Kontoauszüge

Gebühren der Banken Gratiskonten werden immer seltener

Stand: 16.08.2021 10:15 Uhr

Wer nach einem kostenlosen Girokonto sucht, wird kaum noch fündig. Immer häufiger knüpfen die Banken das Gratiskonto an Bedingungen. Die Fachleute von "Finanztest" konnten nur noch 14 Angebote aufspüren.

Kreditinstitute knüpfen laut Stiftung Warentest zunehmend Bedingungen an kostenlose Girokonten. Immer mehr Konten seien nur noch dann gratis, wenn monatlich ein bestimmter Geldbetrag darauf eingehe, heißt es in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Finanztest". "Auffällig ist, dass Gebühren erhöht werden, eingeführt werden oder kostenlose Konten mit Bedingungen verknüpft werden, beispielsweise einem monatlichen Geldeingang", sagte "Finanztest"-Expertin Heike Nicodemus.

Insgesamt fanden die Tester bei der Auswertung von 380 Kontomodellen bei insgesamt 152 Banken und Sparkassen nur 14 Konten, die ohne Bedingungen kostenlos waren. Vor einem Jahr waren es noch 20 Gratiskonten.

70 Prozent Marktabdeckung

Als kostenlos definiert die Stiftung Warentest: keine Grundgebühr, keine Gebühr für Kontoauszug, Buchungen, Girocard und beim Geldabheben am Automaten im eigenen Bankenpool. Auch Bedingungen wie regelmäßiger Geld- und Gehaltseingang in einer bestimmten Höhe darf es nicht geben, um in der Übersicht berücksichtigt zu werden.

Die Stiftung Warentest, die in staatlichem Auftrag eine kostenlose Webseite zum Girokontenvergleich betreibt, wertete die Konditionen von Girokonten mit Gültigkeit bis 31. August aus. Untersucht wurden alle bundesweiten Finanzhäuser sowie Direkt- und Kirchenbanken, alle Sparda- und PSD-Banken sowie die größten Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken je Bundesland. Sie decken den Angaben zufolge etwa 70 Prozent des Marktes ab.

Versteckte Informationen

Neben den 14 Gratiskonten hat "Finanztest" weitere 90 Konten gefunden, die einschließlich Girocard und allen Buchungen nicht mehr als 60 Euro im Jahr kosten. Sie sind aus Sicht der Experten günstig. "So viel darf ein Konto kosten, denn die Bank wickelt Buchungen ab, stellt Geldautomaten und sichere Technik für das Onlinebanking bereit", heißt es in "Finanztest".

Finanzhäuser versuchen seit Jahren die Gebühreneinnahmen zu erhöhen. Niedrigzinsen setzen die Institute unter Druck. Zudem müssen die Geldhäuser 0,5 Prozent Negativzinsen zahlen, wenn sie bei der Europäischen Zentralbank Geld parken. Auch wenn es inzwischen Freibeträge für bestimmte Summen gibt, klagt die Branche über Milliardenbelastungen.

"Generell drehen die Kreditinstitute an verschiedenen Stellschrauben, so dass die Erhöhungen nicht so auffallen", sagte die Expertin Nicodemus. Tendenziell würden Überweisungen in Papierform teurer, ebenso Kreditkarten. Problematisch sei, dass die Entgeltinformationen auf den Internetseiten der Institute oft sehr versteckt seien.

Kunden können Gebühren zurückfordern

Gebührenerhöhungen hatte der Bundesgerichtshof zuletzt insofern Grenzen gesetzt, als Banken bei Änderungen von Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) die Zustimmung ihrer Kunden einholen müssen. Die Klausel, wonach Geldhäuser von einer stillschweigenden Zustimmung ausgehen können, wenn Kunden einer Änderung nicht binnen zwei Monaten widersprechen, benachteilige Kunden unangemessen, hatte das Gericht im April entschieden.

Kreditinstitute müssen Kunden nun im Nachhinein um Zustimmung zu den aktuellen Gebühren bitten. Zudem können Bankkunden Gebühren, die Institute ohne explizite Einwilligung erhoben hatten, zurückfordern - nach erster Einschätzung der Stiftung Warentest rückwirkend bis mindestens zum 1. Januar 2018.

Allerdings rechnet sie damit, dass die meisten Institute die Kontogebühren nicht freiwillig zurückzahlen dürften. Verbraucherschützer haben für diesen Fall bereits mit einer Klage gedroht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Februar 2020 um 11:36 Uhr in der Sendung "Umwelt und Verbraucher".

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Moderation 16.08.2021 • 18:01 Uhr

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