Online-Banking mit dem Laptop

Giropay Einheitlicher Bezahldienst startet

Stand: 10.05.2021 10:38 Uhr

Mit Giropay können Kunden künftig beim Online-Shopping unabhängig von ihrem Bankkonto einkaufen. Ab Montag bieten die deutschen Banken und Sparkassen schrittweise einen einheitlichen Bezahldienst an.

Die Banken und Sparkassen in Deutschland machen einen weiteren Schritt hin zur Vereinheitlichung ihrer Online-Bezahlverfahren und starten damit einen Großangriff auf den US-Konkurrenten PayPal. Von heute an führen die Institute nach und nach ihre Online-Bezahlangebote Paydirekt, Giropay und Kwitt unter der Marke Giropay zusammen.

"Wir machen das Girokonto zur Drehscheibe", sagte Joachim Schmalzl, Mitglied im Vorstand des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), der Nachrichtenagentur dpa. "Die Kunden wollen mehr Transparenz über ihre Zahlungsvorgänge haben - egal ob sie beim Einkaufen im Internet bezahlen oder ihren Freuden per App Geld überweisen."

Kwitt und Paydirekt werden zu Giropay

In einer mehrmonatigen Übergangsphase sollen die Verbraucher an die neue Marke herangeführt werden. Zum Start stellen Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken ihr Handy-zu-Handy-Zahlsystem Kwitt auf "Giropay Geld-Senden" um. Von Mittwoch an können Kunden dann bei Händlern, die Paydirekt nutzen, das Giropay-Bezahlverfahren auswählen.

Im März hatten die in der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) zusammengeschlossenen fünf großen Bankenverbände angekündigt, ihre Bezahlverfahren zu verschmelzen. Das Projekt - auch "#DK" oder "XPay" genannt - war schon länger bekannt. Bereits im Dezember hatte das Kartellamt grünes Licht gegeben. Allerdings hatten die Wettbewerbshüter deutlich gemacht, dass im weiteren Verlauf noch Detailfragen zu klären sind.

Vorteile für Verbraucher und Händler

Verbraucher sollen durch Giropay möglichst einfach bezahlen sowie schnell Geld von Konto zu Konto überweisen können - unabhängig davon, bei welcher Bank diese geführt werden. Nutzer müssen lediglich das Online-Banking verwenden und ihr Girokonto für Giropay legitimieren. Es ist kein separates Konto bei einem zusätzlichen Dienstleister notwendig. Gleichzeitig gibt es auch Vorteile für Händler: Sie müssen nicht mehr mit jeder Bank einzeln über Verträge verhandeln.

Mit dem gebündelten Bezahlangebot wollen die öffentlich-rechtlichen, genossenschaftlichen und privaten Geldhäuser Wettbewerbern wie PayPal oder Apple Pay die Stirn bieten. Denn bislang spielten die deutschen Bezahldienste nur eine Nebenrolle. Während PayPal Ende 2020 knapp 29 Millionen aktive Kunden in Deutschland zählte, kommt der im Herbst 2015 von der heimischen Bankenbranche ins Leben gerufene Zahldienst Paydirekt nach jüngsten Angaben gerade einmal auf etwa 4,1 Millionen registrierte Nutzer.

"Wir haben sicher als deutsche Kreditwirtschaft unterschätzt, wie sehr die Kunden es mögen, nur mit einem Nutzernamen und einem Passwort zu bezahlen", räumte Schmalzl ein. "Wir haben aus den Erfahrungen mit Paydirekt gelernt und machen den Zugang für Kunden nun sehr viel einfacher", erklärte der DSGV-Vorstand. "Kunden müssen sich nicht mehr separat registrieren, sondern können mit ihren normalen Zugangsdaten für das Online-Banking eine Zahlung auslösen."

Marktanteil soll auf 50 Prozent steigen

Zugleich werde weiterhin das Paydirekt-Netz genutzt, das bereits mit der Hälfte der großen E-Commerce-Shops geknüpft sei, so Schmalzl. Kurzfristig sei im Online-Handel ein Marktanteil "im hohen einstelligen Bereich" alleine durch das neue einheitliche Bezahlangebot angestrebt. Derzeit decken Giropay und Paydirekt zusammen seinen Angaben zufolge rund zwei Prozent des deutschen Marktes für Online-Zahlungen ab. Mittelfristig sieht die heimische Branche Potenzial, ihren Marktanteil auf bis zu 50 Prozent zu steigern.

Anders als PayPal ist Giropay allerdings nicht so weit verbreitet und kann zum Beispiel nicht für Einkäufe in Online-Shops aus den USA oder anderen Ländern verwendet werden. Auch innerhalb Deutschlands machen längst nicht alle Kreditinstitute mit. Ob das neue Angebot wirklich flächendeckend ausgerollt wird, hängt daher von den einzelnen Instituten ab.

Perspektivisch soll auch die Girocard - die in Deutschland am meisten genutzte Debitkarte - in das Angebot integriert werden. "Natürlich arbeiten wir auch an der Zusammenlegung der Bezahlverfahren an der Ladenkasse", betonte Schmalzl. Bei der Girocard gebe es aber keinen vergleichbaren Handlungsdruck. "Die Girocard ist ein extrem beliebtes Produkt. Allerdings verlangen Kunden und der Handel mittelfristig eine Omnikanallösung. Da gibt es für uns noch Konzeptarbeit zu tun."