Veronika Grimm | dpa

Gaspreisbremse Wirtschaftsweise wirbt für Einmalzahlung

Stand: 07.10.2022 12:05 Uhr

Die Wirtschaftsweise Grimm hat vor zu hohen Erwartungen an die geplante Gaspreisbremse gewarnt. Da der Gaspreis dauerhaft hoch bleiben werde, sei eine Einmalzahlung sinnvoller. Das sehen auch viele weitere Ökonomen so.

Die Vorsitzende der Gaspreiskommission, die Wirtschaftsweise Veronika Grimm, hat die Erwartungen an die sich abzeichnende Gaspreisbremse gedämpft. Da Deutschland dauerhaft seine Energieabhängigkeit von Russland beende, werde der Gaspreis "aufgrund der höheren Flüssiggas-Beschaffungspreise trotz einer Gaspreisbremse deutlich höher bleiben als vor dem russischen Überfall auf die Ukraine", sagte Grimm der Funke-Mediengruppe.

Große Mehrheit der Ökonomen gegen Energiepreisdeckel

Die Volkswirtschaftsprofessorin der Universität Erlangen-Nürnberg schlug stattdessen eine Einmalzahlung an Verbraucher vor. "Wichtig wird sein, einen hohen Sparanreiz zu erhalten. Bei einer Einmalzahlung wäre das ganz klar der Fall", sagte sie.

"Einen viel geringeren Sparanreiz hätte man, würde man den Gaspreis um einen bestimmten Prozentsatz senken." Wenn man den Menschen eine Einmalzahlung zukommen lasse, hätten sie noch viel davon, weniger Gas zu verbrauchen, so Grimm.

Die Meinung der Wirtschaftsweisen vertreten auch viele weitere Ökonomen in Deutschland. In einer Umfrage des ifo-Instituts unter 178 Professoren für Volkswirtschaftslehre befürworteten nur 14 Prozent einen Strom- und Gaspreisdeckel. 68 Prozent der Teilnehmer forderten dagegen Entlastungen für Bedürftige in Form von Energiegeldern.

Kritik: Expertenkommission zu spät eingesetzt

Grimm beklagte zudem den Zeitdruck, dem die von der Regierung eingesetzte Expertenkommission zur Ausarbeitung von Vorschlägen für die Gaspreisbremse ausgesetzt sei. "Die Entscheidung zur Einberufung eines solchen Gremiums hätte schon vor ein paar Monaten fallen können. Die Entwicklung bei den Gaspreisen war schließlich absehbar", sagte sie.

Die Bundesregierung hatte jüngst ein Maßnahmenpaket angekündigt, um Verbraucher wegen der steigenden Energiepreise zu unterstützen. Als Teil dieses Pakets soll eine Preisbremse dafür sorgen, dass private Haushalte und Unternehmen von den Entwicklungen am Gasmarkt nicht überfordert werden. Am kommenden Wochenende wolle die Kommission einen "belastbaren Vorschlag" erarbeiten und der Politik vorlegen.

Nach Angaben aus der Experten-Kommission der Regierung wird wohl eine Gaspreisbremse in zwei Stufen kommen. Zunächst werde es eine einfache und schnelle Lösung geben, die noch im November oder Dezember greifen solle, sagten Teilnehmer gegenüber Reuters. Im Laufe des nächsten Jahres solle diese dann in ein umfassenderes und gerechteres Modell übergehen. Dies deutete auch SPD-Vize-Fraktionschef Matthias Miersch in einem Schreiben an die Fraktionskollegen an: "Möglicherweise wird es daher eine Empfehlung geben, die aus kurzfristigen Lösungsvorschlägen und mittelfristigen Empfehlungen besteht."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. Oktober 2022 um 09:00 Uhr.