Ein Monteur kontrolliert eine ältere Heizungsanlage. | picture alliance / dpa
Hintergrund

Noch höhere Preise drohen Jetzt noch die Gasheizung austauschen?

Stand: 26.07.2022 13:57 Uhr

Noch steht in gut jeder zweiten deutschen Wohnung eine Gasheizung. Viele Hausbesitzer sind beunruhigt: Sollen sie angesichts der drohenden Gasknappheit ihre alte Heizung nun schnell gegen eine Wärmepumpe tauschen?

Von Notker Blechner, tagesschau.de

Bei Heizungsbauern steht seit Wochen das Telefon nicht mehr still. Viele Haus- und Wohnungsbesitzer rufen an und wollen schnellstmöglich eine neue Heizmöglichkeit haben. "Mit Ausbruch des Ukraine-Kriegs ist die Nachfrage regelrecht explodiert", sagt ein Sprecher des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK).

Aus Angst, dass Russlands Präsident Wladimir Putin den Gashahn abdreht, wollen einige Haus- und Wohnungseigentümer ihre Gasheizung gleich ganz loswerden. Viele möchten unabhängig werden, berichtet Peter Loth, Installateur aus dem nordhessischen Vellmar bei Kassel. Er höre von einigen, dass sie kein Gas und Öl aus Russland mehr wollen.

Wärmepumpen boomen

Besonders Wärmepumpen sind gefragt. Im vergangenen Jahr wurden 154.000 Pumpen installiert. In diesem Jahr dürften es deutlich mehr werden.

Doch Personal- und Materialmangel bremsen den Boom. Bis der Handwerker kommt und eine neue Anlage einbaut, können mehrere Wochen, ja sogar mehrere Monate vergehen. Laut ZVSHK betragen die aktuellen Wartezeiten auf einen Techniker im Schnitt 18 Wochen.

Wartezeiten von bis zu einem Jahr

Schwieriger sei es derzeit, überhaupt an Geräte heranzukommen. Wärmepumpen sind so gut wie nicht zu bekommen. "Kunden, die heute eine Wärmepumpe ordern, werden sie frühestens im neuen Jahr geliefert und eingebaut bekommen", sagt ZVSHK-Sprecher Frank Ebisch. Die meisten Betriebe hätten gravierende Lieferprobleme. "Das Personal ist da, das Material nicht."

"Beim Einbau von Wärmepumpen müssen sich die Kunden auf Wartezeiten von bis zu einem Jahr einstellen", warnt auch Corinna Kodim, Energie-Expertin von Haus & Grund gegenüber tagesschau.de. Das heißt: Wer eine Wärmepumpe jetzt noch einbauen will, muss wohl bis zum nächsten Sommer warten.

Alternative Holzöfen mit Pellets

Schneller verfügbar könnten noch Holzöfen sein, die zum Beispiel mit Pellets befeuert werden. Allerdings herrschen auch hier zunehmende Engpässe. Brennholzhändler können vielerorts die rasant gestiegene Nachfrage nicht mehr bedienen. "Der Markt ist leer", sagt Gerd Müller, Leiter der Geschäftsstelle des Bundesverbands Brennholz.

Problemloser dürfte die Umrüstung von alten Gasheizungen sein. Der Austausch eines alten Gaskessels gegen einen neuen sei noch vor dem Winter möglich, meint Energie-Fachfrau Kodim. Hier lägen die Wartezeiten bei nur zwei Monaten.

Alte Gasheizungen schnell austauschen

Der Lobbyverband der Heizungsbauer sieht vor allem bei den rund 6,4 Millionen veralteten Gaskesseln in deutschen Kellern Handlungsbedarf. Hier mache es auf jeden Fall Sinn, über Alternativen nachzudenken, sagt ZVSHK-Sprecher Ebisch. Er verweist auf großes Energieeinsparpotenzial.

Wer sich in den letzten Jahren indes eine effiziente Gasbrennwertheizung habe einbauen lassen, sollte diese vorerst weiterbetreiben, rät Ebisch - und beim lokalen Heizungsinstallateur nachfragen, welche sinnvollen technischen Ergänzungen zur Einbindung erneuerbaren Energien wie etwa Solarthermie möglich seien.

Drei Viertel aller Gebäude mit fossilen Energien

Noch wird von den 43 Millionen Wohnungen in Deutschland gut die Hälfte mit Gas beheizt. In jeder vierten Wohnung steht eine Ölheizung. Das heißt: In der Mehrheit der Gebäude kommen noch fossile Energien zum Einsatz. Nur in Neubauten sieht es anders aus: Dort werden inzwischen über die Hälfte mit erneuerbaren Energien beheizt, insbesondere mit Hilfe der Wärmepumpe.

Die Bundesregierung plant eine "Wärmepumpe-Offensive". Ab 2024 sollen jährlich 500.000 Pumpen bundesweit installiert werden. Das Gebäudeenergiesetz schreibt vor, dass ab 2024 möglichst jede eingebaute neue Heizung zu 65 Prozent aus erneuerbaren Energien betrieben wird.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Juni 2022 um 23:45 Uhr.