Luftaufnehme von Einfamilienhäusern in einem Kölner Neubaugebiet. | dpa

Ländervergleich Wer zahlt wie viel Grundsteuer?

Stand: 11.05.2021 14:35 Uhr

Der Eigentümerverband Haus & Grund hat ausrechnen lassen, wo in Deutschland wie viel Grundsteuer fällig wird. Die lokalen Unterschiede sind groß - und Berlin spielt in einer eigenen Liga.

Von André Kartschall, RBB

Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus werden in Deutschland rund 478 Euro an Grundsteuer pro Jahr fällig - im bundesweiten Schnitt. Doch die Unterschiede zwischen den Kommunen sind teils sehr groß. Das ist das Ergebnis einer Studie, die der Eigentümerverband Haus & Grund in Auftrag gegeben hat.

Andre Kartschall

Vergleich anhand eines Musterhauses

Da die Grundsteuer von den Städten ganz unterschiedlich erhoben wird, hat die mit der Untersuchung beauftragte IW Consult GmbH aus Köln die 100 größten deutschen Städte anhand eines Musterhauses verglichen. Die Daten sind relativ aktuell, denn sie wurden bis einschließlich Februar dieses Jahres erhoben.

Das Ergebnis: Die Unterschiede in der Steuerlast sind selbst innerhalb eines Bundeslandes teils deutlich. Am günstigsten kamen Grundstückseigentümer in Gütersloh in Nordrhein-Westfalen davon, mit im Schnitt 323 Euro. Im selben Bundesland wird auch die höchste Grundsteuer erhoben: In Witten sind es 771 Euro.

Je ärmer die Kommune, desto höher die Grundsteuer

Die Forscher sehen auch einen Zusammenhang zwischen der finanziellen Situation einer Kommune und der jeweiligen Grundsteuerlast für ihre Bürger. Tendenziell gelte: Je klammer eine Stadt sei, desto höher fielen die Abgaben aus.

Ein aktuelles Beispiel für die These: Offenbach am Main. Aufgrund der hohen kommunalen Schulden erhöhte das Stadtparlament den Hebesatz zwischenzeitlich um 295 Prozentpunkte. Nun belegt Offenbach den zweiten Platz im Ranking der teuersten Städte, was die Grundsteuer anbelangt.

Die meisten Kommunen erhöhen die Steuer

Bereits 2018 hatte Haus & Grund die Untersuchung durchführen lassen. Wittener hatten damals wie heute die höchsten Abgaben zu zahlen. In den vergangenen drei Jahren hätten zwölf Städte die Grundsteuer erhöht, während lediglich drei sie gesenkt hätten.

Ein Blick auf die Bundesländer zeigt ebenfalls deutliche Unterschiede. So liegen nur die untersuchten Städte in Rheinland-Pfalz im Durchschnitt unter der 400-Euro-Marke. Darüber findet sich der Großteil der Länder. Einsamer Spitzenreiter aber ist Berlin mit einer errechneten Steuerlast von 686 Euro. Abgeschlagen auf dem zweiten Platz findet sich Bremen - mehr als 100 Euro darunter.

Mieter zahlen die Grundsteuer mit

Die Grundsteuer hat auch Auswirkungen auf Menschen, denen selbst kein Wohneigentum gehört. Denn über die Nebenkosten wird sie auf die Miete umgelegt.

Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts wurde die Gesetzesgrundlage vor anderthalb Jahren reformiert. Derzeit werden alle Grundstücke in Deutschland neu bewertet - und von 2025 an steuerlich neu veranschlagt. Doch auch danach haben die Bundesländer noch die Möglichkeit, Sonderregelungen einzuführen. Damit ist auch die Möglichkeit gegeben, dass die Unterschiede weiter groß sein könnten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Mai 2021 um 18:40 Uhr.