Eine Heizung wird aufgedreht. | dpa

Steigende Preise Alternativen zur Gasheizung

Stand: 05.02.2022 15:45 Uhr

Gas wird immer teurer - aus den verschiedensten Gründen. Deshalb sehen sich viele Hausbesitzer nach anderen Möglichkeiten für die Heizungsanlage um. Welche gibt es?

Von Jens Eberl, WDR

Der Blick auf den Gaszähler tut momentan richtig weh. Viele drehen in diesem Winter die Heizung runter, denn die Preise sind kaum noch zu bezahlen. Die Füllstände der großen Gaslager lösen auch bei Expertinnen und Experten Sorgen aus, denn sie sind erschreckend niedrig.

Jens Eberl

"Wir sind in einer Gaskrise"

Mitte Januar waren sie nur noch zu 46,5 Prozent gefüllt, einen Monat zuvor waren es noch fast 58 Prozent. Die Lagermengen gehen also spürbar zurück. Besonders deutlich wird die Knappheit beim Blick auf das Vorjahr. Da waren die Lager im Januar zu 58,2 Prozent gefüllt, im Dezember waren es sogar mehr als 79 Prozent.

Es gebe derzeit eine Gaskrise, sagt Claudia Kemfert, die beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) für Energiewirtschaft zuständig ist. Jeder müsse wissen, "dass wir perspektivisch weg müssen vom Gas und alles tun müssen, um mehr einzusparen. Das geht kurzfristig, aber es ist auch wichtig, dass man vor allem bei der nächsten Gebäudesanierung darauf dringt, sich von fossilem Erdgas zu verabschieden", sagt Kemfert.

Solaranlage ersetzt Gas nur zum Teil

Die Preisentwicklung beim Gas sei sehr schwer prognostizierbar, sagt Thomas Zwingmann, Energieberater bei der Verbraucherzentrale NRW. "Wir gehen im Moment davon aus, dass die derzeitige Situation entgegen unserer anfänglichen Einschätzung noch einige Monate anhalten wird. Langfristig schätzen wir, dass sich der Gaspreis wieder etwas entspannen wird", so Zwingmann. Doch auch die Verbraucherzentrale rät dazu, sich über alternative Energieträger beim Heizen zu erkundigen.

"Welche Möglichkeit für Sie in Frage kommt und ob es sich lohnt, hängt davon ab, wie gut Ihr Haus gedämmt ist, wie groß die Heizflächen sind und wie viele Menschen darin wohnen", sagt Zwingmann. So sei eine thermische Solaranlage eher für Haushalte mit mehr als vier Personen wirtschaftlich. Unabhängig vom Gas sei man damit aber noch nicht. "Sie würden einen Teil des Gases - etwa 15 bis 20 Prozent - durch Sonnenenergie ersetzen", so die Schätzung des Experten der Verbraucherzentrale. 

Holzpellets oder Wärmepumpen als Alternativen

Für das Heizen mit Holzpellets benötigen Verbraucherinnen und Verbraucher einen Lagerraum zum Zwischenlagern der Pellets. Ob sich ein Holzpelletkessel finanziell lohnt, hängt davon ab, wie alt die Gasheizung ist und ob eventuell ohnehin ein Wechsel des Gaskessels ansteht. Wenn diese Kosten anfallen, könne sich der Wechsel lohnen, so die Verbraucherzentrale. Außerdem hingen die Kosten auch von der Preisentwicklung der Holzpellets ab. Daher sei eine pauschale Aussage nicht möglich. Der Einbau eines Pelletkessels sei durch den Bau des Lagers für das Holz aber eher aufwändig.

Eine weitere Möglichkeit wäre das Heizen mit einer Wärmepumpe. Wärmepumpen entziehen der Umgebung Wärme, das kann aus der Luft, aus Wasser oder aus dem Erdreich sein. Mithilfe der gewonnenen Energie wird im Wärmetauscher ein Kältemittel verdampft und anschließend verdichtet. Das Kältemittel erwärmt sich, bringt das Heizungs- und Trinkwasser auf die gewünschte Temperatur und kondensiert anschließend wieder. Dann beginnt der Kreislauf aufs Neue.

Damit eine Wärmepumpe klimaverträglich und wirtschaftlich laufen kann, müssen die Räume mit einer möglichst niedrigen Vorlauftemperatur ausreichend warm werden. Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur, auf die der Heizkessel das Heizungswasser aufheizen muss, bevor es in die Heizkörper strömt. Sie sollte für einen effizienten Betrieb bei höchstens 50 Grad liegen.

Wärmepumpe kann sich finanziell lohnen

"Aus unserer Sicht kann die Wärmepumpe die beste Lösung sein, wenn die Randbedingungen des Hauses passen. Das bedeutet, wenn die Heizflächen so groß sind, dass die Vorlauftemperatur der Heizung maximal 50 Grad beträgt", erklärt Verbraucherschützer Zwingmann. "Wenn der Strom für die Wärmepumpe dann aus erneuerbaren Energien kommt, haben wir damit ein Heizsystem, was im Betrieb komplett ohne CO2-Emissionen laufen kann."

Wenn eine Luft-Wärmepumpe installiert werden soll und die Heizkörper ausreichend sind, um mit einer niedrigen Vorlauftemperatur auszukommen, ist der Aufwand für die Umrüstung überschaubar und vergleichbar mit dem Einbau eines neuen Gaskessels. Hinzu kämen die Rohrleitungen von der Außeneinheit ins Haus.

Die Verbraucherzentrale hat aber die Erfahrung gemacht, dass es momentan kaum möglich sei, schnell umzusteigen. "Die Auftragsbücher der Handwerksbetriebe sind voll. Zudem benötigen Sie gerade für dem Umstieg auf eine Wärmepumpe Handwerker, die Erfahrungen mit Wärmepumpen in bestehenden Gebäuden haben. Hier kommt es darauf an, eine Anlage so zu planen, dass sie exakt zu dem Haus und den Bedürfnissen seiner Bewohnerinnen und Bewohner passt", rät Zwingmann. Für die Planung der Anlage sollte immer eine Heizlastberechnung erstellt werden.

Geld sparen durch energetisches Optimieren

Doch nicht nur durch alternative Heizsysteme lässt sich Geld sparen. Hausbesitzer sollten auch darüber nachdenken, das Haus energetisch zu optimieren, empfiehlt DIW-Expertin Kemfert. Langfristig sei es wichtig, auf erneuerbare Energien zu setzen.

Die Verbraucherzentrale rät außerdem dazu, die Raumtemperaturen zu überprüfen. "So reichen beispielsweise in Küche und Flur oft 19 Grad aus. Im Wohn- oder Arbeitszimmer können auch mal 22 Grad erforderlich sein. Diese unterschiedlich beheizten Räume sollten durch geschlossene Türen voneinander getrennt sein", so Verbraucherschützer Zwingmann. "Im Keller sollten Rohrleitungen, durch die warmes Wasser fließt, gedämmt sein. Der Keller sollte durch eine gut gedämmte, dicht schließende Tür von den beheizten Bereichen getrennt sein."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Januar 2022 um 18:00 Uhr.