Gasflamme | picture alliance/dpa

Hohe Energiekosten Gaspreis fällt auf Zweieinhalbmonatstief

Stand: 05.10.2022 15:21 Uhr

Im September haben die Preise für Strom und Heizen erneut Rekordniveaus erreicht. Doch an den Märkten zeichnet sich nun etwas Entspannung ab. Erdgas ist so günstig wie seit mehr als zwei Monaten nicht mehr.

Der Preis für europäisches Erdgas ist zur Wochenmitte merklich gefallen. Der Terminkontrakt TTF für niederländisches Erdgas sank am Vormittag um rund sechs Prozent auf 160 Euro für eine Megawattstunde. Mit 155 Euro erreichte er zeitweise den niedrigsten Stand seit Ende Juli. Der niederländische Terminkontrakt TTF ist in Europa eine Benchmark im Erdgashandel.

Zum Vergleich: Am 25. August war der TTF-Preis noch zeitweise bis auf 311 Dollar gestiegen. Damals trieben die ausbleibenden Lieferungen über Nord Stream 1 die Preise nach oben.

Russland pumpt wieder Gas nach Italien

Es ist in erster Linie die Ankündigung Russlands, nach einem kurzen Lieferstopp wieder Gas durch Österreich nach Italien zu pumpen, die am Gasmarkt nun kurzfristig für Erleichterung sorgt. Es sei mit den italienischen Abnehmern eine Lösung des Problems gefunden worden, teilte der russische Staatskonzern Gazprom heute mit.

Gazprom hatte am Wochenende die Gaslieferungen an Italien eingestellt. Der teilstaatliche italienische Konzern und größte Gasimporteur ENI sah "absolut keine geopolitischen Gründe" als Grund für den Lieferstopp. Vielmehr seien Probleme bei Bezahlungsdetails in Rubel oder Euro aufgetreten.

Energiesparmaßnahmen hätten große Wirkung

Doch nicht nur kurzfristig, auch mittelfristig sendet der Erdgasmarkt derzeit Entspannungssignale. "Sorgen hinsichtlich Versorgungsengpässe diesen Winter könnten durch einen jüngsten Bericht der IEA gedämpft worden sein", streichen die Rohstoff-Experten der Commerzbank in einer aktuellen Analyse heraus.

Danach sieht die Internationale Energieagentur (IEA) die Gasspeicher in der Europäischen Union (EU) nur dann auf ein kritisches Niveau von fünf Prozent im Februar fallen, sollte Russland seine Gaslieferungen komplett einstellen, die EU-Länder keine Energiesparmaßnahmen ergreifen und Flüssiggas in nur geringem Maße importiert werden.

Doch schon leichte Sparmaßnahmen hätten deutliche Wirkungen: So würde eine Reduzierung der EU-Gasnachfrage während der Winterperiode um neun Prozent im Vergleich zum Fünfjahresdurchschnitt die Speicherwerte auf über 25 Prozent katapultieren. Bei einer Verringerung des Gaskonsums um 13 Prozent im Vergleich zum Fünfjahresdurchschnitt könnte sogar ein Speicherstand von 33 Prozent erreicht werden.

Gaspreis immer noch auf hohem Niveau

Die sachten Entspannungssignale vom Erdgasmarkt sind für Verbraucher jedoch wohl kaum mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Denn im historischen Vergleich notiert der Gaspreis immer noch auf einem äußerst hohen Niveau.

"Im September wurden durchschnittlich 191 Euro pro Megawattstunde Gas im Großhandel fällig. Im Vorjahresmonat waren es nur 62 Euro", rechnet das Vergleichsportal Check24 vor. Insgesamt seien die Preise für Strom, Heizen und Mobilität im September erneut deutlich gestiegen und blieben damit auf Rekordniveau.

Entlastung durch Mehrwertsteuersenkung

"Die jährlichen Energiekosten für einen Musterhaushalt lagen im September 2022 bei durchschnittlich 7912 Euro", so Check24. "Das sind rund elf Prozent mehr als im Vormonat und 85 Prozent beziehungsweise 3636 Euro mehr als im September 2021." Dabei seien die Preise für das Heizen mit einem Plus von 191 Prozent am stärksten gestiegen.

Seit dem 1. Oktober fällt auf den Gaspreis nur noch eine reduzierte Mehrwertsteuer von sieben Prozent an. Das entlastet Verbraucher spürbar: Die Gasrechnung einer Familie mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden reduziert sich dadurch um 306 Euro, ein Single-Haushalt (5000 kWh) wird um 87 Euro entlastet.