Ein Monteur kontrolliert eine ältere Heizungsanlage. | picture alliance / dpa

Überlastete Handwerker Langes Warten auf den Heizungscheck

Stand: 03.12.2022 16:18 Uhr

Regelmäßig gewartete Heizungen verbrauchen weniger Energie. Inzwischen ist eine Prüfung sogar verpflichtend. Doch Heizungsbetriebe sind voll ausgelastet. Die Folge sind teils monatelange Wartezeiten.

Von Chiara Fürst, rbb

Alexander Kreutner ist Heizungsbauermeister und Geschäftsführer eines Sanitär- und Heizungsbetriebs in Duisburg. Die Auftragslage ist wie in den meisten Heizungsbetrieben höchst angespannt. "Der Auftragseingang übersteigt in hohem Maße das, was die betrieblichen Kapazitäten hergeben", so sagt es Kreutner.

Anke Hahn

Hohe Zuschüsse für neue Heizsysteme

Ein Grund: Der Umstieg auf eine moderne Heizungsanlage ist seit dem 2020 verabschiedeten Klimapaket ziemlich attraktiv. Wer sich für eine Heizung entscheidet, die vollständig oder anteilig mit erneuerbaren Energien betrieben wird, kann Förderprämien beantragen.

Der Wechsel von einer Ölheizung zur Wärmepumpe wird vom Bund besonders stark bezuschusst. Der Heizungsmarkt wächst seitdem kontinuierlich. Zusätzlich sorgt der extreme Anstieg der Gaspreise dafür, dass immer mehr Menschen ihre Heizungen optimieren oder gar austauschen lassen wollen.

Neue Regeln ab 2024

Zusätzlich sind Privathaushalte und Unternehmen auch von Seiten des Staates angehalten, Heizenergie zu sparen. "Der mittel- und langfristige Königsweg zur Einsparung von Brennstoff und Kosten ist bei jeder Art von Heizung eine möglichst zeitnah gewartete und optimierte Anlage", so Helmut Bramann, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK). Eigentümerinnen und Eigentümer von gasbetriebenen Anlagen sind gesetzlich verpflichtet, ihre Heizungen überprüfen und bei Bedarf innerhalb der nächsten zwei Jahre austauschen zu lassen.

Im Jahr 2024 wird zudem ein neues Gebäudeenergiegesetz in Kraft treten. Es sieht vor, dass neue Heizungen mit einem Mindestanteil von 65 Prozent von erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Die Nachfrage nach modernen Heizungsanlagen, insbesondere der Wärmepumpe, wird dementsprechend weiter zunehmen.

Bis zu 18 Wochen Wartezeit im Schnitt

Dabei ist die Überlastung der Betriebe nicht neu: Im Bundesdurchschnitt sei schon seit längerer Zeit mit einer Wartezeit von 14 bis 18 Wochen zu rechnen, erklärt Frank Ebisch vom ZVSHK. Das Warten sei abhängig vom Auftrag: Eine vollständige Heizungssanierung habe einen längeren Vorlauf als etwa eine Heizungsoptimierung oder eine Wartung.

Nun aber kämpfen die Handwerker auch noch mit anhaltenden Lieferengpässen und der Verteuerung von Materialien. Diese schwankenden Kosten führen dazu, dass die Installateure aufwändig nachkalkulieren müssen. Das dauert und ist nur etwas für Fachkräfte. Deren Mangel zeigt sich in dieser Situation deutlich.

Enge Bindung an einen Betrieb hilft

Die Betriebe empfehlen, sich frühzeitig um Beratungstermine zu kümmern. Bei akuten Heizungsausfällen werde trotz hoher Auslastung schnellstmöglich gehandelt. Ansonsten müsse leider mit längeren Wartezeiten gerechnet werden. Die Innung Sanitär Heizung Klima Berlin appelliert seit Jahren an Eigentümer, für den Ernstfall eine enge Beziehung zum Fachhandwerk des Vertrauens zu pflegen. Generell gilt: Je früher man sich um einen Beratungstermin kümmert, desto eher folgt auch ein Umsetzungstermin.

Peter Küpper, Heizungsbetriebsleiter in Bonn, rät sogar zu einer ganzheitlichen Energieberatung. Bevor eine neue Heizung gekauft werde, solle das Gebäude ganzheitlich auf Energieeffizienz überprüft werden. Küpper sieht auch eine Riesenchance für die Branche: "Noch nie zuvor war so viel los auf dem Heizungsmarkt. Wir können die Energiewende jetzt praktisch umsetzen." Es bestehe jedoch Handlungsbedarf beim Thema Weiterbildung. Außerdem müsse der Beruf für die junge Generation attraktiver gemacht werden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. September 2022 um 13:59 Uhr.