Neubauten stehen in einem Neubaugebiet in der Region Hannover. | dpa

Immobilienpreise Überhitzung, keine Blase?

Stand: 15.02.2022 17:47 Uhr

Angesichts stetig steigender Immobilienpreise bleibt das Eigenheim für viele ein Traum. Jetzt droht auch noch ein Anstieg der Bauzinsen. Der Markt ist überhitzt - doch wirft er auch schon Blasen?

Von Constantin Röse, ARD-Börsenstudio

3140 Euro: So viel kostete vergangenes Jahr im Durchschnitt der Quadratmeter einer Eigentumswohnung - ein Plus von rund 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zahlen, die die sogenannten Immobilienweisen, ein Beratergremium der Immobilienwirtschaft, errechnet haben. Die Experten sind besorgt, denn die Kaufpreise kennen seit Jahren nur eine Richtung - und zwar nach oben. Längst geht die Angst vor einer Immobilienblase um.

"Auf Dauer eine ungesunde Situation"

Clemens Fuest, Ökonom und Chef des Münchner ifo-Instituts, sieht eine solche Blase in Deutschland noch nicht. Doch die Preise für Immobilien steigen deutlich schneller als die der Mieten. Wichtig sei deshalb auch der Blick auf die Zinsen. "Nun sind ja die Zinsen seit längerer Zeit gefallen und sind sehr niedrig", gibt Fuest zu bedenken. "Insofern ist es gerechtfertigt, dass Häuser eben heute vielfach das 25-fache oder 30-fache der Miete kosten - und nicht mehr wie früher das 15- bis 20-fache."

Auch die Immobilienweisen wollen nicht von einer Blase sprechen, schreiben in ihrem Frühjahrsgutachten aber von einer "Überhitzung". Das liegt auch an den steigenden Kosten für Baustoffe, was das Bauen in Folge der Corona-Pandemie erheblich verteuert habe, erklärt Oliver Wittke, Hauptgeschäftsführer des Zentralen Immobilen Ausschusses ZIA: "Das heißt, insbesondere bei fremdvermieteten Immobilien wird es ganz ganz schwer, die Erstellungskosten über die Miete wieder reinzuholen", so Wittke. Dies sei, sollte es so bleiben, eine auf Dauer ungesunde Situation.

Anstieg der Bauzinsen erwartet

Wer heute ein Haus bauen möchte, fragt sich auch: Wie teuer wird der Kredit? In den vergangenen Jahren waren die Bauzinsen sehr niedrig. Doch Experten rechnen in diesem Jahr mit einem Anstieg. Wenn die Zinsen steigen, verteuern sich auch Kredite. Grund ist zum einen die hohe Inflation, die Notenbanken schon bald zwingen könnte, die Leitzinsen zu erhöhen.

Steigen könnten die Bauzinsen auch, weil die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin dafür sorgen will, dass deutsche Banken einen Sicherheitspuffer aufbauen, falls es zu Kreditausfällen kommt. Diese Kosten treffen dann auch Kreditnehmer. Wichtig jetzt, wie sich das Kreditvolumen und die Immobilienpreise entwickeln, meint ifo-Chef Fuest: "Gefährlich wird es vor allem dann, wenn Immobilien sehr, sehr stark fremdfinanziert sind und wenn die Preise dann etwas heruntergehen, die Banken zu den Kunden sagen, 'ihr seid zu hoch verschuldet, ihr müsst verkaufen'. So kann sich eine Abwärtsspirale bei den Preisen ergeben."

Allerdings spricht einiges für weiter steigende Preise, weil das Angebot an Wohnungen knapp bleibt. Etwa 315.000 Wohnungen sollen vergangenes Jahr fertiggestellt worden sein. Die Bundesregierung will die Neubauzahlen auf 400.000 Wohnungen pro Jahr steigern. Dieses Ziel werde man aber erst in der nächsten Legislaturperiode erreichen, so die Immobilienweisen. Aktuell fehlen besonders Wohnungen für Familien und sozialer Wohnungsbau. Hier sei die Politik jetzt gefragt, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen.