Ein Füllstandsanzeiger für den aktuellen Ölstand im Heizöltank im Haus. | picture alliance / Fotostand

Steigende Preise Wenn sich der Heizöl-Tank leert

Stand: 24.06.2022 08:27 Uhr

Der Ukraine-Krieg lässt die Energiepreise steigen. Viele Hausbesitzer fragen sich, wann sie am besten den Öltank ihrer Heizung auffüllen sollten. Den richtigen Zeitpunkt zu finden, ist schwierig.

Von Jens Eberl, WDR

Im Mai war die Nachfrage nach Heizöl riesig, denn zu dieser Zeit wurde intensiv über das Ölembargo gegen Russland diskutiert. Viele Verbraucher wollten sich noch rechtzeitig eindecken, bevor die Preise durch die Decke gehen, berichtet der Geschäftsführer des Vergleichsportals Heizoel24, Oliver Klapschus.

Doch inzwischen sei die Nachfrage eingebrochen. Der Markt liefere aktuell kaum noch einen Kaufanreiz. "Grund sind die weiter gestiegenen Heizölpreise und das verbreitet schöne Sommerwetter. Die Zahl der Marktbeobachter bleibt allerdings außergewöhnlich hoch", so Klapschus. Verbraucherinnen und Verbraucher beobachten also aufmerksam das Geschehen, teils mit der Sorge, ob sie sich das Öl noch leisten können.

Viele Faktoren beeinflussen den Preis

Den richtigen Moment und damit den richtigen Preis zu finden, sei sehr schwer, sagt Christina Wallraf, Referentin Energiemarkt bei der Verbraucherzentrale NRW. Der Ukraine-Krieg sei ein wesentlicher Grund für die aktuell sehr hohen Preise, aber es gebe noch viele weitere Aspekte, die den Preis bestimmten.

"Die Anhebung der Zinsen der US-Notenbank führte dazu, dass die Rohölpreise nach unten gingen. Inflations- und Rezessionssorgen wirken sich preisdrückend aus", so Wallraf. Dennoch sei der Ölmarkt weiterhin unterversorgt, und das werde er voraussichtlich auch die nächsten Monate bleiben. "Hauptgrund sind die Sanktionen gegen Russland. Aber auch die OPEC-Gruppe liefert gerade weniger Öl als geplant."

Zudem wirke sich Russlands Verknappung der Gaslieferungen auch auf die Ölpreise aus. Viele Betriebe stellten von Gas auf Öl oder Gasöl um, was die Nachfrage nach Öl und somit die Preise treibe, so die Expertin der Verbraucherzentrale. Ein preissenkender Faktor könnten möglicherweise die erneut verkündeten Lockdowns in China sein.

Auch Währungskurse bestimmen den Preis

Oliver Klapschus von Heizoel24 nennt noch einen weiteren Aspekt, der die Preise beeinflusst. "Öl wird in Dollar gehandelt und ist aufgrund der anhaltenden Euro-Talfahrt in Europa besonders teuer." Die Gemeinschaftswährung bewege sich aktuell im Bereich eines Fünf-Jahres-Tiefs gegenüber dem US-Dollar, was Ölimporte zusätzlich verteuere. "Die starken Zinserhöhungen durch die Fed in den USA und das zögerliche Handeln der EZB in Europa dürften dem Dollar weiter Auftrieb geben und den Euro abwerten", so Klapschus.

Wie sich die Preise entwickeln, sei sehr spekulativ, sagt Klaus Bergmann, geschäftsführender Gesellschafter beim Vergleichsportal esyoil. "Eine einsparungswirksame Handlungsempfehlung für Verbraucher lässt sich daher nicht ableiten. Sie hängt ohnehin immer von den individuellen Bedingungen ab. Dabei ist der Füllgrad des Tanks die wesentliche Komponente", so Bergmann.

Starke Schwankungen zu erwarten

Die Verbraucherzentrale rät, die Preise zu beobachten. Für die kommenden Monate gibt es unterschiedliche Einschätzungen von Analysten und Experten. Die Preise im Herbst können nicht seriös vorausgesagt werden. Christina Wallraf geht für die kommenden Wochen von stark schwankenden Preisen aus. "Das bietet die Chance, bei etwas niedrigeren Preisen zu kaufen. Verbraucher sollten sich die Preise mehrerer Händler einholen, da es zum Teil deutliche Preisunterschiede geben kann. Eine Bestellung mit Nachbarn kann wenige Prozentpunkte Ersparnis bringen", so die Tipps der Energieexpertin.

Klapschus empfiehlt Verbrauchern, sich ein Stück weit auf ihr Bauchgefühl zu verlassen, aber auch die Fakten nicht zu ignorieren und die aktuellen Nachrichten zu verfolgen. "So oder so gilt es, nicht in Panik zu verfallen. Die Versorgungssituation beim Öl ist durchaus komfortabler als beim Gas. Die Transportlogistik in Richtung Nord-, West- und Südeuropa ist leistungsfähig. Kunden sind entsprechend besser vor Preisexplosionen und Versorgungsengpässen geschützt", so Klapschus.

Mit System spekulieren

Wer auf günstigere Preise spekuliert, sollte dies mit System tun, so seine Empfehlung. "Das bedeutet, einen oberen Preis, beispielsweise bei 1,60 Euro pro Liter zu definieren und die 'Notbremse' zu ziehen, sobald dieser überschritten wird. Nach unten hin gilt es, einen Zielpreis zu setzen, zum Beispiel 1,20 Euro pro Liter, zu dem man sich bevorraten will", so Klapschus. Im Internet gibt es verschiedene Vergleichsportale wie Heizoel24, Esyoil, Fastenergy oder Brennstoffboerse.

Wichtig für die Spekulation sei es auch, sich ein Zeitfenster zu setzen. "Hier gilt die Faustregel: Bis zum Ende der Sommerferien handeln. Danach ist Hochsaison und steigende Preise und Lieferfristen sind vorprogrammiert", so Klapschus.

Bergmann von esyoil empfiehlt allen Unentschlossenen: "Wenn Sie Heizöl benötigen, sollten Sie präventiv kaufen. Es muss ja keine komplette Füllung des Tanks sein:" Man könnte also eine Teilmenge jetzt bestellen und dann im Winter wieder aktiv werden.  

Und die weitere Ölpreisentwicklung? Die hängt von den Konjunktur- und Währungsrisiken ab, außerdem stark von der Situation im Osteuropa - und dem Fortgang des Ukraine-Kriegs.

Über dieses Thema berichteten Deutschlandfunk am 02. Juni 2022 um 17:09 Uhr und das ARD-Morgenmagazin am 24. Juni 2022 um 05:43 Uhr.