Xiaomi 5G Smartphone in einem Schaufenster | picture alliance / NurPhoto

Sicherheitsbedenken Litauen warnt vor chinesischen Smartphones

Stand: 23.09.2021 11:23 Uhr

Haben Smartphones der Marken Huawei und Xiaomi Sicherheitslücken und eingebaute Möglichkeiten zur Zensur? Solche Vorwürfe der litauischen Regierung haben auch deutsche Politiker alarmiert - und Folgen an der Börse.

Eine Warnung der litauischen Regierung vor Sicherheitslücken und eingebauten Zensurfunktionen in chinesischen Smartphones hat politische Reaktionen auch in Deutschland ausgelöst.

Nach Angaben des staatlichen Zentrums für Cybersicherheit in der litauischen Hauptstadt Vilnius wurden die Sicherheitsrisiken bei einer Untersuchung von 5G-Smartphones der Hersteller Huawei und Xiaomi festgestellt. Zwei davon seien mit vorinstallierten Apps verknüpft, die anderen beiden trügen das Risiko des Verlusts personenbezogener Daten und möglicher Einschränkungen der Meinungsfreiheit, teilte die dem Verteidigungsministerium unterstellte Behörde mit.

Xiaomi-Aktie im Minus

Der SPD-Politiker Jens Zimmermann zeigte sich besorgt. "Die Entdeckungen der Behörden in Litauen sind alarmierend", sagte der digitalpolitische Sprecher seiner Bundestags-Fraktion dem "Handelsblatt". Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) müsse den Hinweisen nun rasch nachgehen und das Ausmaß der Gefährdung bewerten. Dafür sprach sich auch der CDU-Digitalpolitiker Tankred Schipanski aus. Die Warnung hatte zudem Folgen an der Böse: Aktien von Xiaomi gaben zwischenzeitlich um fast fünf Prozent nach.

Der litauischen Behörde zufolge besitzt das untersuchte Xiaomi-Gerät technisch die Fähigkeit, heruntergeladene Inhalte zu zensieren. Es könne Begriffe wie "Freies Tibet", "Es lebe die Unabhängigkeit Taiwans" oder "Demokratiebewegung" erkennen und blockieren, hieß es in der Mitteilung. Diese Funktion sei bei in Europa verkauften Handys deaktiviert, könne aber jederzeit aus der Ferne eingeschaltet werden.

Bei Huawei-Telefonen gebe es Bedenken in Zusammenhang mit dem offiziellen App-Store, der zu unsicheren Anbietern weiterleite, hieß es. Bei Geräten des Konkurrenten OnePlus, der über die Mutter Oppo zum chinesischen Elektronikkonzern BKK gehört, seien dagegen keine Sicherheitslücken entdeckt worden.

Minister empfiehlt Entsorgung

"Unsere Empfehlung ist, keine neuen chinesischen Telefone zu kaufen und die bereits gekauften so schnell wie möglich loszuwerden", sagte der stellvertretende Verteidigungsminister Margiris Abukevicius bei der Vorstellung des Berichts.

Insbesondere Xiaomi hatte in der jüngeren Vergangenheit seinen Marktanteil stark ausbauen können und dabei Apple überholt. Dabei hatte Xiaomi von den Sanktionen der US-Regierung unter Ex-Präsident Donald Trump profitiert, durch die Huawei den Zugang zu den Diensten von Google verloren hatte. Huawei hatte darauf mit der Vorstellung eines eigenen Betriebssystems reagiert.

Huawei wies die Vorwürfe zurück. "Benutzerdaten werden niemals außerhalb des Huawei-Geräts verarbeitet", teilte der litauische Vertreter des chinesischen Tech-Konzerns mit. Auch ein Sprecher von Xaomi sagte, sein Unternehmen halte sich an die Datenschutz-Regeln in der Europäischen Union: "Xiaomi hat und wird niemals persönliche Aktivitäten seiner Smartphone-Nutzer einschränken oder unterbinden."

Politischer Konflikt

Nach Angaben der litauischen Behörde wurden die drei Hersteller für die Studie ausgewählt, weil in öffentlichen Datenbanken Cybersicherheitsrisiken in deren Produkten identifiziert worden waren. In den baltischen Land haben rund 200 öffentliche Stellen Mobiltelefone der Unternehmen mit dem schnellen Mobilfunkstandard 5G erworben.

Die Beziehungen zwischen Litauen und China hatten sich in jüngster Zeit verschlechtert. China verlangte im vergangenen Monat, dass Litauen seinen Botschafter in Peking abzieht und kündigte an, seinen Gesandten in Vilnius zurückzurufen. Taiwan hatte zuvor angekündigt, seine diplomatische Vertretung in Litauen "Taiwanesisches Repräsentationsbüro" zu nennen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. September 2021 um 12:00 Uhr.