Mehrere Fahrräder stehen wenige Tage vor Beginn der Eurobike am Rand der Eurobike-Pressekonferenz | dpa

Lieferprobleme "Hersteller kämpfen um jedes Rad"

Stand: 31.08.2021 17:04 Uhr

Zweiräder sind beliebt wie nie, die Hersteller kommen mit der Produktion kaum hinterher. Die Folge: Lieferengpässe und steigende Preise. Rund ums Fahrrad geht es von morgen an in Friedrichshafen.

Monatelanges Warten auf das neue Fahrrad - die Lieferprobleme der Zweirad-Branche werden für Kunden zunehmend zur Geduldsprobe. Nun hat ein wichtiger deutscher Hersteller vor anhaltenden Schwierigkeiten gewarnt. Eine Normalisierung der Lage auf den Weltmärkten und auch im heimischen Handel sei so schnell nicht zu erwarten, sagte der Geschäftsleiter von Bosch eBike Systems, Claus Fleischer. Weitere negative Auswirkungen in der zweiten Jahreshälfte seien zu erwarten - und eine mittelfristig angespannte Lage bei Rohstoffen, Komponenten und Teilen.

"Die Fahrradhersteller kämpfen um jedes Rad, das sie bauen können, weil immer wieder Komponenten fehlen", sagte Fleischer der Nachrichtenagentur dpa. Vor allem seien derzeit mechanische Komponenten knapp: Rahmen, Gabel und Bremsen. Auch elektronische Bauteile für E-Bikes seien nicht in ausreichender Zahl verfügbar - wegen Engpässen bei den Lieferanten, aber auch wegen des gestiegenen Bedarfs.

Handel mit Fahrrädern boomt

Die Corona-Pandemie hatte dem Fahrradhandel zuletzt zu hohen Umsätze verholfen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV) mehr als fünf Millionen Fahrrädern in Deutschland verkauft, ein Plus von fast 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der Boom der Branche bei anhaltender Teile-Knappheit wird auch Thema auf der weltweit größte Fahrradmesse "Eurobike" sein, die am Mittwoch in Friedrichshafen beginnt. In diesem Jahr werden aber laut Veranstalter deutlich weniger Ausstellende dabei sein als zuletzt im Sommer 2019. Damals kamen noch mehr als 1400 Ausstellende an den Bodensee. Wegen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen könnten derzeit viele Hersteller und Händler, vor allem solche aus asiatischen Ländern, nicht nach Friedrichshafen reisen, so ein Sprecher der Eurobike-Projektleitung.

1,2 Millionen E-Bikes verkauft

In Deutschland stiegen im vergangenen Jahr vor allem die Verkaufszahlen von E-Bikes, wie die Branchenvertreter in Friedrichshafen einen Tag vor Beginn der "Eurobike" weiter mitteilten. Fast zwei Millionen Elektroräder seien 2020 verkauft worden, ein Plus von 43 Prozent gegenüber 2019. Und die Händler hätten noch mehr verkaufen können, die Hersteller seien aber mit der Fertigung nicht hinterhergekommen, hieß es vom ZIV. Für dieses Jahr rechnet der Verband mit 1,9 Millionen verkauften E-Bikes.

Beim klassischen Fahrrad ohne Elektroantrieb gingen die Verkaufszahlen im ersten Halbjahr 2021 in Deutschland um 26 Prozent zurück, weil es laut ZIV auch hier Lieferprobleme gab. Wegen der Engpässe rechnet der ZIV mit Preissteigerungen bei Fahrrädern bis zu zehn Prozent.

Lastenräder im Trend

Große Nachfrage erlebt nach Branchenangaben auch der Markt für Lastenräder. Rund 103.000 Cargobikes wurden 2020 in Deutschland verkauft, drei Viertel davon mit Elektroantrieb, schätzt der ZIV. Ein Trend, den die "Eurobike" aufgreift. Lastenräder werden auf einer Sonderausstellungsfläche vorgestellt: Vom einklappbaren, leichten City-Cargobike bis zum ergonomischen Kindertransporter

Weitere Themenschwerpunkte und Trends auf der Messe in Friedrichshafen: sogenannte "Gravels" - das sind Breitreifen-Rennräder für schlechte Wege im Gelände. Darüber hinaus zeigen die Ausstellenden Neuheiten beim Zubehör: reflektierende Rahmen, Airbags für Radler sowie multifunktionale Bekleidung.

Maskenpflicht und 3G-Regel für Messe-Besucher

Die ersten beiden Messetage, Mittwoch und Donnerstag, sind ausschließlich dem Fachpublikum vorbehalten. An den Publikumstagen, den sogenannten "Festival Days" am 3. und 4. September, wird zusätzlich ein breites Rahmenprogramm mit spektakulären Shows auf dem Messegelände angeboten. Karten gibt es nur im Online-Vorverkauf. Besucher müssen geimpft, getestet oder genesen sein. In geschlossenen Räumen auf dem Messegelände besteht grundsätzlich eine Maskenpflicht.

Die Eurobike 2021 wird die letzte dieser Art in Friedrichshafen sein: Die Messe zieht nach 30 Jahren am Bodensee um nach Frankfurt. Die Premiere dort ist für den 13. bis 17. Juli 2022 geplant. Die Verantwortlichen nannten unter anderem die bessere Erreichbarkeit in Frankfurt, mehr Platz und mehr Internationalität als Vorteile.

Mit Informationen von Stefanie Baumann, SWR

Über dieses Thema berichtete rbb24 am 30. August 2021 um 21:45 Uhr.