Luftbild einer Neubausiedlung mit Ein- und Zweifamilienhäusern in Kiel | picture alliance/dpa

Häuser und Wohnungen Immobilienpreise steigen langsamer

Stand: 20.08.2021 16:23 Uhr

Während in Metropolen wie München die Kaufpreise für Wohnimmobilien immer neue Höhen erklimmen, scheint in Deutschland insgesamt der starke Anstieg vorerst gebrochen. Anders sieht es bei den Mieten aus.

Die Preise und Mieten für Eigenheime und Eigentumswohnungen sind auch im zweiten Quartal weiter gestiegen, doch die Dynamik lässt nach. Eine Studie des auf den Immobilienmarkt spezialisierten Hamburger Forschungsinstituts F+B beziffert den Anstieg im zweiten Quartal im Vorjahresvergleich zwar noch auf 3,2 Prozent. Das ist aber weniger als zuvor.

Grund sind den Experten zufolge die deutlich geringeren Preissteigerungen für Wohnungen und Häuser in den vergangenen Monaten. So verteuerten sich Eigentumswohnungen zum Vorquartal um 1,0 Prozent, Ein- und Zweifamilienhäuser sogar nur noch um 0,4 Prozent. Im Jahresvergleich legten die Wohnungen um 4,5 Prozent, die Häuse um 3,6 Prozent zu. "Das Eigentumssegment dämpft erstmals nach vielen Jahren die Entwicklung des Gesamt-Indexes", erklärte F+B-Geschäftsführer Bernd Leutner. Ob diese Entwicklung eine Trendumkehr darstelle, könne aktuell noch nicht sicher beurteilt werden, so die Autoren der Studie. "Deutlich wird aber auf jeden Fall, dass der deutsche Wohnungsmarkt in Bewegung ist", so Leutner.

München bleibt Spitzenreiter

Tatsächlich zeigt die seit zehn Jahren von F+B erstellte Rangliste der 50 teuersten deutschen Städte für Eigentumswohnungen ein sehr heterogenes Bild. Während sich die Preise in kleineren Orten im Osten Deutschlands und in Städten Nordrhein-Westfalens kaum bewegen oder sogar sinken, steigen sie in den sieben teuersten Metropolen weiter an. Doch auch hier gibt es laut F+B erste Hinweise darauf, dass die Schmerzgrenzen allmählich erreicht sind. Das gelte sowohl für das Münchner Umland als auch für die Stadt selbst, wo kürzlich die 15.000-Euro-Grenze pro Quadratmeter überschritten wurde.

Dennoch stiegen die Preise für Eigentumswohnungen in Baden-Württemberg und Bayern - hier besonders das Münchner Umland - weiterhin am schnellsten. So bleibt München mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 7190 Euro im zweiten Quartal der mit Abstand teuerste Immobilienstandort in Deutschland - gefolgt von den sieben Umlandgemeinden. Zu den Spitzenreitern bei den Immobilienpreisen in den Metropolen über 500.000 Einwohnern gehören ferner Frankfurt (5460 Euro), Hamburg (5280 Euro) und Stuttgart (5220 Euro). Allerdings werden in diesen Städten, ebenso wie in Berlin, auch Wohnungen weit über der Marke von 10.000 Euro pro Quadratmeter angeboten.

Dagegen haben sich die Preise in anderen Regionen und Städten Deutschlands etwas entspannt. In einigen bisher begehrten Orten wie Heidelberg, Garmisch-Partenkirchen und Konstanz wurden sogar Rückgänge verzeichnet. Insgesamt sind die Preise für Eigentumswohnungen und Eigenheime im zweiten Quartal in 13 der 50 teuersten Städten Deutschlands im Vergleich zum Vorjahresquartal gesunken.

Mieten ziehen wieder an

Ganz anders sieht es bei den Mieten aus. Hier verzeichnen die Experten von F+B nach einer rund zweieinhalbjährigen Stagnation wieder deutliche Steigerungen. So seien die Mieten im bundesweiten Durchschnitt vom ersten zum zweiten Quartal 1,1 Prozent teurer. Im Jahresvergleich habe die Wachstumsrate der Angebotsmieten noch bei 0,5 Prozent gelegen.

"Die zwischenzeitliche Entspannung bei der Corona-Pandemie im zweiten Quartal dieses Jahres führte offenbar zu einer erhöhten Nachfrage nach Mietwohnungen, die auf ein um 23 Prozent reduziertes Angebot in den Anzeigeportalen traf", so Leutner. Diese Lücke zwischen Angebot und Nachfrage habe zu der ungewöhnlich hohen Steigerungsrate bei den Angebotsmieten im Bundesdurchschnitt geführt. Damit hat sich der sanfte Rückgang in den vergangenen Quartalen wieder ins Gegenteil verkehrt.

Fast 17 Euro pro Quadratmeter

Die Bestandsmieten hätten sich bundesweit vom ersten zum zweiten Quartal zwar nur um 0,4 Prozent erhöht, im Vergleich zum Vorjahresquartal aber um 1,4 Prozent. "Auf Jahressicht wuchsen im Bundesdurchschnitt die Bestandsmieten immer noch deutlich stärker als die Neuvertragsmieten", so der F+B-Geschäftsführer.

Dabei bleibt München das teuerste Pflaster Deutschlands. Die Spitzenmieten in der Stadt liegen jetzt regelmäßig über der Marke von 30 Euro pro Quadratmeter. Auch bei den Neuvermietungsmieten stand München mit Marktmieten von durchschnittlich 16,60 Euro pro Quadratmeter für eine zehn Jahre alte, 75 Quadratmeter große und nicht möblierte Standardwohnung unverändert an erster Stelle.

Über dieses Thema berichtete NDR 1 Radio MV am 20. August 2021 um 12:00 Uhr.