Ein Kran steht am Rohbau eines neu gebauten Mehrfamilienhauses. | dpa

Gestoppte Projekte Mehr Stornierungen im Wohnungsbau

Stand: 11.10.2022 10:33 Uhr

Immer mehr Projekte von Bauherren schaffen es nicht bis zur Realisierung. Laut dem Münchener ifo-Institut gibt es eine regelrechte Stornierungswelle im Wohnungsbau. Steigende Zinsen und Kosten sind die Ursache.

Steigende Baukosten und immer höhere Belastungen durch Kreditzinsen führen zu einer deutlich höheren Anzahl abgebrochener Bauprojekte. Das teilte das ifo-Institut heute mit. Danach waren im September 16,7 Prozent der befragten Unternehmen von Auftragsstornierungen betroffen. Im Vormonat August hatten nur 11,6 Prozent der Firmen von Stornierungen berichtet. Im vergangenen Jahr hatte diese Quote bei durchschnittlich unter fünf Prozent gelegen, in der Vor-Corona-Zeit bis 2019 sogar nur zwischen einem und zwei Prozent.

"Bauherren ziehen die Reißleine"

Die ifo-Forscher sehen ein ganzes Bündel von Faktoren für die aktuelle Entwicklung. Dazu gehören etwa die explodierenden Material- und Energiepreise, die zu deutlich höheren Baukosten führten. Aber auch die steigenden Finanzierungszinsen für Baukredite lassen immer mehr Bauherren von ihrem Projekt zurücktreten. "Für einige Bauherren ist das alles nicht mehr darstellbar. Sie stellen Projekte zurück oder ziehen ganz die Reißleine", so ifo-Experte Felix Leiss.

Entsprechend gesunken sind auch die Geschäftserwartungen der Unternehmen in der Branche. Sie sind laut ifo-Institut auf minus 53,2 Punkte gefallen, was "außergewöhnlich schwach" sei und dem niedrigsten Stand seit 1991 entspreche. "Die Unternehmen verfügen im Schnitt immer noch über große Auftragsreserven, aber die Zukunftssorgen waren selten so groß", heißt es dazu von den Forschern. Die Erwartungen notierten auf dem tiefsten Stand seit Beginn der Erhebung 1991.

Dass der Traum vom Eigenheim für immer mehr Deutsche immer schwerer zu realisieren ist, zeigt sich auch an der sinkenden Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen. So sagte Sparkassenpräsident Helmut Schleweis dem "Handelsblatt", dass die Nachfrage "von einem Tag auf den anderen eingebrochen" sei. Viele Projekte im Planungsstadium würden storniert. Ursache ist laut Schleweis eine Verunsicherung durch verschiedene Krisen und weiter steigende Materialkosten.

Bauzinsen immer höher

In den vergangenen Wochen sind die Bauzinsen deutlich gestiegen. Laut der Zeitschrift "Finanztest" sind sie inzwischen bei einer zehnjährigen Zinsbindung - mit einer üblichen Tilgungsrate von drei Prozent und einer 80-prozentigen Finanzierung - auf deutlich über drei Prozent gestiegen. Im Schnitt liegt der Zinssatz dafür bei 3,4 Prozent, so Finanztest. So teuer waren Hypothekendarlehen zuletzt im Jahr 2011.

Dass dennoch viele Häuslebauer ihr Bauprojekt weiterhin planen, zeigt andererseits die wieder steigende Beliebtheit von Bausparverträgen. Durch Bausparen kann ein vergleichsweise niedriger Kreditzins für ein Neubauprojekt, aber auch für eine energetische Sanierung festgeschrieben werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Oktober 2022 um 10:00 Uhr in den Nachrichten.