Ein aufgerollter Geldschein liegt auf Euroscheinen. | picture alliance / Zoonar

Preisentwicklung im Jahr 2021 Inflation auf höchstem Stand seit 1993

Stand: 06.01.2022 16:59 Uhr

Angeheizt von höheren Energiepreisen ist die Inflationsrate in Deutschland 2021 auf 3,1 Prozent gestiegen - aufs Jahr gesehen der höchste Stand seit 1993. Im Monat Dezember legten die Preise sogar um 5,3 Prozent zu.

Kräftig gestiegene Energiepreise, Lieferengpässe sowie die Rücknahme der zeitweisen Mehrwertsteuersenkung haben die Inflation 2021 auf den höchsten Stand seit 28 Jahren getrieben. Nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes betrug die Teuerungsrate im vergangenen Jahr 3,1 Prozent. Ein stärkeres Plus der Verbraucherpreise hatte die Behörde im Jahresschnitt zuletzt 1993 mit damals 4,5 Prozent gemessen. Im ersten Corona-Jahr 2020 hatte die Jahresteuerung noch bei 0,5 Prozent gelegen.

Monatliche Inflationsrate im Dezember weiter gestiegen

Allein im Dezember stieg die Inflation in Deutschland gegenüber dem Vorjahresmonat um 5,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Eine höhere Teuerungsrate war zuletzt im Juni 1992 mit damals 5,8 Prozent errechnet worden. Analysten wurden vom erneuten Anstieg der Teuerung in Deutschland überrascht. Sie hatten mit einem leichten Rückgang der Inflationsrate auf 5,1 Prozent gerechnet.

"Der unterliegende Preisdruck ist im Dezember überraschend hoch geblieben", sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank. Entgegen den Erwartungen sei die Inflationsrate nicht gefallen, sondern weiter gestiegen - obwohl sich Energie im Vergleich zum Vormonat verbilligte. Auch Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, zeigte sich erstaunt: "Eigentlich war anzunehmen, dass es im letzten Monat des Jahres bereits in den Rückwärtsgang geht." Doch es seien unter anderem höhere Nahrungsmittelpreise gewesen, die dem Rückgang der Inflationsrate einen Strich durch die Rechnung machen.

Im November hatte die monatlich gemessene Inflationsrate erstmals seit dem Wiedervereinigungs-Boom Anfang der 1990er-Jahre mit 5,2 Prozent wieder die Marke von 5,0 Prozent übersprungen. Bei der europäischen Berechnungsmethode (HVPI) gab es hingegen einen Rückgang der Inflationsrate. Hier meldet das Bundesamt für Dezember eine Jahresrate von 5,7 Prozent, nach 6,0 Prozent im November.

Zuschuss für Wohngeldbezieher in Planung

Eine höhere Inflation schwächt die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro dann weniger kaufen können als zuvor. Besonders hart trifft es Ökonomen zufolge ärmere Haushalte. Denn sie müssen einen großen Teil ihres Einkommens für lebensnotwendige Güter wie Wohnen oder Lebensmittel aufwenden. Im dritten Quartal dieses Jahres sind zudem die Steigerungen der Bruttolöhne vollständig von der hohen Inflation aufgezehrt worden.

Das Bundesbauministerium arbeitet derzeit daran, dass Bezieher von Wohngeld im Sommer einen erhöhten Zuschuss zu den Heizkosten bekommen - rechtzeitig zur Nebenkostenabrechnung mit den Kosten für den Winter. Auch für Sparer sind steigende Teuerungsraten bitter. Mickrig verzinste Sparguthaben verlieren dadurch unter dem Strich an Wert. Auch der deutsche Staat verliert Milliarden, da er etwa für den Bau von Straßen und Gebäuden deutlich mehr zahlen muss.

Gestiegene Energiepreise einer der Gründe

Angeheizt wurde die Teuerung in Europas größter Volkswirtschaft im vergangenen Jahr vor allem von rasant gestiegenen Energiepreisen im Zuge der weltweiten Konjunkturerholung nach der Corona-Krise 2020. Haushaltsenergie verteuerte sich innerhalb eines Jahres um 18,3 Prozent. Überdurchschnittlich stark ist auch der Anstieg bei den Preisen von Lebensmitteln ausgefallen. Hier betrug der Zuwachs 6,0 Prozent im Jahresvergleich.

Hinzu kamen Materialmangel und Lieferengpässe sowie die Einführung der CO2-Abgabe Anfang 2021 von 25 Euro je Tonne Kohlendioxid, das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht. Seit Beginn des laufenden Jahres werden 30 Euro je Tonne fällig.

Zugleich schlug die Rücknahme der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung durch: Seit Januar 2021 gelten wieder die höheren Steuersätze, Waren und Dienstleistungen wurden im Jahresvergleich also tendenziell teurer. Für den Januar erwarten die meisten Experten schließlich einen Rückgang der Teuerungsrate, da die Preise dann nicht mehr mit jenen aus dem zweiten Halbjahr 2020 verglichen werden, als der reguläre Mehrwertsteuersatz vorübergehend bei 16 Prozent statt bei 19 Prozent sowie der ermäßigte Mehrwertsteuersatz bei fünf statt bei sieben Prozent lag.

Experten uneins für 2022

"Auch die Energiepreise zogen im ersten Halbjahr 2021 rasant an, was die Vergleichsbasis für die nun anstehende Teuerungsberechnung merklich erhöht", ergänzte Gitzel. Deshalb sollte der Januar den Auftakt zu einem fallenden Inflationstrend markieren. Im zweiten Halbjahr 2022 könne schließlich auch wieder die von der EZB gewünschten Inflationswerte von zwei Prozent ins Visier kommen. Die Zentralbank dürfte den neuerlichen Anstieg der Inflationsrate im Dezember laut Gitzel daher gelassen nehmen.

DekaBank-Experte Kristian Tödtmann verweist dagegen auf die nun wieder stark gestiegenen die Erdgaspreise. "Das kommt im Januar ganz geballt." Das Ifo-Institut rechnet derweil erst 2023 mit einer Normalisierung bei der Inflation. Im laufenden Jahr dürften die Verbraucherpreise nach Einschätzung der Münchner Ökonomen sogar auf 3,3 Prozent steigen.

"Die Inflationsrisiken weisen klar nach oben - nicht nur in Deutschland, sondern auch im Euroraum", so auch Commerzbank-Experte Krämer. Es werde Zeit, dass die EZB den Fuß vom Gas nehme. Das sieht Michel Heise, Chefökonom von HQ Trust, ähnlich: "Eine geldpolitische Wende wird angesichts dieser Zahlen dringlicher." Die EZB hatte im Dezember an ihrer ultra-lockeren Geldpolitik festgehalten.

Über dieses Thema berichteten am 06. Januar 2022 tagesschau24 um 14:20 Uhr und MDR aktuell um 15:00 Uhr in den Nachrichten.