ING Bank EC-Karte | picture alliance / Kirchner-Medi

ING erhebt Gebühr Jetzt kostet auch die Girocard Geld

Stand: 04.11.2021 12:36 Uhr

Die meisten Banken und Sparkassen verlangen inzwischen Gebühren für die Kontoführung. Jetzt wird auch für die Girocard, einst EC-Karte genannt, bei einigen Instituten ein monatlicher Betrag fällig.

Die kostenlose Girocard wird bei immer mehr Direktbanken in Deutschland zum Auslaufmodell. So verlangt jetzt die ING Deutschland, die mit 9,5 Millionen Kunden größte Direktbank hierzulande, künftig Gebühren für die Girocard.

Ab Anfang März 2022 werden 0,99 Euro pro Monat berechnet, wie das Institut mitteilte. Die erste Belastung erfolge im April. Die Zahlungskarte - die sogenannte Debitkarte - von Visa bleibt dagegen kostenfrei. Damit verabschiedet sich die ING de facto vom kostenlosen Girokonto, weil viele Einzelhändler in Deutschland wegen der höheren Kosten für sie noch immer keine Kreditkarten akzeptieren. Viele Bankkunden dürften daher auf eine Girocard kaum verzichten wollen. Zunächst hatte der Newsletter "Finanz-Szene" darüber berichtet. Einen ähnlichen Weg sind schon andere Direktbanken gegangen.

Banken setzen auf Visa-Karte

Die ING setzt nach eigenen Angaben bewusst auf die Visa-Karte, mit der sich sowohl bezahlen als auch Geld abheben lässt. Diese sei weltweit verwendbar und werde mittlerweile von vielen Händlern akzeptiert, auch fürs mobile Bezahlen, begründete das Institut den Schritt. Girokonto-Kunden könnten ab 50 Euro zudem an 97 Prozent aller Automaten in Deutschland und allen Euro-Ländern damit kostenlos Geld abheben.

Kreditkarten unterschiedlicher Anbieter | AP
Was Girokarte, Debitkarte und Kreditkarte unterscheidet

Die Girocard, früher EC-Karte genannt, gehört zu einem reinen deutschen System. Verbraucher können mit ihr Geld abheben oder in Geschäften bezahlen. Der jeweilige Betrag wird direkt vom Guthaben des Girokontos abgebucht. Der Sammelbegriff für solche Zahlungen ist die Debitkarte. Dazu gehören auch Karten des bekannten Maestro-Systems, das der Anbieter Mastercard auslaufen lässt.

Im Gegensatz dazu sind Kreditkarten Karten, mit denen auf Kredit - also aus einem nicht existierenden Guthaben - bezahlt werden kann. "Die Grenzen sind dabei aber schwimmend", sagt Jürgen Moormann von der Frankfurt School of Finance & Management. Der gesammelte Schuldenbetrag werde beispielsweise nach einem Monat abgebucht - teilweise mit hohen Zinsen.

In Deutschland werden Karten von Anbietern wie Visa oder Mastercard häufig als Debitkarten ausgegeben. Das heißt: Auf den ersten Blick ist kaum erkennbar, dass es sich nicht um eine "echte" Kreditkarte handelt. Auf der Vorderseite ist dann beispielsweise das Visa-Logo aufgedruckt; die kleine Kennzeichnung auf der Rückseite "Debit Card" verrät allerdings, dass es sich um eine Debitkarte handelt - bezahlte Beträge also sofort vom Konto abgebucht werden. Bei einer Kreditkarte steht auf der Rückseite "Credit Card".

Bestandskunden müssen der Änderung zustimmen. "Vor dem Hintergrund des BGH-Urteils werden wir im Zuge dessen auch ihre Zustimmung zu Änderungen aus der Vergangenheit einholen", teilte das Institut mit. Der Bundesgerichtshof hatte im Frühjahr entschieden, dass Banken bei Änderungen ihrer Allgemeinen Geschäftsbedingungen die Zustimmung ihrer Kunden einholen müssen. Für die ING dürfte sich die Einführung einer Karten-Gebühr durchaus rechnen: Angesichts von 2,9 Millionen Girokonten ergibt sich ein jährliches Ertragspotenzial von 35 Millionen Euro.

Auch die DKB verlangt Girocard-Gebühren

Auch die Direktbank DKB Bank setzt seit November bei Neukunden auf die Visa-Debitkarte, die kostenlos angeboten wird. Im ersten Halbjahr 2022 werden diese Karten an die 4,8 Millionen Bestandskunden ausgegeben. Wollen Neukunden zusätzlich eine Girokarte, müssen sie dafür 0,99 Cent monatlich zahlen. Wer als Bestandskunde eine besitzt, kann sie weiter kostenlos nutzen. Die Karte hat gegenüber der Visa-Debitkarte etwa den Vorteil, dass man mit ihr in Supermärkten oder Tankstellen Geld abheben kann.

Bei Consors kostet die optional hinzubuchbare Girocard bei einer Kontoeröffnung seit 27. März pro Monat 1 Euro pro Kontoinhaber. Die Visa-Debitkarte ist kostenlos. Comdirect hatte ebenfalls im Frühjahr die kostenfreie Visa-Debitkarte eingeführt, die Girocard kann aber weiterhin ohne Gebühren dazu gebucht werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. September 2021 um 13:10 Uhr.