rauchender Schornstein eines Hauses | picture alliance / blickwinkel/M

Versorger erhöhen Preise Gas ab 2022 erheblich teurer

Stand: 19.11.2021 14:02 Uhr

Heute ist der Stichtag, zu dem Versorger ihre Preisanpassung für das neue Jahr melden müssen. Aktuelle Zahlen zeigen: Die Preise für Gas werden um über 20 Prozent steigen. Auch der Strompreis legt zu.

Rund 2,7 Millionen Haushalte müssen einer aktuellen Studie von Check24 zufolge im kommenden Jahr mehr für Gas bezahlen. 439 Gasgrundversorger haben bereits ihre Preise erhöht oder Preiserhöhungen angekündigt, wie das Vergleichsportal mitteilte. Heute ist der Tag, bis zu dem die Unternehmen ihre Anpassungen zum 1. Januar angegeben haben müssen.

Im Durchschnitt betrage die Steigerung rund 24,6 Prozent. Für einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden (kWh) bedeute das zusätzliche Kosten von durchschnittlich 369 Euro pro Jahr, so Check24. Einzelne Unternehmen würden ihre Preise gar verdoppeln. Als Grundversorger werden diejenigen Versorger bezeichnet, die in einem bestimmten Netzgebiet die meisten Haushaltskunden beliefern.

Gas- und Großhandelspreis auf Rekordhoch

Der durchschnittliche Gaspreis liegt den Angaben zufolge im November auf einem Rekordhoch. Ein Musterhaushalt (20.000 kWh) zahle aktuell im Schnitt 1424 Euro im Jahr für Gas. Das entspreche einem Preis von 7,1 Cent pro Kilowattstunde. Im Vorjahresmonat waren es noch 1174 Euro und damit fast 18 Prozent weniger.

Wie sehr sich Gas zuletzt verteuert hat, zeigt auch ein Blick auf den Großhandelspreis. Auch dieser kostet mit 94,05 Euro pro Megawattstunde (MWh) so viel wie noch nie. Im November 2020 kostete eine MWh nur 14,18 Euro - eine Steigerung von 563 Prozent.

Gründe für die Explosion am Gasmarkt gibt es viele. Neben den im Vergleich zu den Vorjahren deutlich leereren Gasspeichern in Europa zog auch die Nachfrage mit dem Ende vieler Corona-Maßnahmen und der damit verbundenen wirtschaftlichen Erholung an. Dazu kam eine Windflaute in der Nordsee, wodurch die Windkraftanlagen dort weniger Strom produzierten und mehr Gas als üblich für die Stromerzeugung verwendet werden musste. Der Rückschlag für das Nord-Stream-2-Projekt könnte die Sorgen noch vergrößern.

Hohe Preisdifferenz bei Grundversorgern

Zusätzlich bewirkt die Erhöhung der CO2-Abgabe von 25 Euro auf 30 Euro pro Tonne zum Jahresbeginn Check24 zufolge eine zusätzliche Belastung von rund 24 Euro jährlich für einen durchschnittlichen Haushalt. "Verbraucherinnen und Verbraucher müssen diesen Winter mit einer Welle an Gaspreiserhöhungen rechnen", betonte Steffen Suttner, Geschäftsführer Energie.

Auch Switchup, ein unabhängiger Stromwechselberater, hat Zahlen zum heutigen Stichtag erhoben. Auffällig bei den aktuellen Preiserhöhungen ist demnach die hohe Differenz zwischen den Grundversorgern. Die neuen Preise für einen jährlichen Gasverbrauch von 20.000 kWh liegen laut Switchup zwischen 1251 Euro und 3715 Euro. Die durchschnittliche Preiserhöhung für Gas beläuft sich nach den Berechnungen der Berliner Firma auf 23,6 Prozent und bedeutet damit Mehrkosten von rund 356 Euro.

Aufgrund der signifikanten Erhöhungen sei es für Verbraucher ratsam zu prüfen, ob die Erhöhungen angemessen sind, teilte Switchup mit. "Im Falle einer Preiserhöhung hat man ein Sonderkündigungsrecht und kann durch einen Anbieterwechsel den wesentlichen Teil der Erhöhung umschiffen", sagte Gründer Arik Meyer. Unterstützung bei der Wahl des passenden Lieferanten bieten Vergleichsportale oder automatische Wechseldienste, die nicht nur einmalig helfen, sondern dauerhaft Tarife vorschlagen.

Auch Strompreise der meisten Versorger steigen

Derweil haben 192 Grundversorger auch ihre Strompreise bereits erhöht oder Erhöhungen angekündigt, hieß es weiter von Check24. Im Durchschnitt würde die Anhebung bei neun Prozent liegen und rund 1,6 Millionen Haushalte betreffen. Für einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 5000 kWh hieße das: zusätzliche Kosten von durchschnittlich 146 Euro pro Jahr.

21 Stromgrundversorger hätten ihre Preise zum Jahreswechsel dagegen gesenkt - um durchschnittlich 2,3 Prozent. Davon profitieren danach rund 1,2 Millionen Haushalte. Im Schnitt spare ein Musterhaushalt etwa 37 Euro im Jahr.

Auch der Strompreis erreichte in diesem Monat zum siebten Mal in Folge ein Rekordhoch. Hauptgrund sind die steigenden Preise im Großhandel, für Erdgas, Steinkohle sowie CO2-Emissionszertifikate, die steigende Nachfrage nach Elektrizität und geringere Erzeugungskapazitäten aufgrund des Kohleausstiegs. Bereits im vergangenen Jahr wechselten so viele Haushalte ihren Stromlieferanten wie zuletzt 2011.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Oktober 2021 um 12:00 Uhr.