Zahlungsgerät H5000 der Firma Verifone mit einem Logo des Discounters Aldi auf dem Bildschirm | dpa

Dienstleister kontaktiert Finanzaufsicht prüft Zahlungsstörungen

Stand: 31.05.2022 11:03 Uhr

Während Kartenzahlungen nach den Geräteausfällen der vergangenen Woche bei vielen Einzelhändlern wieder möglich sind, läuft die Ursachenforschung weiter. Auch die Finanzaufsicht BaFin hat sich nun eingeschaltet.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) prüft die Zahlungsprobleme, die in der vergangenen Woche viele Tausend Kartenzahlungsterminals in Deutschland betroffen hat. Die BaFin steht in engem Kontakt mit verschiedenen Zahlungsdienstleistern, dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Bundesbank: "Zur besseren Einschätzung der Lage hat die BaFin umgehend eine Abfrage unter den möglicherweise betroffenen Zahlungsdienstleistern durchgeführt", so ein BaFin-Sprecher gegenüber tagesschau.de.

"Das Ziel der Abfrage bestand darin, ein besseres Bild über das Ausmaß der Störung zu erhalten. Die betroffenen Zahlungsdienstleister stehen nach unserer Kenntnis mit dem Hersteller in Kontakt und arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung", heißt es weiter.

Ursachenforschung und Fehlerbehebung

Unter die Lupe genommen werden dabei auch die Zahlungsdienstleister Concardis und Payone. Beide Finanzdienstleister fallen unter die Aufsicht der BaFin. Das Unternehmen Verifone, das die Terminals des betroffenen Modells H5000 bereitsgestellt hat, unterliegt als Hardware-Anbieter jedoch nicht der Finanzaufsicht. Payone hatte gestern mitgeteilt, dass bei dem Terminal die Entwicklung und Softwareerprobung seitens Verifone voraussichtlich noch andauern werde. Daher forciere Payone "Alternativszenarien", vor allem durch einen Terminaltausch.

Viele betroffene Discounter haben einen solchen Austausch bereits vorgenommen und zum Teil Entwarnung gegeben. Die Kartenzahlung werde "kurzfristig in allen Märkten wieder möglich sein", sagte ein Aldi-Nord-Sprecher. Zahlungsgeräte mit den Problemen würden durch neue Modelle ersetzt. "Ein Teil der Märkte wurde bereits am Wochenende umgerüstet, die restlichen folgen in den nächsten Tagen." Die von dem Softwarefehler betroffenen Kartenterminals H5000 des Herstellers Verifone sollten in diesem Jahr ohnehin schrittweise ausgetauscht werden, dies sei nun beschleunigt worden.

Das Schwesterunternehmen Aldi Süd war von den Problemen nicht betroffen. Der Discounter Netto stellte die Terminals ebenfalls um und meldete gestern bereits Vollzug. Im gesamten Filialnetz sei die Kartenzahlung wieder möglich, teilte das Unternehmen mit.

Software-Fehler in alter Hardware?

Über Ursachen, Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten dürfte in den kommenden Wochen weiter diskutiert werden. Die Geräte von Verifone, die bei vielen Einzelhändlern noch in Betrieb waren oder sind, gelten als veraltet und werden vom Hersteller schon seit mehreren Jahren nicht mehr vertrieben. Nur noch bis 2023 werden die H5000-Terminals noch mit Software-Updates unterstützt.

Beim aktuellen Zahlungsausfall für Girokarten könnte ein fehlendes oder abgelaufenes Sicherheitszertifikat die Ursache sein, dies wiederum könnte notwendige Software-Updates bei den Terminals verhindert haben.

Ob die Hard- und Software im Fall der Zahlungsterminals zu lange in Betrieb waren und längst hätten ausgetauscht werden müssen, könnte nun eine Erkenntnis aus der Untersuchung der Aufsichtsbehörden sein. Laut Recherchen des Finanz-Blogs "Finanz-Szene" waren 2018 noch rund 350.000 der Geräte des Modells H5000 deutschlandweit in Betrieb, das entspräche rund einem Drittel aller Girokarten-Zahlungsstellen.

Zu lange Übergangsfristen?

Womöglich haben zu lange Übergangsfristen für den Austausch der Terminals die Zahlungsprobleme verursacht. Den aktuellen Sicherheitsstandard TA 7.2 (TA steht für Technischer Anhang) erfüllen die Geräte nicht. Es gilt aber eine Übergangsfrist bis zum Jahr 2025, den die Deutsche Kreditwirtschaft den Betreibern eingeräumt hat.

Verbraucherschützer kritisieren inzwischen die zu starke Abhängigkeit der Wirtschaft von elektronischen Zahlungssystemen. Die Probleme führten "die Risiken vor Augen, die eine zu starke Abhängigkeit unserer Wirtschaft von unbaren Zahlungsinstrumenten mit sich bringt", so Claudio Zeitz-Brandmeyer vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).

"Auch wenn bargeldlose Verfahren immer mehr an Bedeutung gewinnen, bleibt das Bargeld als sichere Alternative wichtig." Ohne Bargeld hätten Verbraucherinnen und Verbraucher weitreichendere Probleme, und Unternehmen stünden vor viel größeren Umsatzeinbußen, sagt Zeitz-Brandmeyer.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 31. Mai 2022 um 10:11 Uhr.