Gaszähler | picture alliance / ANP

Preiserhöhungen der Versorger Hunderte Euro mehr im Jahr fürs Gas

Stand: 12.11.2021 15:33 Uhr

Gaskunden des drittgrößten deutschen Versorgers EnBW und vieler anderer Anbieter müssen bald deutlich mehr zahlen. Was bedeutet das für einen durchschnittlichen Haushalt? Und wann entspannt sich der Markt?

Die Welle an Preiserhöhungen für Strom und Gas nimmt Fahrt auf. Nach zahlreichen kleineren Anbietern hat heute auch die EnBW Energie Baden-Württemberg AG, der drittgrößte Versorger Deutschlands, Preiserhöhungen in Aussicht gestellt. "Seit Anfang des Jahres haben sich die Gaspreise an der Börse rund vervierfacht, die Strompreise verdreifacht", sagte Finanzchef Thomas Kusterer bei einer Telefonkonferenz. Zwar habe der Konzern eine langfristige Beschaffungsstrategie, die Entwicklung gehe aber nicht spurlos an EnBW vorbei. "Ich gehe davon aus, dass wir bei uns im Gasbereich eine Erhöhung sehen werden." Wie hoch diese ausfallen werde, sei offen.

Laut dem Vergleichsportal Check24 haben bereits mehr als 250 Gas- und Stromversorger ihre Preise erhöht oder Erhöhungen angekündigt, darunter 185 Gasanbieter. Im Durchschnitt beliefen sich die Preiserhöhungen dabei um 20,9 Prozent. Sie betreffen Check24 zufolge rund 1,4 Millionen Haushalte. Für einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 20.000 kWh bedeute das zusätzliche Kosten von durchschnittlich 319 Euro pro Jahr.

Wie sehr sich Gas zuletzt verteuert hat, zeigt auch ein Blick auf den Großhandelspreis. So wurden zuletzt 94,05 Euro pro MWh fällig. Im November 2020 kostete die Megawattstunde nur 14,18 Euro - eine Steigerung um 563 Prozent.

Mehrere Gründe für die hohen Preise

Die Ursachen für den Höhenflug sind vielfältig. Jelena Burmistrowa, die Chefin von Gazprom-Export, erklärte kürzlich den starken Gaspreisanstieg mit der kräftigen Erholung der Weltwirtschaft nach den Corona-Einschränkungen. Es gebe vor allem in Asien einen unerwarteten "Energiehunger". Zudem hätten die USA zusätzliches Flüssiggas lieber nach China als nach Europa geliefert, sagte Burmistrowa. Vorwürfe, Russland habe durch das Zurückhalten von Gas die Preise in die Höhe getrieben, wies sie entschieden zurück. Wer solche "Spekulationen über böswillige Handlungen Gazproms" aufstelle, sei weit weg von der Realität.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte der EU vorgeworfen, es im Frühjahr versäumt zu haben, die Gasspeicher wieder aufzufüllen. Erschwerend kam in diesem Jahr eine Windflaute in der Nordsee hinzu, so dass die Windkraftanlagen dort weniger Strom produzierten. Folglich musste mehr Gas als üblich zur Stromversorgung eingesetzt werden. Das schmälerte die Speichervorräte zusätzlich.

Russland verspricht Lieferungen

Der Kreml hat bekräftigt, die Energielieferungen nach Westeuropa wie vereinbart einzuhalten - ungeachtet der Drohungen des belarusischen Machthabers Alexander Lukaschenko, den Gastransit in die EU einzustellen. "Russland war, ist und wird immer ein Land sein, das seine Verpflichtungen zur Gasversorgung der europäischen Verbraucher erfüllt", sagte heute Kremlsprecher Dmitri Peskow laut Agentur Interfax. Die "zuverlässigen Lieferungen" erfolgten unabhängig von den Handlungen Minsks.

Lukaschenko hatte angesichts möglicher neuer Sanktionen der EU gegen Belarus damit gedroht, kein Gas mehr durch die Jamal-Europa-Leitung zu lassen. Das Außenministerium in Minsk warnte die EU erneut vor weiteren Strafmaßnahmen und drohte eine "harte Reaktion" an.

Mehr Gas über die Ukraine

Wie die Nachrichtenagentur dpa unter Verweis auf die russische Staatsagentur Ria Nowosti meldet, hat Gazprom die Lieferungen über Belarus am heutigen Freitag um 40 Prozent gesenkt. Stattdessen wurde nach Angaben aus Kiew der Transit über die Ukraine erhöht. "Die täglichen Transitmengen sind nach einer Senkung auf fast 57 Millionen Kubikmeter in den ersten Novembertagen auf die Vertragsmengen von 109 Millionen Kubikmeter zurückgekehrt", teilte der Chef des Betreiberunternehmens des ukrainischen Gastransportsystems, Serhij Makohon, auf Facebook mit. Damit verliert die durch Belarus führende Jamal-Pipeline an Bedeutung.

Dabei wollte Gazprom eigentlich auf die Ukraine als wichtigstes Transitland für russische Gaslieferungen nach Europa verzichten. Denn der Weg durch die Ukraine sei länger und deshalb teurer, so der Konzern; zudem sei das ukrainische Durchleitungsnetz marode. Russland dringt auf eine rasche Inbetriebnahme der umstrittenen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 08. November 2021 um 19:09 Uhr.