Einfamilienhaus  | Bildquelle: picture alliance / SvenSimon

Quote sinkt erstmals seit 1993 Noch weniger Deutsche im Eigenheim

Stand: 30.12.2020 16:02 Uhr

In keinem anderen EU-Land leben weniger Menschen in den eigenen vier Wänden als in Deutschland. Trotz niedriger Zinsen sinkt nun die Eigentumsquote sogar noch.

Von Till Bücker, tagesschau.de

Zum ersten Mal seit 1993 ist der Anteil der Haushalte, die in einem Eigenheim wohnen, gesunken. 2018 lag die Wohneigentumsquote bei lediglich 42 Prozent und damit ein Prozentpunkt niedriger als vor fünf Jahren, wie eine Analyse des Berliner Forschungsinsituts Empirica in Zusammenarbeit mit den Landesbausparkassen (LBS) ergab.

In keinem anderen Staat innerhalb der EU wohnten so wenig Menschen in der eigenen Immobilie wie hierzulande, schreibt die zur Sparkassenfinanzgruppe gehörende LBS am Mittwoch in einer Mitteilung. Zum Vergleich: An der Spitze in Europa liegt laut Statista Rumänien. In dem Land lebten demnach im vergangenen Jahr 95,8 Prozent der Einwohner in den eigenen vier Wänden.

Auch Großbritannien oder Frankreich kommen auf deutlich höhere Eigentumsquoten von mehr als 65 Prozent. Hinter Deutschland steht nach den Statista-Angaben nur die Schweiz - mit einer Quote von 42,5 Prozent.

Unterschiede zwischen Ost und West

Die Studie wird alle fünf Jahre erhoben und basiert auf der aktuellen Einkommens- und Verbraucherstichprobe des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2018. Dafür wurden rund 60.000 private Haushalte befragt.

Das Sinken der Wohneigentumsquote sei nicht ohne Unterschiede zwischen Ost und West zu erklären, betont die LBS. Zwar habe Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung kräftig aufgeholt, dieser Trend sei allerdings nun ins Stocken geraten.

Mit gut 36 Prozent habe die Wohneigentumsquote in den neuen Bundesländern im Jahr 2018 nach wie vor um einiges unter dem Wert im Westen (knapp 45 Prozent) gelegen. Die zuletzt schleppende Entwicklung sei aber nicht allein ein ostdeutsches Problem.

Nachwuchs-Eigentümer fehlen

Es fehle vor allem an Nachwuchs-Eigentümern, heißt es weiter. In ganz Deutschland sei der Anteil der 70- bis 79-Jährigen in Wohneigentum im Laufe der vergangenen 20 Jahre kräftig nach oben geklettert.

Der Grund ist laut LBS ein Generationeneffekt: Die westdeutschen Senioren von heute hatten es dank ihres Wohlstandsvorsprungs leichter als die Kriegsgenerationen, zu Wohneigentum zu kommen. Der Großteil wohne auch jetzt noch in einem Haus, das sie oftmals in den 1970er-Jahren gebaut haben.

Mit einer Wohneigentumsquote von 58 Prozent übertrafen die 70- bis 79-Jährigen 2018 alle anderen Altersgruppen in Westdeutschland. Bei den jüngeren Generationen sieht das anders aus: Etwa unter den 30- bis 39-Jährigen hätten lediglich 25 bis 30 Prozent eine eigene Immobilie.

Spätere Familiengründung und Landflucht

Auch verändernde Lebensumstände spielten bei der sinkenden Wohneigentumsquote eine Rolle, so die Studie. Zwei Drittel der Paare mit Kindern leben demnach in einem Eigenheim, kinderlose gleichaltrige Paare nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent. Singles bleiben eher Mieter, wie die Analyse zeigt.

Die Quote sei umso höher, je früher Familien gegründet werden, schreiben die Forscher von Empirica. Immer mehr junge Leute strebten allerdings eine höhere berufliche Qualifikation durch ein Studium an, zögen daher in die Städte und blieben dort länger.

Somit verschiebe sich das Gründen einer Familie weiter nach hinten, und das Mieterdasein verlängere sich. Auch die Hürden für Ersterwerber in teuren Städten seien höher geworden. Im Ergebnis schrumpfe der Nachwuchs potenzieller Käufer.

Zu wenig Eigenkapital für teure Städte

Der Immobilien-Kauf durch Familien scheitere vor allem daran, dass die Ersparnisse und das Eigenkapital nicht mit den Immobilienpreisen mithalten könnten, so die LBS. Trotz der Pandemie zogen die Preise für Häuser und Wohnungen nach Angaben des Statistischen Bundesamts von Montag so stark an wie seit knapp vier Jahren nicht mehr. Angesichts der anhaltend hohen Nachfrage kosteten sie zwischen Juli und September im Schnitt 7,8 Prozent mehr als im Vorjahr.

Zu einer Senkung der Nebenkosten beim Hauskauf trägt indes ein neues Gesetz bei, wonach Käufer von Immobilien nur noch höchstens die Hälfte der Maklercourtage zahlen müssen. Die Kosten werden nun zwischen Käufer und Verkäufer geteilt. Bisher übernahm oft der Käufer komplett die Maklerprovision, die sich je nach Bundesland unterscheidet. Die neuen Regeln gelten seit dem 23. Dezember.

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