Sendungsbild

Gas-Frühwarnstufe Habeck ruft zum Energiesparen auf

Stand: 30.03.2022 20:08 Uhr

Noch sind die Speicher voll genug, aber das muss nicht so bleiben. Nachdem Wirtschaftsminister Habeck die Gas-Frühwarnstufe verkündet hat, ruft er nun zum Sparen auf. "Jeder Kubikmeter Gas, der nicht verfeuert wird, hilft", sagte er in den tagesthemen.

Vor dem Hintergrund drohender Ausfälle der russischen Gaslieferungen hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck im Interview mit den tagesthemen massive Anstrengungen zum Energiesparen gefordert. Die Speicher seien ausreichend gefüllt für Frühjahr und Sommer dieses Jahres. Die Frage sei, ob dies auch im kommenden Winter der Fall sei.

Nachdem am Morgen die Gas-Frühwarnstufe ausgerufen wurde, betonte Habeck, dies sei eine Vorsorgemaßnahme, wies jedoch darauf hin: "Wir müssen alles tun, um bereit zu sein, um auch Störungen im Netzbetrieb oder unterbleibende Gaslieferungen sofort mitzubekommen und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Aber das Gas fließt und wir haben keinen Versorgungsengpass."

"Reduktion ernst nehmen und Verbräuche runterbringen"

Damit es nicht erst dazu kommt, sagte er: "Da können wir jetzt alle einen Beitrag leisten: Wir als Regierung natürlich, indem wir uns bemühen, mal richtig Geschichte zu schreiben und nicht deutsche Bräsigkeit walten lassen - und die Pipelines bauen, die Terminals bauen, Gas einkaufen, die Regelwerke machen, die Effizienzkriterien in die Gesetze schreiben, das Geld bereitstellen für die Gebäudesanierung und den Austausch von Öl- und Gaskesseln. Das ist also mein Job, das ist unser Job."

Doch auch alle anderen Bürgerinnen und Bürger, die Unternehmerinnen und Unternehmer könnten dazu beitragen, indem sie jetzt die Gas- und die Öl-Verbrauche zurückfahren würden. "Jeder Kubikmeter Gas, der nicht verfeuert wird, hilft. Die Preise sind hoch, ich gehe nicht davon aus, dass das im Moment verschwendet wird." Mit den Zuflüssen, die Deutschland über LNG bekomme, könnten die Gasspeicher über den Sommer aufgefüllt werden, so Habeck. "Aber dazu müssen wir die Reduktion ernst nehmen und die Verbräuche runterbringen in Deutschland."

Letzte Konsequenz: Mengenverteilung

Erst in letzter Konsequenz würde die Bundesnetzagentur in den Markt eingreifen und Mengen verteilen. Dann würden bestimmte Regionen oder Industriekomplexe nicht mehr so versorgt werden, wie sie es gewohnt sind, erklärte Habeck. "Da sind wir noch lange nicht. Allerdings heißt es natürlich, dass wir uns auf alle Szenarien vorbereiten."

Sollte es zum Eintreten der Notfallstufe kommen, greifen gesetzliche Kriterien, erklärte Habeck. Endverbraucher, soziale Einrichtungen wie zum Beispiel Krankenhäuser und systemrelevante Kraftwerke seien die Letzten, die abgeschaltet würden. "Sie würden so lange versorgt, wie Gas da ist." Man sei für jeden Schritt gewappnet, so der Minister. "Aber wir tragen die konkreten Schritte nicht in die Öffentlichkeit, sondern wir tun sie dann, wenn sie anstehen."