Ein Gaszähler hängt im Keller eines Einfamilienhauses. | dpa

Furcht vor Engpässen Gaspreis steigt immer weiter

Stand: 26.07.2022 13:34 Uhr

Die Ankündigung Russlands, die Gaslieferungen über Nord Stream 1 weiter zu drosseln, sorgt am internationalen Gasmarkt für Turbulenzen. Die Preise sind seitdem um rund 20 Prozent in die Höhe geschossen.

Die reduzierten Gas-Lieferungen Russland durch die Pipeline Nord Stream 1 sorgen für neue Turbulenzen an den internationalen Energiemärkten. Nachdem die Notierungen für Gas bereits gestern um rund zehn Prozent nach oben schossen, klettern sie heute um weitere neun Prozent.

Der Terminkontrakt TTF an der Amsterdamer Energiebörse zur Lieferung für den Monat August ist im Laufe des Vormittags immer weiter angestiegen. Inzwischen müssen für eine Megawattstunde (MWh) Gas rund 193 Euro bezahlt werden. Der Kontrakt gilt als Referenzpreis für den europäischen Gashandel. "Alle im Markt hatten erwartet, dass die russischen Liefermengen zurückgehen", sagte der Energieexperte James Huckstepp von der Beratungsfirma S&P Global Commodity Insights der "Financial Times". "Aber der Markt hatte nicht mit einem so schnellen Einbruch der Gasflüsse gerechnet."

Nur kurz nach dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine von Ende Februar bis Anfang März war der Gaspreis noch höher als jetzt. Damals lagen die Notierungen sogar kurz über die Marke von 200 Euro.

Gaslieferungen werden weiter gedrosselt

Der russische Gas-Gigant Gazprom hatte gestern Abend angekündigt, die Gaslieferungen durch Nord Stream 1 ab Mittwochmorgen von derzeit 40 Prozent auf nur noch 20 Prozent der Kapazität zu drosseln. Als Grund gab der russische Staatskonzern die Wartung einer Turbine an. Die Bundesregierung reagierte mit Unverständnis. "Es gibt nach unseren Informationen keinen technischen Grund für eine Reduktion der Lieferungen", sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums.

Erst am Donnerstag waren die Gaslieferungen über die derzeit wichtigste Verbindung nach Deutschland für russisches Erdgas nach einer zehntägigen Routinewartung wieder aufgenommen worden. Im Juni hatte Gazprom die Lieferungen über die Pipeline bereits auf 40 Prozent der Maximalkapazität gedrosselt und auf die zur Reparatur nach Kanada verschickte Turbine verwiesen.

Vervielfachung der langjährigen Gaspreise

Die Gaspreise haben sich seitdem weiter von ihren langjährigen Niveaus entfernt. Bis zum Herbst vergangenen Jahres kostete eine Megawattstunde an den internationalen Umschlagplätzen noch relativ verlässlich zwischen 20 und 40 Euro.

Für Verbraucher ist ebenfalls mit weiteren Anhebungen der Gaspreise in den kommenden Monaten zu rechnen. Laut dem Verbraucherportal Verivox hat sich der Preis für Endkunden im Schnitt seit Jahresbeginn bereits um 159 Prozent erhöht. Die Kilowattstunde (KWh) verteuerte sich demnach innerhalb eines Jahres von rund sechs Cent auf 16 Cent.

Umlage verteuert Gas für Verbraucher weiter

Ab dem Herbst sollen Gashändler die gestiegenen Preise an die Endkunden über eine Umlage weitergeben können. Damit soll auch die Rettung des pleitebedrohten Versorgers Uniper finanziert werden, bei dem die Bundesregierung mit einer Beteiligung von 30 Prozent eingesprungen ist. Mit der nun beschlossenen Umlage dürften die Belastungen für Gaskunden noch weiter steigen.

EU beschließt Gas-Notfallplan

Auf die weitere Gas-Verknappung haben die EU-Staaten mit einem Notfallplan zur Drosselung des Gaskonsums reagiert. Bei einem Sondertreffen der für Energie zuständigen Minister kam heute in Brüssel die notwendige Mehrheit für den Schritt zusammen, wie die tschechische EU-Ratspräsidentschaft bestätigte. Der Plan soll vor allem die Risiken reduzieren, die sich aus einer vollständigen Unterbrechung russischer Gaslieferungen ergeben könnten.

Nach dem Text für die Rechtsverordnung, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, sieht der Plan vor, den nationalen Konsum im Zeitraum vom 1. August 2022 bis zum 31. März 2023 freiwillig um 15 Prozent zu senken. Zudem soll die Möglichkeit geschaffen werden, bei weitreichenden Versorgungsengpässen einen Unionsalarm auszulösen und verbindliche Einsparziele vorzugeben. Das war so von der EU-Kommission vorgeschlagen worden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. Juli 2022 um 10:00 Uhr.