Gasflamme wird an einem Gasherd mit einem Streichholz entzündet | dpa

Energieversorgung Was tun, wenn der Gasanbieter kündigt?

Stand: 14.12.2021 14:31 Uhr

Wegen der hohen Gaspreise stellen derzeit nahezu täglich Versorger Lieferungen ein und kündigen Verträge. Für Betroffene oft ein Schock. Was die Verbraucher tun müssen und worauf sie achten sollten.

Der starke Anstieg der Gaspreise treibt immer mehr Anbieter in den Ruin. Ihr Geschäftsmodell bricht zusammen, ihren Kunden müssen sie kündigen. Zuletzt hat es den Versorger gas.de mit seiner Marke Grünwelt Energie getroffen. Er hat alle Gaslieferverträge gekündigt und die Versorgung eingestellt. Als Grund nennt er die "nie dagewesenen Preisexplosion" auf dem europäischen Markt für Erdgas.

Für Betroffene ist das mitten im Winter eine beängstigende Situation. Doch eigentlich besteht kein Grund zur Sorge, weil die Verbraucher automatisch von der Ersatzversorgung übernommen werden. "Die örtlichen Grundversorger übernehmen in solchen Fällen die Belieferung, ohne dass eine Lücke entsteht. Es wird also niemand aufgrund der Kündigung in einer kalten Wohnung sitzen müssen", sagt Lenia Baga, Juristin bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. 

Der Grundversorger ist immer das Unternehmen, das in einem bestimmten Netzgebiet die meisten Kunden beliefert. Oft, aber nicht immer, sind das die örtlichen Stadtwerke oder andere städtische Firmen. Verbraucher haben nun die Möglichkeit, dem Grundversorger fristlos zu kündigen und in einen günstigeren Tarif zu wechseln - sofern sie denn einen solchen Anbieter finden.

Vorsicht beim Wechsel zu einem neuen Anbieter

Weil die Konditionen der zahlreichen Anbieter höchst unterschiedlich sein können, empfehlen Verbraucherschützer, Vergleichsportale wie Check 24 oder Verivox zu Hilfe zu nehmen. Allerdings sollten die Suchenden genau hinschauen: Viele Anbieter werben mit Bonuszahlungen, die den Tarif im ersten Jahr besonders günstig machen. Entfällt der Bonus im zweiten Jahr, steigen die Preis mitunter rapide. Wer bereit ist, jedes Jahr den Versorger zu wechseln, kann sich bewusst für einen Bonustarif entscheiden. Wer langfristig bei einem Anbieter bleiben möchte, schaut sich besser die Tarifkonditionen ohne Boni an. Verbraucherschützer empfehlen zudem, einen Vertrag mit Preisgarantie abzuschließen. Der Anbieter garantiert dem Kunden dann für eine bestimmte Laufzeit einen festen Preis.

Eine Verpflichtung, sich einen neuen Gasversorger zu suchen, wenn der alte die Lieferungen einstellt und kündigt, gibt es übrigens nicht. Falls die Betroffenen nicht innerhalb von drei Monaten einen neuen Lieferanten finden, bleiben sie automatisch beim Grundversorger.

Dauerauftrag stornieren, Zähler ablesen

Kunden, denen der Liefervertrag gekündigt wurde - wie jetzt im Fall von Grünwelt -, sollten aber darauf achten, ihre Einzugsermächtigung schriftlich zu widerrufen und den Dauerauftrag bei der Bank zu stornieren. Ganz wichtig ist auch, dass die von einer Kündigung betroffenen Verbraucher den Zählerstand zum Bezugsende selbst ablesen und dem Lieferanten sowie dem Grundversorger mitteilen.

Das Unternehmen gas.de hat angekündigt, die Kundenbeziehungen sachgerecht abzuwickeln und mit den Endabrechnungen ausstehende Guthaben sowie vereinbarte Neukundenboni auszuzahlen. Betroffene sollten jetzt unbedingt ihren aktuellen Zählerstand ablesen, diesen dem Anbieter melden und für sich dokumentieren.

Über dieses Thema berichtete NDR 1 Niedersachsen, Funkbilder - der Tag am 29. September 2021 um 16:00 Uhr.