stark gelitten hat, zeigt auch eine aktuelle Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE). Das sogenannte Konsumbarometer des HDE fiel zum Monatsbeginn auf ein Allzeittief. Auch in den kommenden Monaten sei mit einer schwachen Konsumstimmung zu rechnen, teilte der Verband mit.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. August 2022 um 10:00 Uhr.