Eine Krankenschwester eines mobilen Test-Teams steckt während einer Corona-Testung ein Teststäbchen in die Flüssigkeit eines Schnelltests.

Teststellen erwarten Andrang Corona-Tests sind wieder gratis

Stand: 13.11.2021 03:30 Uhr

Von heute können sich alle wieder kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Verbliebene Teststellen fahren ihre Kapazitäten hoch und kritisieren den Schlingerkurs der Regierung.

Von Philipp Wundersee, WDR

Markus Wendler sitzt in seinem Büro in Bielefeld, vom Telefon kommt er heute nicht weg. "Dieses politische Hin und Her ist einfach zu dynamisch. Wir müssen jetzt die Kapazitäten für unsere Testzentren voll hochfahren", sagt er. "Das wird ein ziemliches Chaos geben." Der Unternehmer betreibt in Bielefeld und Osnabrück sieben Testzentren. "Wir mussten Personal reduzieren, als die Tests nicht mehr kostenlos waren und die Resonanz abnahm. Aber wir wollten die Infrastruktur mit unseren Zentren möglichst weiter laufen lassen."

Philipp Wundersee

Es habe Tage gegeben, erzählt Wendler, da habe er große Verluste eingefahren, weil so wenig getestet wurde. Vor allem die jungen, ungeimpften Menschen kämen kaum noch zum Testen. Deshalb hatte er schon zwei weitere Teststationen geschlossen. Das lohnte sich einfach nicht mehr.

Seit dem 11. Oktober waren Corona-Tests in Deutschland in der Regel kostenpflichtig. Ein Blick auf die Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) macht klar, wie schnell die Auslastung der Zentren zurückging. Die KV Westfalen-Lippe hatte im August für 41 Millionen Euro Tests abgerechnet, im September waren es noch 28 Millionen Euro, im Oktober dann weniger als 270.000 Euro.

Gratis Corona-Schnelltests für alle

Vom 13. November 2021 an haben wieder alle Menschen in Deutschland Anspruch auf kostenlose Corona-Schnelltests in anerkannten Teststellen. Die am Tag zuvor in Kraft getretene Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums weitet damit das Angebot der Gratis-Tests wieder erheblich aus, das einen Monat zuvor stark eingeschränkt worden war.

Auf Basis der Neuregelung haben alle Bürgerinnen und Bürger Anspruch auf mindestens einen Antigen-Schnelltest (PoC-Test) pro Woche durch geschultes Personal. Das gilt unabhängig vom Impf- oder Genesenenstatus der Personen. Um das Angebot zu ermöglichen, sollen bestehende Teststellen die Arbeit fortsetzen. Die Bundesländer können zudem nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums weitere Testzentren mit der Durchführung der Bürgertests für alle beauftragen.

Andrang bei Testzentren erwartet

Wendler macht mit einem Test zwei bis drei Euro Gewinn. Da kommen schnell mehrere 10.000 Euro zusammen. Doch dafür muss der Geschäftsmann, der seit 30 Jahren im Gesundheitswesen arbeitet, auch 470 Beschäftigte bezahlen: Ärzte, Studierende, Krankenschwestern, die bei ihm bis zu 20 Euro pro Stunde bekommen. Die muss er jetzt kurzfristig wieder suchen, einteilen und einarbeiten.

"Wir stellen uns darauf ein, dass wir großen Andrang haben werden und viel Unsicherheit bei den Bürgerinnen und Bürgern herrscht", sagt Wendler. "Wir appellieren an alle, mit Geduld zu den Testungen zu kommen. Das Nadelöhr sind unsere Mitarbeiter und Qualität kostet eben Zeit."

Bundesregierung will Testzahl deutlich steigern

Betreiber wie er, die derzeit Testungen vornehmen, sollen laut Gesundheitsministerium ihre Tätigkeit fortsetzen können. Zusätzlich sollten aber nun auch Sanitätshäuser oder Drogerien beauftragt werden. Erforderlich seien deutlich mehr Tests, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn diese Woche in Berlin. Wie angekündigt, soll das vor vier Wochen stark eingeschränkte Angebot mit Gratis-Schnelltests durch geschultes Personal samt Bescheinigung nun wieder für alle kommen.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, nennt die zwischenzeitliche Abschaffung der kostenlosen Tests im Oktober "eine der dümmsten Entscheidungen in der Pandemie". Auch Wendler kritisiert den politischen Kurs: "Es ist eine unfassbare Kurzsichtigkeit der Politik und anderen Redenschwingern. Vor drei Wochen wurde vom Freedom Day gesprochen. Nun müssen wir spontan agieren, um weiterhin eine gesicherte, qualifizierte Testung umzusetzen."

Betreiberinteresse an neuen Testzentren unklar

200 Kilometer von Bielefeld entfernt blickt Katja Reuter von der Stadt Köln entspannt auf die Situation der Testzentren in ihrer Stadt. "Wir haben in den letzten Wochen konstant 620 Testzentren gehabt im Stadtgebiet. Die meisten davon sind Arztpraxen und Apotheken", sagt die Pressesprecherin. "Es haben sich bislang noch keine neuen Anbieter angekündigt und um eine Prüfung gebeten."

In der Spitze gab es in Köln rund 800 Stellen, an denen Tests durchgeführt wurden. Einige private Anbieter hätten allerdings schließen müssen, weil es sich nicht gerechnet hat. Am Ende müssten die Kommunen und die Anbieter vor Ort das ausbaden, was in Berlin entschieden würde, kritisiert Wendler. "Bei uns gilt: Sicherheit und Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit. Das würde ich mir auch von der Politik wünschen."

Über dieses Thema berichtete am 13. November 2021 tagesschau24 um 09:00 Uhr und BR24 um 09:33 Uhr.