Zwei Mitarbeiter stehen auf dem Gelände des Gasspeichers Jemgum in Niedersachsen. | dpa

Trotz Lieferstopp bei Nord Stream 1 Gasspeicher werden weiter gefüllt

Stand: 30.08.2022 09:03 Uhr

Trotz der bevorstehenden Wartungsarbeiten an der Pipeline Nord Stream 1 werden die Gasspeicher in Deutschland auch in den kommenden Tagen weiter gefüllt. Dafür sorgen Lieferungen aus europäischen Nachbarländern.

Die Einstellung der russischen Gaslieferungen über die Pipeline Nord Stream 1 wird die Einspeicherung von Gas in die deutschen Speicher zwar bremsen, aber nicht stoppen. Die Gasspeicherbetreiber rechnen damit, dass trotz Lieferunterbrechung aus Russland weiterhin Erdgas in Deutschland eingespeichert werden kann. Dies könne aber in leicht reduzierten Umfang geschehen, wie der Geschäftsführer des Branchenverbandes Initiative Energien Speichern (INES), Sebastian Bleschke, der Nachrichtenagentur dpa sagte.

Der Staatskonzern Gazprom hatte angekündigt, wegen Wartungsarbeiten vom 31. August bis zum 2. September kein Gas nach Deutschland zu pumpen. Danach sollen laut Gazprom täglich wieder 33 Millionen Kubikmeter Erdgas geliefert werden. Das entspricht den 20 Prozent der täglichen Maximalleistung, auf die Russland die Lieferung schon vor einigen Wochen verringert hat.

Norwegen, Belgien und die Niederlande als Lieferanten

Die Lieferungen aus Russland machten in den vergangenen Tagen aber bereits nur noch einen Teil der eingespeicherten Mengen aus. Am Samstag etwa wurden nach Angaben der Europäischen Gasspeicherbetreiber in Deutschland rund 1336 Gigawattstunden Erdgas eingespeichert. Über Nord Stream 1 flossen an diesem Tag etwa 347 Gigawattstunden russisches Erdgas nach Deutschland. Zum Vergleich: Aus Norwegen, Belgien und den Niederlanden kamen am Samstag nach Angaben der Bundesnetzagentur rund 2750 Gigawattstunden Erdgas nach Deutschland.

Die Speicher gleichen Schwankungen beim Gasverbrauch aus und bilden damit eine Art Puffersystem für den Gasmarkt. Nur ein Teil des importierten Gases wird eingespeichert, alles andere wird direkt über ein zusammenhängendes Gas-Fernleitungsnetz und auf lokaler Ebene dann über Verteilnetze zu den Verbrauchern geleitet.

Lieferunterbrechung oder Lieferstopp?

Die Folgen der angekündigten Wartung von Nord Stream 1 durch Russland lassen sich der Bundesnetzagentur zufolge noch nicht abschätzen. "Wir werden sehen, was die Konsequenzen dieser Wartung sind", sagte der Chef der Regulierungsbehörde, Klaus Müller, gestern. "Das kann noch niemand vorhersagen", fügte er hinzu. Es würde aber der Versorgungssicherheit in Deutschland helfen, wenn auch danach mindestens 20 Prozent der Kapazität weiter durch die Pipeline fließen würden. "Ob das der Fall sein wird, wissen wir nicht."

Ob Gazprom die Lieferungen tatsächlich wieder aufnimmt, ist offen. Russland hatte vor wenigen Tagen mit einem kompletten Stopp der Gaslieferungen nach Deutschland gedroht, ein derartiges Embargo wäre angesichts der "unbegründeten Anschuldigungen gegen Russland bezüglich der Energiekrise in Europa und des Verbots von Nord Stream 2" gerechtfertigt, erklärte der russische Vize-Regierungschef Alexander Nowak im staatlichen Fernsehen. "Wir haben das volle Recht, eine 'spiegelgerechte' Entscheidung zu treffen und ein Embargo zu verhängen."

Füllstände lassen hoffen

Die deutschen Gasspeicher sind mittlerweile zu rund 83 Prozent gefüllt. Eine Verordnung sieht vor, dass die deutschen Speicher am 1. Oktober zu mindestens 85 Prozent und am 1. November zu mindestens 95 Prozent gefüllt sein sollen. "Das Füllstandsziel von 95 Prozent ist sicherlich herausfordernd. Bei einem kompletten Ausfall von Nord Stream wäre es noch ein bisschen schwerer, das zu erreichen", so Verbandschef Bleschke.

Die Bundesregierung will mit verschiedenen Maßnahmen erreichen, dass die Gasspeicher in Deutschland zu Beginn der Heizperiode fast voll sind. Deutschland soll damit im Winter besser gegen einen Totalausfall russischer Lieferungen gewappnet sein. Die bei einem Füllstand von 95 Prozent gespeicherte Gasmenge entspricht etwa dem bundesweiten Verbrauch der beiden Monate Januar und Februar 2022.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. August 2022 um 18:00 Uhr.