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Neue ifo-Studie zu Homeoffice Potenzial noch nicht ausgeschöpft

Stand: 03.03.2021 12:00 Uhr

In Deutschland könnten noch deutlich mehr Menschen im Homeoffice arbeiten. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des ifo-Instituts. Die Forscher sehen nun auch die Arbeitnehmer in der Pflicht.

Beinahe jeder dritte deutsche Arbeitnehmer hat im Februar von zu Hause aus gearbeitet - doch es könnten deutlich mehr sein. Das ifo-Institut in München kommt in einer aktuellen Studie auf eine Quote von 30 Prozent der Beschäftigten, die zumindest teilweise im Homeoffice waren.

Damit sei das Homeoffice-Potenzial aber "bei weitem nicht ausgeschöpft", kritisiert ifo-Forscher Jean-Victor Alipour, einer der Autoren der Studie. Denn bei 56 Prozent der Arbeitnehmer sei das Arbeiten von zu Hause zumindest teilweise möglich. "Die im Januar beschlossene Pflicht der Firmen zum Homeoffice, um die Corona-Ansteckungen zu verringern, ist deshalb bislang zum Teil verpufft."

Pflicht statt Bitte?

Um Corona zu bekämpfen und Öffnungen zu ermöglichen, sei es erforderlich, dass mehr Menschen im Homeoffice arbeiteten, schreiben die Autoren. Das könnte bedeuten, die Homeoffice-Pflicht auf die Arbeitnehmer auszudehnen.

"Aktuell gibt es in Deutschland lediglich die Bitte an die Arbeitnehmer, ein Angebot zum Homeoffice auch anzunehmen. Frankreich und Belgien hatten dagegen im Winter eine Pflicht zum Homeoffice auch für Arbeitnehmer ausgesprochen", sagt Alipour.

Frankreich und Belgien als Vorbild?

Tatsächlich müssen in Frankreich bereits seit dem 14. Oktober alle Beschäftigten, denen es möglich ist, zu Hause arbeiten. Belgien zog fünf Tage später nach.

Dahinter steckte allerdings weniger der Gedanke, dass sich die Beschäftigten massenhaft in den Betrieben infizieren. Es gehe vielmehr darum, während der Stoßzeiten überfüllte Busse und Bahnen zu verhindern, wie damals der belgische Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke betonte.

Steuerliche Anreize als Lockmittel

Die Forscher haben auch Ideen, wie die Arbeit von zu Hause für Arbeitnehmer und Arbeitgeber attraktiver gemacht werden kann: Sie denken dabei etwa an Belegungsobergrenzen für Büros, die Office-Arbeitsplätze für Unternehmen verteuern. Auch stärkere steuerliche Anreize für potenzielle Heimarbeiter seien denkbar.

Aktuell können Arbeitnehmer fünf Euro pro Tag im Homeoffice steuerlich absetzen. Die Gesamtsumme der pro Jahr für das Arbeiten im Home Office absetzbaren Beträge ist auf 600 Euro gedeckelt. "Dies ist nur zur Entlastung bei den Kosten gedacht, nicht aber als Anreiz", so ifo-Forscher Alipour.

Auf die Größe kommt es an

Die Homeoffice-Quote der Unternehmen unterscheidet sich dabei sowohl nach Wirtschaftssektor als auch nach Größe des Unternehmens. Bei den Branchen ist der Dienstleistungssektor vorn mit einem Homeoffice-Anteil seiner Beschäftigten von 40 Prozent. Im Großhandel sind es 24 Prozent, in der Industrie knapp 22 Prozent, auf dem Bau gut zehn und im Einzelhandel knapp zehn Prozent.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) haben der Studie zufolge wesentlich weniger auf Homeoffice umgestellt als Großunternehmen. So arbeite in der Industrie fast ein Drittel der Beschäftigten in Großunternehmen aktuell von zu Hause, bei den KMU sei es nur knapp ein Viertel. Das ist allerdings wenig überraschend, war das Homeoffice in großen Firmen doch schon vor Corona weitaus verbreiteter.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. März 2021 um 10:00 Uhr.