Heizungsanlage

Kundenansturm im Sommer Gas sparen durch Heizungswartung

Stand: 12.07.2022 08:18 Uhr

Eine Wartung der Heizung könne den Gasverbrauch um bis zu 15 Prozent senken, betont die Bundesnetzagentur. Wer mit einer optimal eingestellten Heizung in den Winter gehen will, muss sich aber bereits beeilen.

Von David Zajonz, WDR

Neue Kunden nehme er derzeit eigentlich nicht an, sagt Heizungstechniker Remigius Plötze aus Paderborn. Zu groß sei die Nachfrage: "Mit zwei, drei Monaten Vorlauf geht es vielleicht", so Plötze. Momentan seien die Kapazitäten seiner Firma aber ausgeschöpft. Bundesweit haben Heizungsbaubetriebe unter anderem wegen der steigenden Nachfrage nach Wärmepumpen viel zu tun.

David Zajonz

"Vielen fällt es erst in der Heizperiode ein"

Wer noch vor Beginn der kalten Jahreszeit einen Wartungstermin für seine Heizung bekommen will, muss sich also beeilen. Denn gerade die Sommermonate gelten als optimale Zeit, um die Heizung in Schuss zu bringen. "Die Wartung im laufenden Betrieb durchzuführen, ist schwieriger, weil die Heizung dann erstmal abkühlen muss", sagt Marc Schmitz, der in Köln einen Betrieb für Heizungstechnik leitet.

Dennoch rechnet Schmitz damit, dass die Kundennachfrage erst in den kommenden Monaten massiv steigen wird. "Vielen fällt es erst in der Heizperiode ein." Dann also, wenn es eigentlich schon fast zu spät ist: "Im Herbst kommt der große Run, das ist immer so", sagt Schmitz.

Mehr als zehn Prozent Einsparung möglich

In diesem Jahr dürfte der Ansturm besonders groß ausfallen. Denn die Gaspreise drohen nicht nur stark zu steigen, das Gas könnte sogar knapp werden. Die Optimierung der Heizungsanlagen ist deshalb ein wichtiges Element für die Versorgungssicherheit in Deutschland. 

Wenig überraschend also, dass unter anderem der Chef der für die Gasnetze zuständigen Bundesnetzagentur darauf dringt, die eigene Heizung möglichst bald überprüfen zu lassen: "Eine Wartung kann den Gasverbrauch um zehn bis 15 Prozent senken", so Netzagentur-Präsident Klaus Müller in einem Zeitungsinterview.

Hydraulischer Abgleich wichtig

Dabei geht es unter anderem um den hydraulischen Abgleich, durch den sichergestellt wird, dass an allen Stellen die optimale Wärmemenge durch die Heizungsanlage fließt. Andere kleinere Eingriffe sind beispielsweise die Reinigung des Heizkessels oder die Dämmung von Rohren.

Bei alten Pumpen lohne sich die Wartung besonders, sagt der Paderborner Heizungstechniker Plötze: "Die Heizungspumpen sollten durch elektronische Pumpen ausgetauscht werden." Anders als bei Wärmepumpen, bei denen die Lieferzeit viele Monate beträgt, seien Ersatzteile für Heizkessel noch gut erhältlich, so der Heizungstechniker.

Vermieter müssen Modernisierung nicht bezahlen

Für Mieter könnte jedoch der mögliche Interessenskonflikt mit ihrem Vermieter zum Problem werden. Während die Mieter von einem niedrigeren Energieverbrauch profitieren, fallen die Modernisierungskosten beim Vermieter an. "Hart formuliert muss es den Vermieter nicht interessieren, ob die Heizung effizient läuft", sagt Reinhard Loch, Energieexperte bei der Verbraucherzentrale NRW.

Die Kosten für die reguläre Wartung können auf den Mieter umgelegt werden. Anders sieht es bei Modernisierungsmaßnahmen aus, weshalb manche Vermieter kaum Interesse daran haben: "Da kann der Mieter nichts machen, er kann den Vermieter nicht zwingen." Mietern bleibe also nur, das Gespräch mit ihren Vermietern zu suchen und sie beispielsweise von der Sinnhaftigkeit einer neuen Heizungspumpe zu überzeugen.​