Zahlen auf einem Gaszähler | dpa

Milde Witterung, hohe Preise Gasverbrauch sinkt deutlich

Stand: 30.06.2022 12:04 Uhr

Der milde Frühling und die steigenden Preise zeigen Wirkung: Zwischen Januar und Mai war der Gasverbrauch in Deutschland um 14 Prozent niedriger als im Vorjahr. Auch für die Stromerzeugung wurde weniger Erdgas eingesetzt.

Das Gasverbrauch in Deutschland ist deutlich gesunken. Zwischen Januar und Mai habe der bundesweite Verbrauch bei 460 Milliarden Kilowattstunden gelegen, teilte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) mit. Das bedeutete einen Rückgang um 14,3 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Zwar verwies der Verband darauf, dass die deutlich mildere Witterung im Frühling dieses Jahres ein maßgeblicher Grund für die Entwicklung sei, weil Gas überwiegend zum Heizen eingesetzt wird. "Doch auch bereinigt um Temperatureffekte lag der Gasverbrauch im laufenden Jahr 6,4 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums", schrieb der BDEW.

Preis für Gasimporte verdreifacht

Der massive Anstieg der Gaspreise trägt immer stärker zum sinkenden Verbrauch bei. Das war im Mai besonders deutlich zu spüren: Der Verbrauch sank insgesamt um 34,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat - bereinigt um Temperatureffekte waren es noch 10,8 Prozent. "Es ist davon auszugehen, dass der Gasverbrauch vor allem aufgrund der steigenden Gaspreise zurückgeht", erklärte BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae.

Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass die Importpreise für Erdgas im Mai des laufenden Jahres mehr als dreimal so hoch waren wie im Mai 2021. Die Folgen bekommen auch die Verbraucher zunehmend zu spüren, weil immer mehr Versorger die gestiegenen Beschaffungskosten an die Kunden weitergeben.

Mehr Strom soll aus der Kohle kommen

Derzeit würden noch die Gaspreissteigerungen des vergangenen Herbstes und damit aus der Zeit vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine weitergegeben, sagte der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, vor wenigen Tagen. Schon dies bedeute Preiserhöhungen für Kunden um teilweise 30, 50 oder 80 Prozent. Er hat zugleich vor weiteren "riesigen Preissprüngen" beim Gas gewarnt. "Verdoppeln bis verdreifachen kann je nach Gebäude drin sein", so Müller.

Weil der russische Konzern Gazprom seine Gas-Lieferungen nach Deutschland zuletzt stark drosselte, hat die Bundesregierung bereits die Alarmstufe des Gas-Notfallplans ausgerufen. Zugleich wird derzeit an den rechtlichen Grundlagen gearbeitet, um in Kürze den Gasverbrauch für die Stromerzeugung deutlich zu senken und stattdessen vorübergehend wieder verstärkt Kohlekraftwerke zu aktivieren. Schon in den ersten fünf Monaten dieses Jahres sank der Gasverbrauch für die Stromerzeugung nach BDEW-Angaben um 14,3 Prozent auf 37 Milliarden Kilowattstunden.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 23. Juni 2022 um 22:15 Uhr.