Euromünzen liegen gestapelt vor Banknoten | dpa

Geldanlage und Inflation Ist das Ersparte noch zu retten?

Stand: 18.05.2022 08:19 Uhr

Die Teuerung liegt auf Rekordniveau und noch sind die Zinsen gleich null. Selbst wenn sie steigen, taugt Tagesgeld als Inflationsschutz nicht. Welche Alternativen gibt es für die Geldanlage?

Von Joscha Bartlitz, hr

Die Verbraucherpreise in Deutschland stiegen laut Statistischem Bundesamt im April um 7,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Inflationsrate erreichte damit einen neuen Höchststand. Die privaten Einkäufe werden immer teurer - und das Geld auf dem Konto gleichzeitig immer weniger.

Joscha Bartlitz

Wer als Privatanleger sein Erspartes auf dem Tagesgeldkonto deponiert hat, bekomme in der Spitze aktuell gerade einmal 0,35 Prozent Zinsen, berichtet Sebastian Schick vom Verbraucherportal Biallo. Der Chefredakteur des Verbraucherportals weist darauf hin, dass Privatanleger trotz des minimalen Wiederanstiegs der Tagesgeldzinsen im vergangenen Monat einen Realverlust der Kaufkraft erleiden. "Tagesgeld schlägt die Inflation bei Weitem nicht. Im Gegenteil: Man macht einen satten Verlust", so Schick. Auch wenn das Tagesgeld als kurzfristiger, sicherer Liquiditätsvorbehalt weiterhin alternativlos sei.

"Reale Negativ-Zinsen"

Der durchschnittliche Tagesgeld-Basiszins sei von 0,05 Prozent im Mai des vergangenen Jahres auf 0,06 Prozent in diesem Monat gestiegen. Und auch beim Festgeld sehe es ähnlich aus. Von 0,13 Prozent im Durchschnitt ging es zuletzt hoch auf 0,17 Prozent, wie das Portal errechnet hat. Fachleute wie Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, sprechen hierbei von einem "realen negativen Zins". Und dieses Problem sei durch den Anstieg der Inflation noch größer geworden als ohnehin schon in den vergangenen zehn Jahren, in denen bereits viel Kaufkraft "weggefressen worden ist", so Kater. Diese Entwicklung werde weitergehen, selbst wenn die Europäische Zentralbank im Juli wie erwartet den Leitzins erhöht. "Es kann sein, dass wir bald wieder bei einem Leitzins von 0,25 oder 0,5 Prozent liegen. Aber die zu erwartende Inflation liegt auch im kommenden Jahr noch bei rund drei Prozent."

Die Alternative zum Tagesgeld? Zumindest bei den Ersparnissen, die Privatkunden als "Sicherheitskasse" benötigten, gebe es keine, erklärt Kater. Denn dieses Geld müsse auf dem Konto liegen und verfügbar sein. Den langfristigen Vermögensaufbau hält der Chefvolkswirt der DekaBank dagegen sogar für die einzige Chance, wie sich der "normale Haushalt" der Kaufkraftverlust entziehen könne. Eine Möglichkeit der Geldanlage seien Aktien. Doch dafür müsse man an den auch momentan wieder sehr volatilen Kapitalmärkten Geduld mitbringen. Dafür könne es sich lohnen, betont Kater: "Die auf zehn Jahre zu erwartende Rendite am Aktienmarkt liegt zwischen fünf und sieben Prozent pro Jahr."

Für Privatanleger mit wenigen Rücklagen könne dies allerdings oft schwierig sein, so Experte Schick von biallo.de. "Wer kurzfristig aufs Geld angewiesen ist, der kann sein Geld nicht auf dem Aktienmarkt anlegen", sagt er. Und ein weiterer Rückschlag sei dort nicht ausgeschlossen.

Abwägung zwischen Sicherheit, Flexibilität und Rendite

Auch Katharina Lawrence, Finanzexpertin der hessischen Verbraucherzentrale, weist darauf hin, dass mit der Geldanlage am Kapitalmarkt ein gewisses Risiko einhergehe und man sich damit intensiv befassen müsse. "Was man auf keinen Fall machen sollte, ist, mit einer Geldanlage ins Risiko zu gehen, wenn man sich das finanziell nicht erlauben kann und Geld risikoreich zu investieren, das man braucht", sagt Lawrence.

Für die Verbraucherschützerin gibt es drei entscheidende Kernpunkte, die jeder Privatanleger bei der Geldanlage für sich persönlich hinterfragen müsse: "Sicherheit, Flexibilität und Rendite". Zwischen diesen drei Faktoren müsse man abwägen. "Ich kann nur höhere Rendite erwarten, wenn ich hinsichtlich der Sicherheit Abstriche mache", so die Finanzexpertin. Dennoch ermutigt sie Verbraucherinnen und Verbraucher, der Inflation durch eine langfristige Geldanlage entgegenzuwirken, etwa "mit kostenschlanken Produkten wie Aktien-ETFs". Bereits mit kleinen Beträgen könne man hier gut anfangen.

Auch Ökonom Kater von der DekaBank rät Privatanlegern eher zu klassischen Anlageformen wie Aktien oder auch Immobilien in Form von REITs oder Fonds. Vor hochrisikoreichen Investments in Krypto-Währungen wie Bitcoin oder Ethereum dagegen warnt er: "Kryptos sind eine unsichere, neue Welt, die mit ganz starken Schwankungen daherkommt und als Geldanlage für private Haushalte nicht geeignet ist". Eine Anlage in Gold könne dagegen bei der Geldanlage als Beimischung dienen. "Gold ist ein Mosaikstein und gehört im Bereich von fünf Prozent in den Vermögenskuchen", findet Kater.

Hoffnung auf Leitzinserhöhung im Sommer

Trotz der aktuell unsicheren Wirtschaftslage und volatilen Kapitalmärkten bleibe die zentrale Frage für jeden Privatanleger die gleiche: Wie kann man mit einer Investition die Inflation schlagen? Eines sei klar, so der Chefvolkswirt: Mit einfachen Sparzinsen wird das auch in Zukunft nicht möglich sein.

Immerhin gibt es ein wenig Hoffnung. Durch die nahende Leitzinserhöhung der EZB um 0,25 oder gar 0,5 Prozentpunkte im Juli könnte sich etwas tun, sagt Biallo-Experte Schick. Er geht davon aus, dass die Banken dann beim Tages- und Festgeld sehr schnell nachziehen werden. "In der Spitze halten wir beim Tagesgeld bis zum Jahresende durchaus bis zu 0,75 Prozent für möglich", so Schick. Immerhin.

Über dieses Thema berichteten Deutschlandfunk am 28. September 2021 um 19:30 Uhr und tagesschau24 am 18. Mai 2022 um 09:05 Uhr.