Ein Maurer trägt auf einer Baustelle Klebemörtel auf eine Wand auf. | dpa

Bauboom und Lieferprobleme Zehn Wochen warten auf den Handwerker

Stand: 03.08.2021 09:29 Uhr

Wer einen Handwerker braucht, muss sich wegen der momentanen Lieferengpässe auf noch längere Wartezeiten einstellen - so der Zentralverband der Branche. Vor allem Häuslebauer und Renovierer sind betroffen.

Der Bauboom und die Materialengpässe haben längere Wartezeiten für Kunden von Handwerksbetrieben zur Folge - und höhere Preise. "Nicht nur Holz ist derzeit knapp und teurer, sondern alles, was man braucht, um ein Haus zu bauen oder zu renovieren und vieles mehr. Auch elektronische Teile für unsere Elektroniker und Kabel und all das fehlt", sagte Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, der Nachrichtenagentur dpa. "Das macht unseren Betrieben in diesen Bereichen im Moment ganz schwer zu schaffen",

Wollseifer warnte vor einem Einbruch des privaten Wohnungsbaus. "Kunden müssen inzwischen wegen der Lieferengpässe noch länger auf einen Handwerker warten, auch wenn das natürlich von Fall zu Fall unterschiedlich ist", sagte Wollseifer. "Unsere Betriebe tun da gerade ihr Bestes, damit sich das nicht oder nur in Maßen auf Kundenseite auswirkt."

Engpässe bei Metallen, Kunststoffen, Schrauben und Chips

Im gesamten Handwerk liege die durchschnittliche sogenannte Auftragsreichweite derzeit bei 8,8 Wochen, so Wolseifer. Dieser Wert gibt an, wie lange der aktuelle Auftragsbestand der Betriebe noch ausreicht. "Im Bau- und Ausbaubereich jedoch ist es so, dass man aktuell mit mindestens zehn und manchmal sogar bis zu 15 Wochen rechnen muss, bis ein Auftrag begonnen und abgearbeitet wird."

Vor allem dieser Bereich drohe durch die Materialknappheit und den Preisanstieg in eine Krise zu schlittern, sagte der Handwerkspräsident. "Erhebliche Engpässe sehen wir nach wie vor bei bestimmten Metallen und Kunststoffen, zudem melden die Betriebe uns, dass auch Vorprodukte wie Schrauben langsam knapp werden."

Auch in den nächsten Monaten werde die Versorgung mit Halbleiterprodukten problematisch bleiben, was vor allem das Elektrohandwerk belaste. "Bauen wird teurer werden", sagte Wollseifer. Er könne keine genaue Zahl nennen. "Aber wir haben bei den verschiedenen Materialien in den letzten drei bis fünf Monaten Materialteuerungen von 20 bis 30 Prozent gehabt - bis hin zur Verdreifachung des Materialpreises bei einzelnen Gütern."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. August 2021 um 06:36 Uhr.